Die "geräuschlose" Leichtathletik-EM in Wattenscheid

Delia Gaede (LG Olympia Dortmund)

Die "geräuschlose" Leichtathletik-EM in Wattenscheid

Von Cora Lanzerath

  • Leichtathletik-EM der Gehörlosen startet mit 175 Sportlern
  • Visuelles Signal ergänzt den klassischen Startschuss
  • Dortmunder Jungtalent Delia Gaede hofft auf Medaille

Seit Montag findet im Wattenscheider Lohrheidestadion die 10. Leichtathletik-EM der Gehörlosen statt (22. bis 27.07.2019). Auf den ersten Blick erinnert dabei viel an die EM vor einem Jahr in Berlin. Es gibt einen Einmarsch der Nationen, Volunteers stehen bereit, man sieht den Athleten die innere Anspannung und Vorfreude auf die Wettkämpfe an und natürlich steht auch hier in Wattenscheid die Jagd nach Medaillen im Vordergrund.

Und dennoch ist die EM der Gehörlosen eine etwas andere Leichtathletik-Europameisterschaft. Das fängt schon bei der Größe an: Kämpften in Berlin insgesamt 1.572 Athleten um die Titel, sind es in Bochum gerade einmal 175. Und auch die Zahl der Volunteers ist mit etwa 50 um einiges geringer als vor einem Jahr in der Hauptstadt.

Ampelsignal und Hände ersetzen Geräusche

Der größte Unterschied aber liegt natürlich in den Geräuschen. So ertönt bei den Laufwettbewerben zwar der übliche Schuss, die Sportler richten ihre Aufmerksamkeit beim Start jedoch auf ein visuelles Ampelsignal. Und auch die Kommunikation läuft in Bochum-Wattenscheid etwas anders - anstatt des Mundes sind hier die Hände das Mittel der Wahl.

Inwiefern sich die Gehörlosen-EM in der Organisation und Durchführung noch von einer Veranstaltung mit Teilnehmern ohne Handicap unterscheidet, haben uns der Sportdirektor des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes, Stefan Lamertz, und Jan Eichler, Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit, verraten. Im Skype-Interview erklären sie außerdem, was "gehörlos" eigentlich genau bedeutet.

Gehörlosenverband zur Leichtathletik-EM 2019 Sportschau 22.07.2019 09:56 Min. Verfügbar bis 22.07.2020 Das Erste

175 Aktive, 19 Disziplinen, 27 Nationen – es verspricht spannend zu werden. Aus deutscher Sicht ist unter anderem der amtierende Vizeweltmeister über 1.500 Meter, Alexander Bley aus Hannover, ein gefürchteter Konkurrent auf den Mittelstrecken. Auch 10.000-Meter-Läuferin Nele Alder-Baerens (Magdeburg) will sich in Wattenscheid Gold sichern.

Aus NRW-Sicht sollte man sich vor allem den Namen Delia Gaede merken. Das Dortmunder Jungtalent qualifizierte sich mit großartiger Leistung bei den Deutschen Gehörlosen Meisterschaften für den 200-Meter-Sprint.

Sechs Tage Hochleistungssport, Eintritt ist frei

Der offizielle Startschuss für die Leichtathletik-EM der Gehörlosen war die Eröffnungszeremonie am Montag. Im Anschluss gab es direkt die ersten Sprintwettbewerbe. An den folgenden Tagen beginnen die Wettkämpfe jeweils um 13 Uhr, Ausnahme ist der Ruhetag am 24. Juli. Mit der Abschlussfeier am Samstagabend (27.07.2019) enden die Europameisterschaften. Der Eintritt ins Lohrheidestadion ist während des gesamten Turniers frei.

Stand: 23.07.2019, 13:28