Unterstützt die Reformideen ihres Trainers: Nicole Schott.

"Unser Sport ist zu begrenzt": Essenerin Schott fordert Eiskunstlauf-Reform

Stand: 02.02.2022, 10:25 Uhr

Deutschlands beste Eiskunstläuferin Nicole Schott und ihr Trainer Michael Huth haben vor den Olympischen Winterspielen in Peking eine Modernisierung ihrer Sportart mit neuen Disziplinen gefordert.

"Der Eiskunstlauf gehört zu den Sportarten, die sich am wenigsten mit Wettkampfformen und -durchführung auseinandersetzt", kritisierte der frühere DDR-Meister und Coach mit internationalem Renommee. "Wir müssen darüber nachdenken, Technik-, Mehrkampf- oder Show-Weltmeister zu haben."

Die zweiten Olympischen Spiele für Schott

Die letzte olympische Innovation der Internationalen Eislauf-Union ist der Teamwettbewerb, der 2018 in Pyeongchang Olympia-Premiere feierte, bei der Deutschland den 7. Platz belegte. In Peking werden am Freitag zehn Mannschaften vor der Eröffnungsfeier den Kampf um die Medaillen beginnen. "Es ist ein total cooles Event", sagte Schott, die schon vor vier Jahren dabei war.

Von Nolte bis Sander - NRW-Sportler bei den Winterspielen in Peking

149 Athletinnen und Athleten aus Deutschland treten in 25 Sportarten bei den Olympischen Winterspielen in Peking an. 14 von ihnen kommen aus Nordrhein-Westfalen. Wir stellen sie vor.

Bobfahrerin Laura Nolte

Laura Nolte, Bob (BSC Winterberg)
Mit klaren Medaillenambitionen reist die 23-jährige Laura Nolte zu ihren ersten Olympischen Winterspielen. In ihrer Jugend war die aus Unna stammende Nolte noch Sprinterin und wechselte 2015 zum Bobsport. Schon 2016 nahm sie an den Olympischen Jugendspielen in Lillehammer teil. In Peking startet sie im Monobob und im Zweierbob mit Anschieberin Deborah Levi. Gemeinsam wurden sie 2021 in Winterberg Europameisterinnen und holten acht Weltcupsiege. Nolte gewann zudem im Monobob bei der EM 2022 in St. Moritz die Silbermedaille. "Mein Traum ist, am Ende der Spiele sagen zu können: Ich habe alles gegeben und erfolgreiche Wettkampftage erlebt. Dann wird das Ergebnis sicher auch nicht so verkehrt sein", sagt sie.

Laura Nolte, Bob (BSC Winterberg)
Mit klaren Medaillenambitionen reist die 23-jährige Laura Nolte zu ihren ersten Olympischen Winterspielen. In ihrer Jugend war die aus Unna stammende Nolte noch Sprinterin und wechselte 2015 zum Bobsport. Schon 2016 nahm sie an den Olympischen Jugendspielen in Lillehammer teil. In Peking startet sie im Monobob und im Zweierbob mit Anschieberin Deborah Levi. Gemeinsam wurden sie 2021 in Winterberg Europameisterinnen und holten acht Weltcupsiege. Nolte gewann zudem im Monobob bei der EM 2022 in St. Moritz die Silbermedaille. "Mein Traum ist, am Ende der Spiele sagen zu können: Ich habe alles gegeben und erfolgreiche Wettkampftage erlebt. Dann wird das Ergebnis sicher auch nicht so verkehrt sein", sagt sie.

Matthias Sommer (hinten), Bob (BSC Winterberg)
Auch Matthias Sommer feiert in Peking seine Olympia-Premiere. Er ist als Anschieber von Pilot Christoph Hafner sowohl im Zweier- als auch Viererbob gesetzt. Nach langer Verletzungspause ist seine Zielsetzung für die Spiele moderat: "Bei uns ist es was anderes als für die Teams von Lochner und Friedrich, die im Weltcup schon mehrmals auf dem Podest waren. Wir versuchen so gut wie möglich mitzuhalten", sagt er. Auch der 30-Jährige, der in Witten geboren ist und in Bochum wohnt, war in seiner Jugend Leichtathlet. Nach mehreren Verletzungen wechselte er 2015 zum Bobsport und wurde 2016 und 2018 Junioren-Weltmeister im Viererbob.

Christoph Weber (l.), Bob (BSC Winterberg)
"Mich interessiert momentan nicht einmal, was zwei Tage nach den Olympischen Spielen ist. Für mich geht es jetzt genau bis zu dem Wettkampf im Viererbob", sagt Christoph Weber vor den Spielen. Weber reist als Anschieber im Viererbob von Pilot Johannes Lochner nach Peking. Der gebürtige Dortmunder hat schon 2018 an den Spielen in Pyeongchang teilgenommen, für eine Medaille reichte es aber nicht. Dafür ist Weber 2020 Europameister und Vize-Weltmeister im Viererbob geworden. Bei dem EM 2022 reichte es aber nur für den fünften Platz. Auch er ist ein Quereinsteiger in den Bobsport. Vorher war er als Sprinter unterwegs und legte die 100 Meter in 10,76 Sekunden zurück.

