Gummersbach nach Absturz zum "Reset" gezwungen

Gummersbachs Kapitän Drago Vukovic zieht sich enttäuscht das Trikot über sein Gesicht

Gummersbach nach Absturz zum "Reset" gezwungen

Von Julian Tilders

  • Gründungsmitglied der Bundesliga trauert.
  • Frappierende Auswärtsschwäche einer der Gründe.
  • Zweitliga-Zukunft zunächst gesichert.

Freud und Leid liegen nahe beieinander. Doch am Pfingstsonntag (09.06.2019) wurde die Dramatik auf die Spitze getrieben. Ein Tor fehlte dem VfL Gummersbach am Ende beim 25:25 (13:14)-Remis in Bietigheim, um den Sieg zu holen. Ein Tor, das zum glimpflichen Ende einer historisch schwachen Saison hätte führen können. Ein Tor, das nicht fallen wollte und letztlich für weinende Männer auf der Platte sorgte.

Ludwigshafen hingegen vollbrachte das Wunder und konnte sich als Tabellenletzter durch einen Sieg gegen GWD Minden (31:30) doch noch spektakulär retten. Kontrastreiche Bilder zum Saisonende der Handball-Bundesliga.

Analysebedarf bei den Oberbergischen

Gummersbach ist in Bietigheim abgestiegen - allerdings nur auf dem Papier. "Man verliert die Saison nicht bei einem einzigen Spiel. Dass es jetzt so kommt, ist bezeichnend und tut natürlich allen weh", zog VfL-Trainer Torge Greve Bilanz. Man müsse jetzt die Saison analysieren.

Gegen Bietigheim sorgte auch ein Fehlpass des an diesem Tag besten Werfers, Pouya Norouzi (sechs Tore), dafür, dass Gummersbach das Heft des Handelns 45 Sekunden vor Schluss leichtsinnig aus der Hand gab. Zuvor hatte er noch für die erste VfL-Führung in dieser Partie gesorgt. Es waren spielerische und nervliche Fehler mit großer Auswirkung, die die ganze Saison zeichneten.

"Die Basis müsste eine knallharte Abwehr sein. Außerdem darf sich nicht jeder das Recht herausnehmen, im Angriff ständig Fehler zu machen", hatte VfL-Ikone und Ex-Bundestrainer Heiner Brand schon vor dem Abstiegs-"Endspiel" moniert.

Frappierende Auswärtsschwäche als Faktor

Eine knallharte Abwehr fehlte den Oberbergischen offenbar vor allem auf fremder Platte. In der Gast-Tabelle belegte der VfL den letzten Platz, kassierte 511 Gegentreffer. Nur ein Sieg gelang Gummersbach in der Fremde - gegen die Eulen Ludwigshafen (17. Spieltag). Seit der Saison 2016/17 kam der VfL nicht mehr über drei Auswärtssiege pro Saison hinaus.

Keine neue Entwicklung

Schon lange zeichnete sich der Absturz ab. Das Gründungsmitglied der Bundesliga, das seit 1966 stets erstklassig unterwegs war, durchschritt seit Jahren eine Talsohle.

Ende der Neunzigerjahre wurden erstmals Finanzprobleme bekannt, sportlich wurde es im Zuge ausbleibender Erfolge nach dem letzten Titel im Jahr 2011 (Europapokalsieger der Pokalsieger) und dem kurzzeitigen Bundesliga-Lizenzentzug im selben Jahr spätestens ab der Saison 2016/17 akut: Zweimal in Folge beendete der VfL die Spielzeit auf Platz 15.

Teil zwei: VfL Gummersbach - was nun?

Stand: 10.06.2019, 12:16