Der VfL: Vom erfolgreichsten Handballklub Europas zum Absteiger

Der VfL: Vom erfolgreichsten Handballklub Europas zum Absteiger

Von Jakob Halbfas

Der VfL Gummersbach ist abgestiegen. Erstmals nach 53 Jahren spielen die Oberbergischen nicht mehr in der Bundesliga. Wir werfen einen Blick zurück auf ein halbes Jahrhundert Erfolgsgeschichte der Oberbergischen bis hin zum Abstieg.

Der Landesmeisterpokal in den Händen der Gummersbacher

Der VfL Gummersbach ist seit der Gründung der Handball-Bundesliga 1966 mit dabei. Gleich in der ersten Saison wurden die Oberbergischen Deutscher Meister. Im April 1970 wird der VfL zum zweiten Mal Europapokalsieger der Landesmeister (Foto). Am Ende steht ein hoch verdienter 14:11-Sieg gegen den SC Dynamo Berlin. Großen Anteil an dem Erfolg hat der überragende Gummersbacher Hans-Günther "Hansi" Schmidt, der von 1964 bis 1976 beim VfL spielt und ein wichtiger Faktor für die erfolgreichen 1970er Jahre ist.

Der VfL Gummersbach ist seit der Gründung der Handball-Bundesliga 1966 mit dabei. Gleich in der ersten Saison wurden die Oberbergischen Deutscher Meister. Im April 1970 wird der VfL zum zweiten Mal Europapokalsieger der Landesmeister (Foto). Am Ende steht ein hoch verdienter 14:11-Sieg gegen den SC Dynamo Berlin. Großen Anteil an dem Erfolg hat der überragende Gummersbacher Hans-Günther "Hansi" Schmidt, der von 1964 bis 1976 beim VfL spielt und ein wichtiger Faktor für die erfolgreichen 1970er Jahre ist.

Die 70er Jahre: Gummersbach gewinnt alles, was ein Handballverein gewinnen kann. Mit insgesamt 12 Titeln (sechs national und sechs international) ist es gleichzeitig das erfolgreichste Jahrzehnt des VfL in seiner Vereinsgeschichte. Die Mannschaft mit seinen Stars Heiner Brand, Joachim Deckarm und Erhard Wunderlich wird vier Mal Deutscher Meister und drei Mal Europapokalsieger der Landesmeister. 1978 holt der VfL das erste Mal den nationalen Pokal und den Europapokalsieger der Pokalsieger (Foto).

Das Quintett (v.l.) Gerd Rosendahl, Klaus Fey, Joachim Deckarm, Heiner Brand und Erhard Wunderlich kann die beiden Erfolge aus dem Vorjahr im Jahr 1979 wiederholen. Außerdem wird der VfL Gummersbach gleich im ersten Anlauf Europameister der Vereinsmannschaften.

Der spätere Bundestrainer Heiner Brand stämmt den EHF-Pokal für Gummersbach das erste Mal in die Höhe. Die 1980er Jahre beginnen für den VfL so erfolgreich, wie die 70er Jahre aufgehört haben. Brand und sein Team werden 1982 zum achten Mal deutscher Meister und holen zu dritten Mal innerhalb von fünf Jahren den deutschen Pokalsieg.

Im Mai 1983 holt Gummersbach um Erhard Wunderlich (l.) und Heiner Brand zum letzten Mal den Titel des Europapokalsieger der Landesmeister (heute: EHF Championsleague). Es ist das letzte Jahr von Wunderlich in Gummersbach. Im Sommer 1983 wechselt er nach Barcelona. Der Rückraumspieler gewinnt insgesamt 13 Titel mit dem VfL. Brand tritt mit bereits sieben Jahren beim VfL Gummersbach ein und spielt in seiner Laufbahn ausschließlich für die Oberbergischen. Er holt zehn nationale und sieben internationale Titel mit dem VfL als Spieler.