Leonie Fiebig, Bob (BSC Winterberg)
Für die 31-jährige gebürtige Minderin werden die Olympischen Spiele in Peking die ersten Winterspiele sein. Allerdings wird sie nur als Ersatzfrau nach China reisen. Fiebig ist noch recht neu im Bobsport. In ihrer Jugend war Fiebig als Turnerin aktiv und wechselte später zur Leichtathletik. Erst 2017 gab sie ihr Debüt als Anschieberin im Weltcup. Seit 2018 steht sie im Nationalkader. Zu ihren bisherigen Erfolgen zählen eine EM-Bronzemedaille und zwei Weltcup-Siege.

Kira Lipperheide (l.), Bob (TV Gladbeck)
Auch Kira Lipperheide fährt als Ersatzfrau nach Peking. "Es ist etwas sehr Besonderes mit dabei zu sein", sagt die 21-jährige gebürtige Castrop-Rauxelerin dennoch. Lipperheide ist Anschieberin im Zweierbob. Gemeinsam mit Pilotin Kim Kalicki gewann sie 2020 in Altenberg überraschend WM-Silber. Bei der EM 2022 in Winterberg holte sie mit Pilotin Mariama Jamanka ebenfalls die Silbermedaille. Vor dem Bobsport war auch sie als Leichtathletin aktiv und führte zeitweise sogar beide Sportarten parallel aus.

Moritz Müller, Eishockey (Kölner Haie)
Moritz Müller feierte 2018 bei den Winterspielen in Pyeongchang den bislang größten Erfolg seiner Karriere. Er war wichtiger Bestandteil des deutschen Eishockeyteams, das sensationell die Silbermedaille gewann. 2022 wird er die DEB-Auswahl als Kapitän anführen. Der in Frankfurt am Main geborene Verteidiger, der eigentlich zunächst als Stürmer spielte, ist mittlerweile ein Kölner Urgestein. Als Jugendlicher wechselte er im Jahr 2003 zu den Haien und hat seitdem den Verein nicht mehr gewechselt. Sein Debüt für das Team des Deutschen Eishockey Bundes gab der heute 35-Jährige im Jahr 2007.

Marco Nowak, Eishockey (Düsseldorfer EG)
Marco Nowak war 2018 noch nicht Teil des DEB-Teams. Für den Verteidiger der Düsseldorfer EG werden die Spiele in Peking also die ersten Olympischen Spiele. Bei der Nominierung sei Nowak "ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich das endlich geschafft habe", sagte der gebürtige Dresdner. Eine Überraschung war die Nominierung aber nicht. Im Frühjahr spielte Nowak eine starke Weltmeisterschaft und im November führte der 31-Jährige die DEB-Auswahl als Kapitän aufs Feld. Nowak ist bereits seit 2016 in Diensten der DEG.

Katharina Müller und Tim Dieck, Eiskunstlauf (ERC Westfalen Kunstlauf Dortmund)
Für Kathatrina Müller und Tim Dieck sind die Spiele in Peking die ersten Olympischen Winterspiele. Die gebürtige Russin und der gebürtige Dortmunder sind die amtierenden Deutschen Meister im Eistanzen. Schon seit 2014 trainieren sie zusammen in Dortmund und Moskau. Die 26-jährige Müller hat bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Eiskunstlaufen angefangen. Seit 2009 ist sie im Eistanz aktiv. Dieck ist 25 Jahre alt, auch er hat 2000 mit dem Eiskunstlaufen angefangen und 2011 mit dem Eistanzen begonnen. Im vergangenen Jahr gewannen sie neben der Deutschen Meisterschaft auch die NRW Autumn Trophy in Dortmund.

Nicole Schott, Eiskunstlauf (Essener Jugend Eiskunstlauf e.V.)
Nicole Schott ist seit Jahren die wohl beste deutsche Eiskunstläuferin. Wie in Peking war sie schon 2018 bei den Spielen in Pyeongchang die einzige deutsche Starterin im Einzel. Die Spiele endeten für die gebürtige Essenerin allerdings mit einem enttäuschenden 18. Platz. Im Mannschaftswettbewerb belegte sie mit dem deutschen Team Rang sieben. Für Peking hat sich die 25-Jährige kein konkretes Ziel gesetzt. "Ich mache den Sport heute mehr, um ihn zu genießen. Der große Druck ist inzwischen etwas abgefallen", sagte sie. International war der neunte Platz im Einzel bei der EM 2015 in Stockholm ihr bisher größter Erfolg. National holte Schott bereits sieben Mal den Deutschen Meistertitel.

