"Zustände unzumutbar" - Kölner Sport revoltiert gegen Politik

Laufschuhe vor Kölner Dom

"Zustände unzumutbar" - Kölner Sport revoltiert gegen Politik

Von Olaf Jansen

Es fehlen Hallen, Sportplätze und Konzepte - die Kölner Sportvereine haben die Nase voll von der Stadtpolitik. Sie fordern Veränderungen und mehr Geld - und zwar rasch.

Holger Dahlke ist genervt. Schon seit Jahren. "Wir haben im Bezirk Köln-Mülheim 150.000 Einwohner. Aber nur ein einziges Hallenbad - aus den 60er Jahren. Und das müsste dringend mal renoviert werden", klagt der Geschäftsführer des MTV Köln, einem Breitensportverein mit rund 5.000 Mitgliedern. Stephan Baeck, Chef der RheinStars Köln, beschäftigt ein ähnliches Problem: "Wir haben als Basketballverein insgesamt 55 Mannschaften im Spielbetrieb. Die trainieren in 23 Hallen - verteilt über das ganze Stadtgebiet. Weil es für Basketball in dieser Größenordnung in Köln keine passende Halle gibt."

Sedat Özbicerler, Vorsitzender des Kölner Rollstuhlsportvereins, echauffiert sich über die schlechten Bedingungen für Kölner Sportler mit Handicap. "Ich bin jetzt seit 20 Jahren in Köln und im Grunde genommen hat sich in Sachen Barrierefreiheit bei Kölner Sportstätten seither nichts getan. Würde ich die Infrastruktur für Kölner Rollstuhlsportler nach Schulnoten bewerten, läge Köln irgendwo zwischen ausreichend und mangelhaft."

Rollstuhl-Basketball Köln - Probleme und Barrieren

Sportschau 07.09.2020 01:02 Min. Verfügbar bis 07.09.2021 ARD Von Sedat Özbicerler

"Sportstadt Köln" - ein Etikett mit Schwindel?

Vertreter der Kölner Sport-Allianz bei der Pressekonferenz

"Der Kölner Sport braucht mehr Geld" - Vertreter der Kölner Sport-Allianz bei der Pressekonferenz

Die Klagen der Kölner Sportvereins-Vertreter ließen sich beliebig fortsetzen, denn es stimmt offenbar etwas nicht in der sogenannten "Sportstadt Köln", wie man sich selbst gern nennt. "Das mit der ‚Sportstadt‘ ist nur ein Etikett ohne jeglichen Inhalt. Schon seit Jahren erhält der Sport in Köln nicht die Wertschätzung, die ihm zusteht", klagt Peter Pfeifer.

Pfeifer ist Vorsitzender des Stadtsportbundes der Stadt und einer Organisatoren der sogenannten "Kölner Allianz", einem Zusammenschluss von elf Sportvereinen und –veranstalter, die künftig für mehr Sportakzeptanz in der Kölner Politiklandschaft kämpfen wollen. "Die Ausgaben für den Sport belaufen sich aktuell auf ganze 0,6 Prozent des städtischen Gesamthaushalts", erklärt Pfeifer, er und seine Mitstreiter wollen diesen Betrag, der Jahr für Jahr etwa 30 Millionen Euro umfasst, verdoppelt wissen. "Diese Forderung haben wir mit klaren Argumenten vorgetragen und sie ist mindestens angemessen. Ich würde sie sogar noch sehr bescheiden nennen", sagt Pfeifer.

Politiker stimmen Sportlern zu - auch nach der Wahl?

Am Montag (07.09.20) kamen die Vertreter dieser Allianz, der im Übrigen neben etlichen Breitensportvereinen auch die Profiklubs 1. FC Köln und Kölner Haie angehören, beim ASV Köln zusammen, um in einer Pressekonferenz über ihre Ziele zu informieren. Kurz vor der bevorstehenden Kommunalwahl hat man alle OB-Kandidaten Kölns und sämtliche Ratsparteien angeschrieben. Es wurde abgefragt, wie die Politiker zu den in acht Punkten zusammengefassten Zielen und Forderungen der Allianz stehen. "Die Antworten waren - wenig überraschend - eindeutig. Die Politiker stimmen uns im Grunde in allen Punkten zu", berichtet Pfeifer. Er weiß allerdings auch: "Das ist vor der Wahl natürlich wenig überraschend. Schließlich will man es sich mit den 300.000 in Vereinen aktiven und weiteren 200.000 privater Basis Sporttreibenden nicht verscherzen."

Peter Pfeifer: "Müssen gemeinsam beisammen stehen"

Sportschau 07.09.2020 00:47 Min. Verfügbar bis 07.09.2021 ARD

Die Kölner Sportler haben sich aber fest vorgenommen, es nicht bei ihren nun öffentlich gestellten Forderungen zu belassen. "Wir werden den Parteien und Politikern ganz genau auf die Finger schauen und sie in 100 Tagen mit ihren Versprechungen, die unzumutbaren Zustände anzugehen, wieder konfrontieren", kündigt Pfeifer an. Er wolle zwar keineswegs die Kultur und den Sport gegeneinander ausspielen, lege letztlich aber Wert auf eine Einordnung der Begehrlichkeiten: "Wenn in Köln 2000 Oper-Interessierte einen Bau für über 500 Millionen Euro bekommen, dürfen die 300.000 Sporttreibenden auch 30 Millionen mehr im Jahr fordern."

Stand: 04.09.2020, 14:42