Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag - die Mahnerin hört auf

Dagmar Freitag, Bundestagsabgeordnete, informiert Journalisten bei einer Pressekonferenz im Hotel «Vier Jahreszeiten» über die Olympia-Bewerbung 2032

Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag - die Mahnerin hört auf

Dagmar Freitag hat oft Klartext gesprochen. Die SPD-Politikerin verabschiedet sich nun aus Berlin. Das Anti-Doping-Gesetz ist mit ihrem Namen verknüpft, aber auch häufige Kritik am DOSB.

Als Sportausschussvorsitzende des Bundestages war Dagmar Freitag zwölf Jahre lang Impulsgeberin, Mahnerin und scharfzüngige Kritikerin, die Fehlentwicklungen und Missstände offen ansprach. Besonders viele Reibungspunkte hatte die SPD-Politikerin mit dem Deutschen Olympischen Sportbund unter der Führung von Präsident Alfons Hörmann.

Freitag: "Spitzensport-Reform noch nicht gescheitert"

"Im Spitzensport haben wir einen beispiellosen Niedergang des Renommees des Dachverbandes DOSB erleben müssen", lautet ein Fazit ihrer Amtszeit, die mit dem Ausscheiden aus dem Bundestag nach fast 27 Jahren endet.

Die 68 Jahre alte Lehrerin aus Iserlohn verabschiedet sich aber nicht, ohne nicht noch weitere Kritik und Spitzen zu hinterlassen. Zum Beispiel sehe sie die Reform des Spitzensportes zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht als gescheitert an, doch sei die zwingend notwendige Erneuerungen vom DOSB "verschleppt" worden. Dabei hat der Bund die Sportförderung von 133 Millionen Euro vor zehn Jahren auf 293 Millionen Euro erhöht.

PotAS-Ranking nur von den schlecht bewerteten Verbänden kritisiert

Sie liest aber auch den Verbänden die Leviten, von denen eine Reihe die Potenzialanalyse (PotAS) kritisiert hatten, die eine Bewertung der Potenziale in den olympischen Disziplinen ermöglicht und Basis für die Verteilung der Fördergelder ist. "Kritik kommt vor allem von denen, die aufgrund erkannter Defizite im PotAS-Ranking schlecht abgeschnitten haben", sagte Freitag.

Tatsächlich würde die PotAS-Analyse nun "ungeschminkt" in Finanzierungszusagen umgesetzt. Nach dem schlechtesten Abschneiden bei den Olympischen Spielen in Tokio seit der Wiedervereinigung, sei aber auch klar, dass "mehr Geld" nicht "mehr Medaillen" bedeute.

DOSB-Vorhersage hat sich nicht bewahrheitet

Die Corona-Krise hat auch den deutschen Sport arg in die Bredouille gebracht. Aber "die vom DOSB prognostizierten Katastrophenszenarien" von einer "flächendeckenden Flucht der Vereinsmitglieder" hat sich nach Ansicht von Freitag nicht bestätigt.

Einen Seitenhieb beim Pandemie-Thema bekommt auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab. "Allein aus gesundheitspolitischen Erwägungen" habe sie erwartet, dass ihr Koalitionskollege mit dem DOSB eine Kampagne zur Unterstützung der Sportvereine auflegt: "Leider Fehlanzeige".

Dagmar Freitag: UEFA nimmt Infektionen "billigend in Kauf"

Sportschau 25.06.2021 05:02 Min. Verfügbar bis 25.06.2022 ARD


dpa | Stand: 11.10.2021, 09:48