Corona-Krise: Kindern fehlen Sport und Bewegung

Christian Zelle

  • Kinder leiden unter Bewegungseinschränkungen
  • Unterstützung des Sports fehlt bei Therapien
  • Individualsport als Notlösung für Teamsportler

Die Ausnahmesituation ist gerade Alltag, und ein solcher Alltag ist umso schwerer aufrechtzuerhalten, je länger er dauert. Da sei es wichtig, gerade den Jüngeren klarzumachen, dass die kein Dauerzustand wird, sondern irgendwann vorbei ist, sagt die Kinder-/Jugendlichenpsychotherapeutin und Sozialpädagogin Margit Sprünken. Derzeit gebe es nur ein Ziel: "Möglichst gut durch diese Krise zu kommen." Sport und Bewegung können dabei helfen.

Sport und Bewegung fehlen in Therapien

Kinder und Jugendliche leiden aufgrund der gegen die Corona-Pandemie ergriffenen Maßnahmen unter sozialer Isolation und eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Diese Krise ist auch in der Krefelder Praxis von Margit Sprünken angekommen. So gebe es etwa in der Behandlung von Depressionen auf Bewegung basierende Methoden, die gerade nur begrenzt möglich seien. Die Unterstützung von Therapien durch Bewegung und Sport als Ausgleich für Kinder mit ADHS oder zum Aggressions- und Spannungsabbau fehle.

"Wir Menschen sind auf Bewegung ausgelegt. Wir brauchen die Bewegung zum Ausgleich, als Körperwahrnehmung. Kinder können sich nur über Bewegung Räume und Dinge erschließen", so die Psychotherapeutin. Sie sei sehr froh, dass es "nur" ein Kontaktverbot und keine Ausgangssperre gebe. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zur Bewegung sollten genutzt werden: Bei kleineren Kindern mit Hilfe der Eltern, bei größeren alleine, mit einem Freund oder den Geschwistern.

Individualsport als Notlösung für Mannschaftssportler

Margit Sprünken unterscheidet zwischen zwei Gruppen: Jugendliche und Kinder, die schon immer sehr stark in Bewegung waren, das auch genießen und gerade vermutlich eher in der Lage sind, in Bewegung zu bleiben. Und Jugendliche, die eher einen Anstoß brauchen - etwa den Vereinssport. Letztere würden es nun schwerer haben.

Mit Blick auf jene, die sich ihre Bewegungsdosis überlicherweise im Mannschaftssport holen sagt sie: "Für sie kann es nur darum gehen, eine Notlösung zu finden. Der Individualsport kann den Gemeinschaftssport und die Gruppenaktivitäten nicht ersetzen." Sie müssten kreative Lösungen suchen, sei es das Workout mit Freunden in der Videokonferenz, das Joggen mit einem Freund oder das Formulieren sportlicher Ziele, deren Erreichen ihnen "ein gutes Gefühl von den eigenen Fähigkeiten" geben könne. Es mache keinen Sinn, sich von heute auf morgen vorzunehmen, täglich zehn Kilometer zu laufen - realistische Schritte seien der Garant, um Frustration zu vermeiden.

Patenrezepte zur Bewältigung der Krise gebe es keine, und die Folgen der Einschränkungen ließen sich auch nicht absehen, weil man nicht auf Erfahrungen aus vergleichbaren Situationen zurückgreifen könne. Wichtig sei, dass Kinder wissen, dass diese Krise und vor allem die dagegen getroffenen Maßnahmen ein Ende haben. Sie bräuchten eine "positive Zukunftserwartung". Die könne man nur entwickeln, wenn man weiß, dass der Zeitpunkt kommt, ab dem wieder "alles möglich ist".

Der Erfolg der Youtube-Serie "ALBAs tägliche Sportstunde" Sportschau 31.03.2020 06:20 Min. Verfügbar bis 29.03.2021 Das Erste