LSB stellt Studie zu sexualisierter Gewalt vor

Sportsoziologin Bettina Rulofs

LSB stellt Studie zu sexualisierter Gewalt vor

Von Andrea Schültke

Sexuelle Belästigung im Sport ist spätestens seit den Skandalen im Turnen ein großes Thema. Beim Landessportbund NRW hat man sich nun sehr genau mit diesem Thema befasst.

Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen hat am Dienstag den Auftakt zu einer Studie vorgestellt. Unter anderem sollen die Mitglieder der 18 000 Sportvereine im Land online befragt werden zu "Sexualisierte Grenzverletzungen, Belästigung und Gewalt im organisierten Sport in NRW". Aus dem Leistungssportbereich liegen Zahlen zum Ausmaß sexualisierter Gewalt vor, nicht aber aus dem Breitensport. Das soll sich jetzt ändern.

Sexualisierte Gewalt kein Tabuthema mehr

"Alles, was Klarheit schafft, hilft den Opfern", so Birgit Palzkill. Die Sportsoziologin ist Beauftragte des Landessportbundes NRW zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Vor 25 Jahren hat sie die erste Studie zum Thema gemacht und ist damals dafür angefeindet und beschimpft worden.

Birgit Palzkill

Birgit Palzkill

Mittlerweile, sagt sie, sei das Thema "sexualisierte Gewalt im Sport" aus der Tabuzone herausgerückt: "Inzwischen ist sexualisierte Gewalt ja doch als Problem in der Gesellschaft angekommen. Und wenn ein Verein jetzt zum Beispiel ein Präventions- und Interventionskonzept macht, dann wird er deshalb nicht mehr angegriffen, sondern im Gegenteil, Eltern fragen die Vereine: Habt ihr ein Konzept?" Von der Studie erhofft Palzkill sich einen Überblick über das Ausmaß sexualisierter Gewalt und Grenzverletzungen in den Vereinen, also im Breitensport.

Befragung der Vereine im Breitensport

Zahlen zum Leistungssport gibt es bereits seit knapp vier Jahren. Damals hatte Sportsoziologin Bettina Rulofs die Studie "Safe Sport" mit geleitet. Die Wissenschaftlerin von der Bergischen Universität Wuppertal ist auch jetzt wieder federführend, gemeinsam mit den Kolleginnen von der Uniklinik Ulm.

Studie zur sexualisierten Gewalt im Breitensport

Sportschau 25.08.2020 02:23 Min. Verfügbar bis 25.08.2021 ARD Von Andrea Schültke


Das Team plant Vereinsmitglieder im Landessportbund Nordrhein-Westfalen zu befragen, welche Erfahrungen sie mit sexualisierter Gewalt, aber auch mit sexualisierten Grenzverletzungen, mit Belästigungen haben. Zusätzlich wird auch nach emotionalen Gewalterfahrungen oder körperlichen Gewalterfahrungen gefragt. Neben NRW werden sich noch sieben weitere Landessportbünde an der Studie beteiligen.

Verbände sollen ebenfalls Aussagen machen

Sexualisierte Gewalt ist ein Problem der gesamten Gesellschaft. Die Fälle in Lügde, Bergisch Gladbach und Münster haben noch einmal besondere Aufmerksamkeit darauf gelenkt.

"Und warum sollte das nicht auch im Sport vorkommen? Der Sport ist ein Bereich, der für Kinder und Jugendliche sehr wichtig ist. 50 Prozent der Mädchen und 60 Prozent der Jungen sind Mitglied im Sportverein. Warum sollte dort keine sexuelle Gewalt passieren? Von daher gehe ich davon aus, dass wir auch entsprechende Erfahrungen erheben werden", ist sich Sportsoziologin Bettina Rulofs sicher. Das Team wird aber auch die Verbände befragen, will wissen, wie diese in Sachen Prävention sexualisierter Gewalt aufgestellt sind und wo sie Unterstützung brauchen.

Stand: 25.08.2020, 17:46