Melvie Tiafack - der boxende Rohdiamant

Nelvie Tiafack (l.) im Kampf gegen Richard Torrez

Melvie Tiafack - der boxende Rohdiamant

  • Melvie Tiafack ist die große Hoffnung im Boxsport
  • Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio steht an
  • Der 20-Jährige muss noch geformt werden

Für den Einstieg ins Boxen benötigte Nelvie Tiafack tatkräftige Unterstützung - denn seine Mutter wurde vor dem ersten Training zur größten Gegnerin. "Wenn ihr meine Mutter überreden könntet, dann komme ich auf jeden Fall mit", sagte Tiafack zu seinen Freunden, die ihn in seiner Heimatstadt Bergheim vom Bolzplatz in die Boxhalle lotsen wollten.

Die Freunde hatten beim Kicken längst erkannt, dass ihr Kumpel mit der stattlichen Figur einen guten Faustkämpfer abgeben würde. Sie blieben hartnäckig und sollten Erfolg haben. "Dann sind wir zu meiner Mutter gegangen, und sie hat 'ja' gesagt", erinnert sich Tiafack.

Einige Erfolge im Jugendbereich

Zunächst suchte der 117-Kilo-Koloss sein Glück im Kickboxen, der bei jüngeren Athleten oft populäreren Variante. Doch nach zwei Trainingseinheiten stellte der Hüne fest, dass die Fußtritte nichts für ihn sind und er nur Boxen wollte. Beim Kölner Traditionsverein SC Colonia fand er schließlich den richtigen Einstieg in seinen neuen Sport, mittlerweile wird er von Ex-Boxer Lukas Wilaschek betreut.

In den folgenden fünf Jahren hat der heute 20-Jährige mit beachtlichen Erfolgen auf sich aufmerksam gemacht: Deutscher U18-Meister 2015, Deutscher U19-Meister, Bronze bei der Jugend-WM (alles 2016), Kölns Nachwuchssportler des Jahres 2017 und Deutscher U21-Meister 2018. Bilderbuchmäßig - und das machte dann auch die kritische Mama stolz.

Tokio ist das Ziel

"Spätestens als ich meinen ersten Kampf gewonnen habe und aller spätestens als ich deutscher Meister geworden bin, war sie voll überzeugt", erzählt Tiafack. Sehenswerte Vorstellungen zeigte der gebürtige Kameruner im letzten Sommer mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den European Games im weißrussischen Minsk und dem Erreichen des Viertelfinals bei der WM der Amateure in Jekaterinburg/Russland. Alles Gradmesser auf dem Weg zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020.

"Ich war mega begeistert von Minsk. Das war schon ein kleines Olympia", schwärmte Tiafack. Zunächst muss er sich bei der nationalen Ausscheidung in Kienbaum (18. bis 22. Dezember) durchsetzen, dann folgen internationale Qualifikationsturniere, im März in London und sechs Wochen später in Paris.

Sprung zu den Profis ist geplant

Der Verband ist zuversichtlich. "Aus Sicht unserer Trainer ist er ein Rohdiamant, der gerade in diesem Jahr eine gute Entwicklung genommen hat", sagte Geschäftsführer Michael Müller vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV).

Tiafack will das Vertrauen zurückzahlen. Und auch über seine Zukunft, dem Sprung vom Amateur- in den Profibereich, braucht sich Tiafack keinerlei Sorgen zu machen. "Das ist kein Plan. Es ist sicher, dass ich später ins Profilager wechseln werde. Nur wann, das ist die Frage", sagte Tiafack.

Nelvie Tiafack: Superschwergewichts-Hoffnung bei der Box-WM Sportschau 12.09.2019 05:27 Min. Verfügbar bis 12.09.2020 Das Erste

sid | Stand: 02.12.2019, 20:15