Im Februar 1984 wird die Mannschaft von Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (3.v.l.) mit dem Silbernen Lorbeerblatt für die Leistungen der Jahre zuvor ausgezeichnet. Bei der Übergabe mit dabei waren (v.l.) Franz Josef Salewski, Andreas Thiel, Gerd Rosendahl, Heiner Brand und Claus Fey.

Im Mai 1985 wird der VfL zum fünften- und bis dato letzten Mal Deutscher Pokalsieger. Die Mannschaft um Frank Dammann (3.v.l.), Thomas Krokowski (2.v.r.) und Torwart Andreas Thiel (3.v.r.) gewinnt außerdem den Deutschen Pokal und holt somit zum dritten Mal nach 1982 und 1983 das Double.

In der Saison 1990/91 wird Gummersbach unter der Leitung von Trainer Heiner Brand vorerst das letzte Mal deutscher Handballmeister. Brand übernimmt direkt nach seiner aktiven Karriere den Trainerposten beim VfL und führt die sportlichen Geschicke von 1987 bis 1991 und von 1994 bis 1996. Insgesamt wird er zwei Mal Deutscher Meister mit Gummersbach. Die Meisterschaft 1991 ist der letzte Titel des VfL für die kommenden 18 Jahre.

Im Juni 2009 ist die Titel-Durststrecke vorbei. Mit Torwart Goran Stojanovic (l.) und dem ehemaligen Nationalspieler Adrian Pfahl wird der VfL zum zweiten Mal EHF-Pokalsieger. Für Trainer Sead Hasanefendic ist es der erste internationale Titel. Im ersten Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends setzt sich der VfL im oberen Tabellenmittelfeld fest. In der Saison 2005/06 wird Gummersbach hinter dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt Dritter.

2009/10 und 2010/11 wird der VfL Gummersbach nach 1978 und 1979 wieder Europapokalsieger der Pokalsieger. Mit dabei ist Nationalspieler Patrick Wiencek. Der Titel 2011 ist bis heute der letzte Titel des VfL. In den folgenden Jahren rutscht Gummersbach in der Tabelle stetig ab und belegt Plätze im unteren Mittelfeld, ohne jedoch in große Abstiegsgefahr zu geraten.

Die beiden Europameister von 2016 Simon Ernst (l.) und Julius Kühn haben in der Saison 2014/15 noch alles im Griff. Am Ende wird Gummersbach Zehnter und hat somit nichts mit dem Abstieg zu tun. Dies ändert sich allerdings ab der Saison 2016/17. Zweimal hintereinander belegt der VfL Platz 15 und muss auch in der Saison 2017/18 bis kurz vor Saisonende um den Klassenerhalt zittern.

Im Herbst 2018 präsentierte der Klub seine Neuausrichtung, um zu sportlichen Erfolgen zurückzukehren. "Heimat des Handballs" lautete der neue Slogan, mit dem der VfL seine Fans und vor allem auch die Wirtschaft in der Region mobilisieren will. Mit einem neuen Erkennungszeichen und vielen Aktionen will sich der Klub zeitgemäß aufstellen und beweisen, dass der Verein nicht in den Erfolgen der Vergangenheit verweilen will, hieß es in der Präsentation. "Wir wollen die Spiele, und wir wollen unseren Sport rocken", hatte Geschäftsführer Christoph Schindler verkündet.

Im letzten Spiel der Saison 2018/19 ging es für die Oberbergischen um alles oder nichts. Es war ein Herzschlagfinale. Erst in der 54. Spielminute war der VfL in Bietigheim erstmals in Führung gegangen, hatte lange zurückgelegen, schaffte am Ende ein Remis. Doch das war durch den Ludwigshafener Sieg gegen Minden nichts mehr wert. Der VfL steigt ab und muss künftig kleinere Brötchen backen.

Stand: 07.06.2019, 14:27 Uhr