Gudjon Valur Sigurdsson, Trainer VfL Gummersbach

So bewertet Gummersbach-Trainer Sigurdsson den Saisonstart

Stand: 21.09.2022, 14:10 Uhr

Als Aufsteiger ist der Traditionsklub VfL Gummersbach furios in die Handball-Bundesliga (HBL) gestartet. Trainer Gudjon Valur Sigurdsson sieht klare Gründe für den Top-Start.

Von Julian Tilders

Dass Gudjon Valur Sigurdsson Realist ist, ist nichts Neues. Im Gespräch mit dem WDR am Mittwoch (21.09.2022) kommentiert der isländische Trainer des Handball-Bundesligisten VfL Gummersbach den starken Saisonstart der Oberbergischen nach vier gespielten Partien deshalb selbstbewusst: "Mich haut es gar nicht um, dass wir dreimal gewonnen haben." Und verweist gleich darauf, es sei bis zum Klassenerhalt noch ein langer Weg.

Gummersbach in Schlussphase "cool und effektiv"

Dreimal ging der VfL bislang erfolgreich von der Platte, darunter auch gegen zwei NRW-Konkurrenten, den TBV Lemgo Lippe (30:26) und Mitaufsteiger ASV Hamm-Westfalen (29:28). Nur gegen Meister SC Magdeburg gab es eine knappe Pleite (28:30), zuletzt bei der HSG Wetzlar dafür wieder einen Erfolg (30:29).

Gleich fällt auf: Die Siege waren knapp. Dass Gummersbach enge Spiele für sich entschied, lässt sich aber positiv interpretieren. Der 43-jährige Coach lobt: "Außer im Spiel gegen Magdeburg waren wir cool und effektiv in den letzten Minuten."

Besonders gut gefallen habe ihm die Deckung seines Teams, "was Ballgewinne für die zweite Welle und schnelle Mitte ermöglicht hat." Schwächen gebe es trotzdem noch: "Aber die bleiben intern."

Euphorie für VfL Gummersbach ein starker Antrieb

Sigurdsson mag also Realist sein, ein Bremser von Emotionen sicher nicht. Er sieht eine große "Euphorie" im Team, Verein und bei den Fans entfacht. "Von dieser Euphorie leben wir im Moment auch. Die Stimmung ist überragend, es sind viele Fans in der Halle. Die Leute sind hungrig auf Handball nach der Corona-Pause, das hat man letztes Jahr schon gemerkt."

Der Isländer betont: "Wir wollen nicht, dass der graue Alltag einsetzt und wir nicht mehr performen. Wir arbeiten jeden Tag dafür, dass wir weiter so Leistungen bringen können."

Starker Rückraum um Köster und Mappes

An diesen Leistungen habe laut Sigurdsson jeder im Team Anteil. Rein statistisch fällt jedoch der starke Rückraum um Nationalspieler Julian Köster, Siegtorschütze gegen Wetzlar, sowie Neuzugang Dominik Mappes auf.

Letzterer ist aktuell bester Schütze der Liga (40 Treffer). Der 27-jährige spielte bereits für Erlangen und Ludwigshafen Bundesliga, kehrte 2021 aber zurück zu seinem Jugendklub TV Hüttenberg in die 2. Liga. Nun ist Mappes das Comeback im Handball-Oberhaus mehr als gelungen.

Allerdings möchte Sigurdsson "nicht zwei Spieler hervorheben". Der VfL habe beispielsweise mit Miro Schluroff auf der halblinken Position auch jemanden, "der Köster gut entlastet und für einfache Tore aus dem Rückraum sorgen kann." Weitere Zugänge hätten sich nahtlos eingefügt, erklärt er: "Das ist nicht selbstverständlich."

Favoritenrolle gegen Stuttgart? Sigurdsson winkt ab

Spiel fünf für den VfL, der derzeit Platz sieben belegt, steht nun gegen den noch punktlosen Tabellenvorletzten TVB Stuttgart an (Donnerstag, 19.05 Uhr). Doch die Tabelle sollte nicht trügen, betont Sigurdsson: "Wir sind überhaupt nicht in der Favoritenrolle. Wir sind ein Aufsteiger, der um einen Platz in dieser Liga kämpft."

Schlicht sei das Auftaktprogramm der Bittenfelder "das schwierigste neben dem von Wetzlar" gewesen. "In Kiel, in Berlin und gegen die Rhein-Neckar Löwen und Erlangen zu Hause – die haben gegen die besten Mannschaften der Liga gespielt, die alle mit weißer Weste oben stehen", erklärt Sigurdsson. Wohlwissend, dass sich Gummersbach nach diesem Saisonstart aber auch nicht verstecken muss.