Gummersbach-Trainer Sigurdsson - vom Routinier zum Neuling

Gudjon Valur Sigurdsson, Trainer des VfL Gummersbach, blickt auf die Platte

Gummersbach-Trainer Sigurdsson - vom Routinier zum Neuling

Von Maike Elger

Vor wenigen Monaten noch stand Gudjon Valur Sigurdsson selbst auf dem Handballfeld. Jetzt kämpft er als Trainer des VfL Gummersbach um den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Am Wochenende wartet mit dem HSV Hamburg eine große Hürde.

Nichts geringeres als der Bundesliga-Aufstieg ist das Ziel in seinem ersten Jahr als Trainer. Gudjon Valur Sigurdsson gewann in der letzten Saison als Spieler mit Paris Saint-Germain die französische Meisterschaft, in dieser Spielzeit steht er bei Zweitligist VfL Gummersbach als Headcoach an der Seitenlinie.

Nach vier Siegen und einer Niederlage steht Gummersbach auf dem zweiten Platz. Die Zeichen stehen gut, dass Sigurdsson erfolgreicher Spielerkarriere eine vielversprechende Trainerkarriere folgt. Mit der Partie gegen den HSV Hamburg gilt es nun die nächste schwere Aufgabe auf dem Weg in die erste Liga zu meistern.

Gestern Spieler, heute Trainer

Deutscher Meister, Dänischer Meister, Französischer Meister, Champions-League-Sieger, mehrfacher Pokalsieger, Olympia-Silbermedaillengewinner. Die Liste der Erfolge als Spieler ist lang. Dennoch ist Sigurdsson äußerst bescheiden, wenn es um seine neue Aufgabe als Trainer des Traditionsvereins VfL Gummersbach geht. Guter Spieler gleich guter Trainer? "Richtig überzeugt bin ich noch nicht", sagt der Isländer im Interview mit einem Lachen und fügt an: "Ich hoffe natürlich, dass ich ein guter Trainer werden kann."

Sigurdsson: "Ohne die Corona-Krise hätte ich weitergespielt" Sportschau 13.11.2020 05:13 Min. Verfügbar bis 13.11.2021 Das Erste

Während sich Sigurdsson bescheiden gibt, ist VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler voller Lob: "Bei der Selbstverständlichkeit mit der er die Mannschaft coacht, hat man nicht das Gefühl, dass er irgendwann schonmal etwas anderes gemacht hat." Sigurdsson soll die Siegermentalität zurück in den Verein bringen, der bis Anfang der 1990-er Jahre zu den absoluten Top-Klubs der Bundesliga gehörte.

Innovation und alte Schule

Siegermentalität - davon hat der Isländer viel. "Wenn man über Erfolg spricht und über Leute, die die Ärmel hochkrempeln und arbeiten können, dass ist er mit Sicherheit der Prototyp davon", beschreibt  Schindler den 41-Jährigen. Auch zum Ende seiner Karriere zählte Sigurdsson zu den fittesten und austrainiertesten Spielern im internationalen Handball. Ohne die Corona-Krise hätte er sogar weitergespielt.

Das bekommen seine Spieler im Training spüren. Sigurdsson legt viel Wert darauf, dass seine Spieler gut in Form sind. Das Training ist entsprechend intensiv. "Ich bin überzeugt, dass man mit Fitness vieles im Profisport gewinnen kann", erklärt Sigurdsson seine Trainingsphilosopie. "Natürlich muss man eine gute Taktik spielen und diszipliniert sein, aber die richtigen Entscheidungen lassen sich einfacher treffen, wenn man gut in Form ist."

Gelernt von den weltbesten Trainern

Schindler beschreibt es als eine gute Mischung zwischen modernen Ideen und alter Schule. Zudem sei Sigurdsson noch sehr nah dran an den Spielern, spreche ihre Sprache und strahle gleichzeitig eine gewisse Autorität aus.

Abgeguckt hat sich Sigurdsson das nicht bei einem Mentor, sondern bei all seinen Trainern seiner aktiven Karriere. "Ich habe das Glück, dass ich 20 Jahre bei den weltbesten Trainern auf der Schulbank gesessen habe", sagt Sigurdsson, "und dass ich sie immernoch anrufen kann. Ich bin neu im Trainergeschäft. Es gibt viele Dinge, die ich noch nicht weiß."

Gummersbachs Geschäftsführer: "Nicht das Gefühl, dass er mal etwas anderes gemacht hat" Sportschau 13.11.2020 02:43 Min. Verfügbar bis 13.11.2021 Das Erste

Ausnahmesituation Corona

Auf die Hürden, die Sigurdsson in seiner ersten Saison als Trainer überwinden muss, konnte ihn jedoch niemand vorbereiten. Eine genaue Standortbestimmung ist schwer, die Tabelle wenig aussagekräftig. Während Tabellenführer Dessau bereits sechs Spiele absolviert hat, haben andere Teams erst zweimal gespielt. Ganze Teams oder einzelne Spieler mussten in Quarantäne. Sigurdsson zeigt sich optimistisch: "Ich bin zufrieden, wie die Jungs das machen, aber ich weiß auch, dass eine Menge Arbeit vor uns liegt. Aber es macht viel Spaß."

Die Pandemie hat einiges durcheinander gewirbelt. Das Spiel gegen Wilhelmshaven wurde aufgrund von positiven Corona-Tests bei den Gegnern kurzfristig abgesagt. Die Gummersbacher Mannschaft war zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg zum Auswärtsspiel.

Nächster Gegner: Hamburg

Das erste Ziel für die Partie am Wochenende ist also, dass sie überhaupt stattfindet. Da sind sich Sigurdsson und Schindler einig. Dann wartet eine Mannschaft auf den VfL, die alle ihrer bisherigen drei Partien gewinnen konnte. "Wir müssen gut vorbereitet sein", analysiert Sigurdsson, "Hamburg schafft es, über 60 Minuten ein hohes Tempo zu spielen. Das ist eine sehr gute Mannschaft mit sehr erfahrenen Trainern."

Die Hamburger-Trainer Torsten Jansen und Blazenko Lackovic kennt Sigurdsson noch von früher. "Ich bin froh, dass sie an der Seitenlinie sind und nicht mehr Spieler sind. Dann wäre es noch schwieriger", scherzt er. Einst spielten sie gegeneinander, als die beiden Vereine noch in der ersten Liga waren. Dorthin möchte der VfL zurück. Mit Sigurdssons Hilfe.

Stand: 13.11.2020, 09:51