VfL Gummersbach hält die Meisterschale

VfL Gummersbach - viel Talent, große Ungewissheit, klare Ziele

Stand: 10.08.2022, 15:32 Uhr

Der VfL Gummersbach bereitet sich aktuell auf die erste Bundesliga-Saison nach drei Jahren Zweitklassigkeit vor. Die Vorfreude ist riesig, die Anspannung aber auch.

Von Sebastian Hochrainer

Kaum ein Handball-Klub kann auf so eine große und erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken wie der VfL Gummersbach. Nach wie vor übertrifft nur der THW Kiel (22) die zwölf deutschen Meisterschaften - doch die bisher letzte ist eben schon 21 Jahre her. Und überhaupt ist der Status des Spitzenteams schon lange passé. Doch mit dem Aufstieg in die Bundesliga soll der sich langsam zurückerarbeitet werden.

Finanziell beschränkte Arbeit mit langfristiger Ausrichtung

"Wir sind voller Vorfreude, weil der VfL endlich zurück und ist und da, wo er hingehört" sagt Manager Christoph Schindler im WDR-Gespräch. "Man hat immer Träume, aber wegen der Tradition werden wir in der Gegenwart keinen Erfolg haben. Unsere Entwicklung hängt von vielen Dingen ab, unsere Spieler müssen sich zum Beispiel weiter entwickeln. Wir haben den Großteil des Teams dank der vertraglichen Situation für zwei, drei Jahre sicher zusammen. Wir wollen Schritt für Schritt nach oben, wir brauchen aber auch mehr Geld."

Denn die finanzielle Situation ist nach wie vor angespannt - auch wenn es dem VfL in den vergangenen Jahren gelungen, in der 2. Liga wieder besser aufgestellt zu sein. "Wir können uns unser Team leisten, mehr machen wir aber nicht", sagt Schindler. Die Konsolidierung des Klubs stehe aber "nach wie vor an oberster Stellle, wir müssen noch immer Dinge aus der Vergangenheit regeln. Wenn das vorbei ist, können wir auch den ein oder anderen Euro mehr in den Sport stecken."

Junge Spieler müssen es richten

Und so bleibt der Erfolgsweg der Gummersbacher der gleiche wie in der jüngeren Vergangenheit. Verpflichtete Talente oder die aus der eigenen Akademie sind die großen Hoffnungsträger. "Wir haben eine Mannschaft mit sehr viel Talent, viele haben aber noch nie Bundesliga gespielt. Ich bin gespannt, wie gut sich das Team schlagen wird, das wissen wir alle nicht. Aber ich bin sehr optimistisch", sagt Schindler.

Dieses Risiko ist aber auch gewollt. Ein Umschwenken bei der Transfertaktik mit erfahrenen Spielern war keine Option. Schindler betont "nachhaltig arbeiten" zu wollen, "alle Spieler haben langfristige Verträge und da müssen wir es schaffen, die jungen Spieler weiter zu entwickeln. Dafür haben wir auch langfristig mit dem Trainer verlängert."

Sigurdsson soll die Talente zu Bundesligaspielern formen

Gudjon Valur Sigurdsson ist beim VfL der Mann an der Linie. Er selbst war als Spieler einer der Kategorie "Weltklasse", in Gummersbach macht er bislang auch einen sehr guten Job. Und hat sich entschieden, dass mit dem Aufstieg in die Bundesliga noch längst nicht Schluss ist - auch wenn es für Sigurdsson auch ganz andere Optionen gab. Weil er vom Gummersbacher Konzept überzeugt ist.

Hat mit dem VfL Gummersbach den Wiederaufstieg geschafft: Trainer Gudjon Valur Sigurdsson.

"Unser Weg hat sich über Jahre abgezeichnet, wir haben aus der ersten Not, auf junge und günstigere Spieler - zum Großteil aus der eigenen Jugend - zu setzen, eine Tugend gemacht", sagt Schindler. "Wir sind bekannt für unsere Arbeit mit Talenten, haben schon mehrere A-Nationalspieler entwickelt. Das ist unser Markenzeichen, und Julian Köster ist da das Paradebeispiel."

Kösters nächster Schritt auf dem Weg zum Weltklassespieler

Der 22-Jährige ist der ganz große Hoffnungsträger in der neuen Saison. Bei der WM im vergangenen Jahr war Köster die Entdeckung in der deutschen Nationalmannschaft, wie sein Trainer hat aber auch er sich entschlossen, seinen Vertrag langfristig zu verlängern. "Gummersbach ist ein toller Verein, bei dem etwas aufgebaut wird", sagt er im WDR-Gespräch. "Ich nehme gerne eine Führungsrolle ein und freue mich auf die neuen Aufgaben in der kommenden Saison."

Der Gummersbacher Julian Köster will mehr Verantwortung im DHB-Team übernehmen.

Schindler war deswegen auch "nicht überrascht, dass er sich so bekannt hat." Zumal er Köster "noch lange nicht am Ende" sieht. "Er soll sich noch weiter entwickeln, da wäre ein Wechsel ohne Bundesliga-Erfahrung nicht sinnvoll", so Schindler.

"Gummersbach darf keine Fahrstuhlmannschaft sein"

Köster ist zwar Nationalspieler, hat aber noch nie ein Spiel in der Bundesliga absolviert. "Darauf habe ich lange hingearbeitet. Ich kann es kaum erwarten und freue mich riesig", sagt Köster. "Das wird nochmal eine andere Herausforderung, die Teams sind taktisch richtig gut eingestellt und die Spieler noch athletischer. Es wird sicher ein anderes Spiel, aber ich denke, dass unsere Mannschaft in der Bundesliga mithalten kann."

Trotzdem hat das gesamte Team bis zum ersten Saisonspiel am 1. September beim TBV Lemgo Lippe viel Arbeit vor sich. Es wird der Start einer Saison sein, in der es erstmal nur ein Ziel geben wird. "In erster Linie zählt nur der Klassenerhalt. Dann müssen wir schauen, wie sich alles entwickelt. Gummersbach will keine Fahrstuhlmannschaft sein, sondern sich in der 1. Liga etablieren", sagt Köster. Und dann kann der VfL Gummserbach vielleicht künftig wieder an die große Vergangenheit anknüpfen.