Hannah Neise, Skeleton (BSC Winterberg)
Hannah Neise hat ungewollt spannende Wochen hinter sich. Eine Corona-Infektion machte der 21-Jährigen fast einen Strich durch die Olympia-Pläne. Aber die Arnsbergerin ist rechtzeitig fit geworden und fährt nun zu ihren ersten Olympischen Winterspielen. Neise ist seit 2012 im Skeleton aktiv und hat ihre größten Erfolge bislang im Juniorinnenbereich gefeiert. 2021 wurde sie St. Moritz Junioren-Weltmeisterin. Bei der Senioren-WM im gleichen Jahr belegte sie den siebten Platz.

Alexander Gassner, Skeleton (BSC Winterberg)
Alexander Gassner wurde 1989 in Rumänien geboren. Als er drei Jahre als war, kamen seine Eltern nach Deutschland. Hier entdeckte er Skeleton für sich. Die Winterspiele in Peking sind bereits die zweiten Olympischen Spiele für den 32-Jährigen. In Pyeongchang reichte es aufgrund eines Muskelfaserrisses nicht zu einer Medaille. In Peking gehört er jedoch zu den Medaillenanwärtern. Bei der EM 2022 in St. Moritz unterstrich er mit der Silbermedaille seine aktuell gute Form.

Jaqueline Lölling, Skeleton (RSG Hochsauerland)
Eigentlich hatte Jaqueline Lölling die Qualifikation für die Winterspiele in Peking verpasst. Dank eines Sonderantrags des Bob- und Schlittenverbands Deutschland beim Deutschen Olympischen Sportbund hat der DOSB die Vize-Weltmeisterin dennoch nominiert. Denn Lölling war zu Beginn der Saison verletzt und hatte dadurch einen Nachteil. Außerdem sehe man bei der gebürtigen Siegenerin klare Chancen auf eine Medaille. Somit kann die 26-Jährige doch noch zu ihren zweiten Olympischen Spielen fahren. 2018 in Pyeongchang gewann sie die Silbermedaille.

Andreas Sander, Ski Alpin (SG Ennepetal)
Andreas Sander war als Medaillenkandidat zu den Winterspielen 2018 nach Pyeongchang gereist. Am Ende wurde es Rang acht im Super-G. Dass er es kann, bewies der gebürtige Schwelmer bei der Weltmeisterschaft 2021 in Cortina d'Ampezzo, als er die Silbermedaille gewann. Doch aktuell sieht sich Sander selbst nicht in Olympia-Form. Auf der Streif in Kitzbühel landete er zuletzt satte drei Sekunden hinter Sieger Beat Feuz. Das bedeutete einen enttäuschenden 30. Platz. Und in Peking? "Ich habe ein gutes Gefühl auf dem Schnee", sagte der 32-Jährige nach der Ankunft. "Ich bin recht zuversichtlich."

Vorbild Biathlon

Die viermalige deutsche Meisterin unterstützt die Reformideen ihres Trainers Huth. "Die Vorschläge finde ich richtig gut, unser Sport ist zu begrenzt bei der Zahl der Medaillenvergaben bei EM, WM und den Winterspielen", sagte die 25-jährige Essenerin Schott. Für sie ist Biathlon ein Vorbild und Vorreiter zur Weiterentwicklung einer Sportart.

"Die Biathleten haben im Winter viel mehr Medienaufmerksamkeit, weil viel mehr Medaillen vergeben werden", sagte sie. "Das wäre auch für das Eislaufen besser, um es populärer zu machen." Die Biathleten und Biathletinnen gehen in China in elf Disziplinen in der Loipe und am Schießstand auf Medaillenjagd.

Russische Dominanz ein weiterer Beweggrund

Hinter den Ideen von Huth steckt noch ein anderer wichtiger Beweggrund: Die fast erdrückende Dominanz der russischen Vierfachspringerinnen, an die kein Schlittschuh-Land der Welt heranreicht. "Das sind interessante Ansätze", lautet der Kommentar von Claudia Pfeifer, der Sportdirektorin der Deutschen Eislauf-Union. "Damit käme man besser mit der Diskrepanz zurecht. Bei einer gewissen Anzahl von Vierfachen können andere Nationen einpacken."

Man müsse sich aber fragen, ob dem künstlerischen Anspruch genüge getan werde, wenn "nur noch von einem Vierfachen zum nächsten gerannt werde", sagte sie. "Vor dem Hintergrund wäre es interessant, über andere Wettkampf-Formate zu sprechen." Zumal Russland die Zulassung der vierfachen Sprünge auch im Kurzprogramm durchsetzen will.

Vizepräsident Ketterer ist skeptisch

Ob dies die Kufen-Herrschaft von Russland mit Wunderkind Kamila Walijewa (15) an der Spitze einer Schar sprunggewaltiger Teenager beeinträchtigen würde, bezweifelt der in der DEU für Leistungssport zuständige Vizepräsident Reinhard Ketterer.

"Man könnte den Eiskunstlauf für neue Disziplinen öffnen, doch die russischen Mädchen würden auch den Artistik-Wettbewerb gewinnen", sagte er. "Den gewinnt nicht die Schott." Grundsätzlich sei er dafür, "nur die Hoffnung, die man damit verknüpft, die wird sich nicht so erfüllen".

Quelle: dpa