Verschwörungsgläubige Alexandra Wester: ASV Köln ist machtlos

Alexandra Wester

Verschwörungsgläubige Alexandra Wester: ASV Köln ist machtlos

Von Lukas Thiele

  • Wester verbreitet Verschwörungsmythen
  • Verein ASV Köln kann nichts dagegen tun
  • Kein Vertragsverhältnis mehr
  • Wester startet trotzdem weiter für ASV

Alexandra Wester hat ihrem Ärger am Dienstagabend in einem Video auf Instagram Luft gemacht. Der Grund: die fristlose Kündigung der Baskets Bonn gegen ihren Freund Joshiko Saibou wegen "Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrages als Profisportler" (Baskets Bonn). "Ein Verein sollte einen Athleten in seiner Diversity, seiner Entwicklung und auch seiner polarisierenden Meinung unterstützen oder zumindest sie akzeptieren. Ihn aber so abzufertigen, ist ein Schlag ins Gesicht, und es ist unfair. Das ist krass, und ich hätte nicht gedacht, dass das im Jahr 2020 noch passieren kann", sagte die 26-jährige Leichtathletin aus Köln.

Verschwörungsmythen über Corona-Virus

Saibou und Wester waren am vergangenen Samstag bei der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin und hatten davon Fotos in den sozialen Netzwerken veröffentlicht. Schon vorher war das Paar mit der Verbreitung von Verschwörungmythen rund um das Corona-Virus aufgefallen. So beklagte Wester unter anderem via Instagram, dass sie durch die Corona-Maßnahmen ihrer Freiheit beraubt werde. Außerdem sprach sie von einem Impfzwang für die Bevölkerung und von Ärzten und Anwälten, die Menschenrechte verteidigen und dafür in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden.

Im Fall Saibou haben die Baskets Bonn nun die Notbremse gezogen, weil sie ihn als "permanentes Infektionsrisiko" sahen. "Man kann über das Virus und die Maßnahmen diskutieren, aber wir haben als Club die Realität zu beachten. Und die lautet, dass wenn wir unseren Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten wollen, alles Erdenkliche tun müssen, um ein Hygienekonzept zu präsentieren und glaubhaft umzusetzen. Das gestaltet sich mit Joshiko Saibou recht schwierig", sagte Baskets-Sportmanager Michael Wichterich gegenüber dem WDR.

Telekom Baskets: Saibous Kündigung war notwendig

Sportschau 05.08.2020 05:14 Min. Verfügbar bis 05.08.2021 Das Erste

Vorerst keine Konsequenzen von Seiten des DLV

Wester drohen von Seiten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) aktuell noch keine derartigen Sanktionen. "Unsere Sportler können jederzeit an Demonstrationen teilnehmen, denn das ist ihr Grundrecht. Allerdings erwarten wir, dass sie sich auch wie alle Teilnehmer an die Regeln halten", teilte DLV-Cheftrainerin Annett Stein auf WDR-Anfrage mit. "Wir wissen nicht, ob Alexandra sich an die Anordnungen gehalten hat, falls nein, wäre dies von unserer Seite aus nicht zu akzeptieren. Wir reden derzeit noch nicht über Konsequenzen, sondern werden zunächst mit ihr darüber sprechen, um ihren Auftritt bei der Demonstration besser einordnen zu können. Wir möchten verstehen, wie sie selbst diesen Vorgang bewertet."

Auf Vereinsebene startet Wester offiziell für den ASV Köln. "Der ASV distanziert sich eindeutig von Frau Westers Aussagen. Wir unterstützen sie nicht", sagte Geschäftsführer Alexander Mronz im Gespräch mit dem WDR. Sanktionieren könne der Verein die Olympia-Teilnehmerin von 2016 aber nicht, denn die 26-Jährige stehe beim ASV gar nicht mehr unter Vertrag, so Mronz. Weil sie mehrfach ihren vertraglichen Verpflichtungen wie Präsenzterminen nicht nachgekommen sei, habe der ASV den Vertrag bereits im vergangenen Oktober "mit deutlichen Worten" aufgelöst. "Als verantwortlicher Geschäftsführer des ASV habe ich persönlich seit etwa einem Jahr bewusst keinen Kontakt mehr zu Frau Wester", sagte Mronz.

Wester weiter auf Meldeliste

Weitspringerin Alexandra Wester vom ASV Köln

Weitspringerin Alexandra Wester vom ASV Köln

"Leider hat sie es am Ende des letzten Jahres versäumt sich einem anderen Verein anzuschließen. Um dem Fortgang ihrer sportlichen Karriere nicht zusätzlich Schwierigkeiten zu bereiten, haben wir ihren Namen auf der offiziellen Verbandsmeldeliste weiter geführt", erklärte Mronz. Denn ohne auf der Meldeliste eines Vereins zu stehen, dürfen Athleten keine Wettkämpfe bestreiten. Deshalb starte Wester zumindest offiziell noch für den ASV. Ein Zustand, den Mronz sehr bedauere. "Wir können sie nicht suspendieren, oder ihr kündigen, weil wir keinen Vertrag mehr mit ihr haben", sagte Mronz.

Änderungen an den Meldelisten sind jeweils nur zum 1. Januar möglich. "Und ich kann 100-prozentig sagen, dass Frau Wester ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr auf unserer Meldeliste steht", so Mronz. Inoffiziell sei das Kapitel Alexandra Wester aber schon beendet, so Mronz. Die Deutsche Meisterschaft in Braunschweig am kommenden Wochenende ist der letzte Wettbewerb des Jahres. Wester hat sich nicht qualifiziert.

Saibou mit Entlassungs-Statement Sportschau 05.08.2020 01:14 Min. Verfügbar bis 05.08.2021 Das Erste

Stand: 05.08.2020, 18:01

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