Ein überfluteter Sportplatz

Hochwasser: Landessportbund rechnet mit jahrelangem Wiederaufbau

Stand: 25.08.2021, 17:37 Uhr

Nach der Flutkatastrophe im Juli wagt der Landessportbund NRW eine erste Prognose. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern - und einige Sportanlagen werden nicht an alter Stelle wieder aufgebaut werden können.

Von Michael Buchartz

Es war Mitte Juli, als Teile von NRW nach tagelangen Regenfällen von den Sturzfluten weggespült wurden. Auch viele Sportvereine standen danach vor dem Nichts und hofften auf Hilfe durch den Landessportbund (LSB) und die Politik. Nun konnte der LSB erste Hilfen anstoßen. Sicher ist aber auch: Der Wiederaufbau wird Jahre dauern. Einige Sportanlagen werden nicht an alter Stelle wiederhergestellt werden können.

Bereich um Erftstadt und Euskirchen besonders betroffen

Beispiel Hagen: Beim VfR Lasbeck zeigt sich ein Bild des Grauens. Der Klub hat keinen Sportplatz mehr - weggerissen von der Sturzflut der Lenne. "Nur der Zaun steht noch, alles andere ist praktisch weg", berichtete Geschäftsführer Rainer Bertz im Juli gegenüber dem "Iserlohner Kreisanzeiger".

So geht es vielen Vereinen in den betroffenen Gebieten. Ganze Sportanlagen sind quasi verschwunden. Der Vorstandsvorsitzende des LSB in NRW, Dr. Christoph Niessen, erklärte im WDR-Interview: "Wir konnten inzwischen genauer lokalisieren, wo die größten Schäden eingetreten sind. Vor allem der Bereich rund um Erftstadt, Swisttal und Euskirchen ist stark betroffen. Dort steht teilweise keine einzige Sportanlage mehr."

Umfrage ergibt knapp 300 Schadensfälle

Vier Wochen hatte der Landessportbund eine Anlaufadresse geschaltet, unter der sich betroffene Vereine melden konnten. Dazu hat es in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund Rheinland-Pfalz, dessen Vereine ebenfalls stark betroffen sind, eine Umfrage in den Flutgebieten gegeben. In Nordrhein-Westfalen seien bisher an die 300 Schadensmeldungen eingegangen.

"Wir werten gerade aus und werden spätestens nächste Woche die Ergebnisse präsentieren können", sagte Niessen: "Hochwasser ist nicht neu. Der Unterschied ist nun jedoch, dass es vor allem Vereine an kleineren Gewässern getroffen hat und wir eine enorm hohe Anzahl an Totalschäden haben. Hier sind Schäden nicht mit neuem Mobiliar oder kleineren Reparaturen zu beheben, sondern die Sportanlagen sind komplett unbespielbar."

Langfristig genug Geld für Wiederaufbau vorhanden

Als Soforthilfe hat der LSB einen Fonds über 500.000 Euro eingerichtet, mit maximal 2.500 Euro pro Verein. "Das ist vor allem für Vereine gedacht, die durch schnelle und kleinere Reparaturen wieder spielfähig sind", erläuterte Niessen. Bei größeren Schäden könne man als gemeinnütziger Verein nicht helfen. Hier liegt die Hoffnung auf der Politik, die rund 30 Milliarden Euro für den Wiederaufbau in den Flutgebieten zur Verfügung stellen will.

"Wir gehen davon aus, dass es insgesamt nicht am Geld scheitern wird. Sportvereine und -anlagen gehören zum langfristigen Wiederaufbau dazu. Die 30 Milliarden Euro werden eher nicht komplett ausgeschöpft werden", beschrieb Niessen den langfristigen Ausblick.

LSB will Ansprechpartner vor Ort sein

Was er nicht beziffern könne, seien Schäden und Aufbaukosten von kommunalen Sportanlagen. Diese müssten erst von den Behörden geschätzt werden - Priorität haben dort jedoch Wohnhäuser und Unternehmen.

"Es könnte noch Jahre dauern, bis wir alles zusammen haben und uns ein vollständiges Bild von Schäden, Kosten und Wiederaufbau machen konnten", erklärte der LSB-Vorstand. Der Dachverband wolle nun vor allem in der Vermittlung zu Baufirmen, Verbänden oder Kommunen helfen. Daher wird es demnächst ein neues Büro im stark betroffenen Ort Erftstadt geben.

Niessen sieht den Plan mehrjährig angelegt: "Wir brauchen gerade im Bereich Euskirchen und Erftstadt einen mehrjährigen, langfristigen Sportentwicklungsplan. Aktuell halten wir es aber für unwahrscheinlich, dass es Sinn macht, alle Sportanlagen als solche wieder aufzubauen."