Daniel Mestrum (l.) und Pouya Norouzinezhad, Handballer des VfL Eintracht Hagen, klatschen sich ab

Handball | 2. Bundesliga

Aufsteiger Eintracht Hagen mischt die 2. Handball-Bundesliga auf

Stand: 18.11.2021, 16:03 Uhr

Mit ruhiger Hand wurde der VfL Eintracht Hagen zurück in die 2. Handball-Bundesliga geführt - und sorgt dort für Furore. Für den Erfolg gibt es mehrere Gründe - die Zukunftspläne sind groß.

Von Julian Tilders

Als gallisches Dorf kann man Hagen nicht bezeichnen. Zumindest, was die baulichen Merkmale in der Stadt angeht. Im Handball jedoch sorgt der VfL Eintracht Hagen für Asterix-Flair in Südwestfalen. Der Klub mischt als Aufsteiger die 2. Liga auf.

Detlef Spruth, Präsident des VfL Eintracht Hagen, erklärt gegenüber dem WDR am Donnerstag (18.11.2021) nach dem 40:36-Sieg (Mittwoch) über Gummersbach: "Wenn wir Gummersbach nicht auch durch eigene Fehlpässe in die Karten gespielt hätten für Tempogegenstöße, dann wäre das sogar noch deutlicher ausgefallen."

Kluft zwischen 2. und 3. Handball-Liga groß

Elf Spiele haben die Hagener absolviert, nur zweimal verloren. Gegen Gummersbach nun der vorläufige Leistungshöhepunkt des Teams von Trainer Stefan Neff, das auch von 20 Paraden des stark aufgelegten Torwarts Tobias Mahncke profitierte. Am Sonntag (18 Uhr) steht das nächste Topspiel gegen Hüttenberg an.

Dass Hagen als Aufsteiger den VfL Gummersbach überrumpelt, mag überraschen. Schließlich klafft eine sportliche wie wirtschaftliche Lücke zwischen der eingleisigen 2. und mittlerweile siebengleisigen 3. Handball-Liga, an der Vereine wie die HSG Krefeld in der Vergangenheit bereits gescheitert sind. Was also hat gerade Hagen in die Spitzengruppe der 2. Liga geführt?

Präsident Spruth: Hagen als "Handballhochburg"

Ex-Profi Spruth kennt noch die erstklassigen Zeiten des VfL in den 80er und 90er Jahren, ist seit über 50 Jahren Vereinsmitglied. Der Präsident hat die nachhaltige Entwicklung des Klubs in den letzten Jahren mitgestalten.

Er betont: "Wir sitzen in einer Handballhochburg und haben hier, ähnlich wie in Ostwestfalen, auch Konkurrenz. Volmetal, ein Hagener Vorortverein, spielt 3. Liga, genau wie Menden und Schalksmühle. Konkurrenz belebt das Geschäft."

Eigene Wiederabstiege: Eintracht zieht die richtigen Schlüsse

Darüber hinaus habe man aus der Drittklassigkeit und zwei Wiederabstiegen aus der 2. Liga in den letzten zehn Jahren gelernt. "Die meisten scheitern an den Aufstiegen, weil sie unterschätzen, dass es auch auf die Professionalität im Umfeld ankommt."

So würden sich laut Spruth optimale Trainingsbedingungen auch an der Athletik- und Medizinabteilung messen. "Da kommt es nicht nur drauf an, für ein paar aufgelockerte Waden zu sorgen. Bei vielen Drittligisten ist es noch so, dass dort vieles semi-professionell ist."

"Handballkenner" arbeiten an der Zukunft

Eine weitere Lehre aus dem eigenen Scheitern: Aktionismus in der Kaderplanung lohnt nicht. Beim letzten Abstieg habe das neue Team zu lange gebraucht, um zusammenzufinden. Der Kader wurde jetzt nur punktuell verstärkt. Hagen war finanziell in der Lage, das Team zusammenzuhalten. Auch über Corona-Hilfen des Bundes wurden Engpässe überbrückt.

Neben vielen "Handballkennern" im Management, darunter der erfahrene Klub-Geschäftsführer Fynn Holpert, sei auch Trainer Neff das "fehlende Teil" im Puzzle gewesen. Unter ihm fällt vor allem die Angriffsleistung auf: Nach Gummersbach erzielte Hagen mit 340 Toren die meisten Treffer.

Mehrzweckhalle: Finanzierung über Spruths Stiftung

Größter Zukunftsbaustein für die Entwicklung Hagens ist eine neue Spielstätte am Ischeland. Die Krollmann-Arena hat ihre beste Zeit hinter sich, zudem gibt es dort keine kostenfreien Parkflächen - und die Fankapazität der Halle ist begrenzt.

Der Eintracht-Boss und seine Frau wollen mit ihrer Stiftung den mehrstelligen Millionenbetrag stemmen, der für eine Mehrzweckhalle - ähnlich, wie sie auch GWD Minden plant - anfallen würde. Zwei Jahre sind für den Bau angesetzt, Ende November wird der Antrag eingereicht.

Dort würde neben dem Basketballklub Phoenix Hagen auch der Breiten- und Freizeitsport unterkommen. Weitere Pläne sehen die Nutzung für Konzerte vor. "Ziel ist es, durch die gemeinsamen Aktivitäten der Klubs und des gemeinnützigen Breitensports die Betriebskosten zu decken", rechnet Spruth vor. Und natürlich, erfolgreichen Handball zu spielen.