Teil zwei: Gummersbacher Absturz - was nun?

VfL-Sportdirektor Christoph Schindler sitzt niedergeschlagen am Rand der Platte

Teil zwei: Gummersbacher Absturz - was nun?

Die große Tradition des zwölfmaligen Deutschen Meisters und elfmaligen Europacupsiegers konnte den Absturz nicht abwenden. Der erzwungene Neuanfang birgt Chancen und Risiken.

Auf einen Neustart im Unterhaus hofft nun der Gummersbacher Kult-Keeper Andreas Thiel, auch wenn er zunächst von einem "harten Brett" sprach. "Der Wiederaufstieg ist nicht unmöglich. Wir müssen mit Verstand für die nächste Saison eine Mannschaft zusammenstellen. Die Chance zum kompletten Reset ist jetzt da", war sich Thiel nach dem Schock sicher.

Die Zweitliga-Zukunft des VfL ist erstmal gesichert - Gummersbach konnte zuletzt eine finanzielle Lücke im fünfstelligen Bereich decken.

Neuausrichtung schon im Herbst 2018 beschlossen

Gewissermaßen fand ein Teil dieses "Resets" schon im Herbst 2018 statt. Eine strategische Neuausrichtung sozusagen. "Heimat des Handballs" bildete den neuen Leitspruch des Klubs, den Sportdirektor Christoph Schindler der örtlichen Wirtschaft und Politik in einem etwa 50-minütigen Vortrag leidenschaftlich präsentierte, auf deren Unterstützung hoffend.

Bietigheim gegen Gummersbach - die Schlussphase in der Live-Reportage

Sportschau 09.06.2019 03:51 Min. Verfügbar bis 09.06.2020 ARD

Der Verein war sich bewusst geworden, dass "Tradition allein nicht ausreichend ist" und wollte sich eine neue Identität geben, die Fans und Wirtschaft mobilisiert und den Verein attraktiv für junge Talente macht.

Weg über junge Talente immer noch möglich

Durch den Abstieg der Oberbergischen ins Handball-Unterhaus dürfte die wirtschaftliche Unterstützung bei dieser Neuausrichtung zwar nicht unbedingt größer werden. Auch sind die "Altlasten" ein Problem, war sich Heiner Brand nach dem Abstieg sicher: "Man muss sich über die wirtschaftlichen Dinge einigen, da muss man Ordnung reinbringen. Das wird sehr schwer." Zudem müsse man sich von den alten Erfolgen lösen, forderte Brand.

Aber für Gummersbach könnte es nach wie vor ein Weg sein, junge, aufstrebende Talente durch diese moderne Haltung in Kombination mit der großen Tradition zu locken und in der vereinseigenen Handball-Akademie auszubilden.

Wie zum Beispiel Tobias Schröter, der alle Nachwuchsabteilungen des VfL durchlief und im Bundesliga-Team Fuß fasste. Auch die Nationalspieler Paul Drux (Jugendabteilung) und Julius Kühn (Herrenmannschaft) wurden in Gummersbach geformt.

Mahnendes Beispiel: TV Großwallstadt

Dass ein "Reset" jedoch nicht zwangsläufig zum Wiederaufstieg führen muss, zeigt der Werdegang des TV Großwallstadt - ein ehemals großer Konkurrent von Gummersbach bis Ende der Achtzigerjahre. Nach der Saison 2012/13 stieg der Klub nach 44 Jahren in der Bundesliga dann in die Zweitklassigkeit ab.

Zwei Jahre später folgte der Lizenzentzug für die 2. Bundesliga aufgrund von finanziellen Engpässen. Von der Landkarte des Spitzenhandballs verschwand der TVG nach und nach. Dieses Jahr mussten die Großwallstädter nach nur einem Jahr in der 2. Bundesliga wieder den Gang in Liga drei antreten.

Die Wunschvorstellung des TVG und des VfL Gummersbach dürfte nun trotz des Ligenunterschieds dieselbe sein: der umgehende Wiederaufstieg.

Stand: 10.06.2019, 12:16