TUSEM Essen quält sich in der Traumliga

Jamal Naji, Trainer von TuSEM Essen.

TUSEM Essen quält sich in der Traumliga

Von Olaf Jansen

Mit dem Aufstieg in die Handball-Bundesliga ging für TUSEM Essen ein Traum in Erfüllung. Von der Euphorie ist nicht viel geblieben: Das Team steckt im Tabellenkeller, hinzu kommen finanzielle Schwierigkeiten,

Nein, so haben sich Fans, Spieler und Funktionäre des TUSEM Essen ihre erste Bundesliga-Saison nach dem ersehnten Aufstieg nun wirklich nicht vorgestellt: Nach zehn Wochen Ligabetrieb konnte das Team gerade einmal sechs Spiele bestreiten und von denen gingen auch noch fünf verloren. Mit mickrigen zwei Pluspunkten auf der Habenseite steht der TUSEM in der Tabelle auf einem Abstiegsplatz.

Die zwei kommenden Partien werden richtungsweisenden Charakter haben: Am Donnerstag geht es in einer am 1. Spieltag ausgefallenen Heimpartie gegen Frisch-Auf Göppingen. Drei Tage später, am Sonntag, empfängt der TUSEM den TSV Hannover-Burgdorf.

Es sind zwei Spiele, die der TUSEM mit seiner treuen Zuschauergemeinde im Rücken vor der Saison sicherlich als machbar eingestuft hat. Nur: Auch diese zwei Spiele finden in der Sporthalle "Am Hallo" ohne Fans statt. Das Team von Trainer Jamal Naji wird die wichtigen Zähler ganz allein holen müssen.

Schwere finanzielle Probleme

Klar: Aktuell leiden alle Sportvereine unter den Corona-Bestimmungen. Der TUSEM aber ganz besonders, wenn man den Klub-Verantwortlichen glauben darf. So meldete sich gerade Geschäftsführer Niels Ellwanger in einem offenen Brief an die Fans und Mitglieder. "So haben wir uns den Auftakt in die Bundesliga nicht vorgestellt", schreibt Ellwanger.

Für den Verein, der seine Sporthalle vor der Saison mit einem gehörigen finanziellen Aufwand ligatauglich gemacht habe, werde die finanzielle Situation aufgrund der Corona-Beschränkungen immer kritischer. "Es braucht eine Kraftanstrengung von allen und wir bitten um Unterstützung jedweder Art", schreibt Ellwanger.

Felix Klingler vom Handball-Bundesligisten TUSEM Essen.

Felix Klingler vom Handball-Bundesligisten TUSEM Essen.

Der TUSEM akzeptiere die einschränkenden Maßnahmen, kritisiert aber die mangelnde Unterstützung aus der Politik. "Wir haben Coronahilfe beantragt und werden sie voraussichtlich auch bekommen. Die Höhe der Unterstützung richtet sich aber leider nach den Ticketeinnahmen der vergangenen Zweitligasaison. Das ist für uns ein enormer Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz in der Bundesliga, die viel höhere Beträge erhält", so Ellwanger.

Gegen Göppingen und Hannover müssen Punkte her

Und auch sportlich steht den Essenern vor dem 10. Spieltag das Wasser bis zum Hals. Vor allem bei der jüngsten 26:33-Heimpleite gegen die HSG Nordhorn waren die Verantwortlichen schon enttäuscht von ihrem jungen Team.

"Wir haben hinten keinen Zugriff gehabt und somit unsere Torhüter zu wenig unterstützt. 33 Gegentore sind einfach viel zu viel zuhause, so kann man kein Spiel gewinnen. Es ist nicht unser Anspruch gegen Mannschaften, die auch unten stehen, zuhause so hoch zu verlieren", meinte Coach Naji nach dem Spiel.

Gegen Göppingen am Donnerstag und Hannover müssen nun dringend Punkte her. Vor allem von den vermeintlichen Leistungsträgern wie Kapitän Jonas Ellwänger, dem rechten Rückraumschützen Lucas Firnaber und dem neu dazu gekommenen Rechtsaußen Dimitri Ignatow (kam von der MT Melsungen) wird eine Leistungssteigerung dringend erwartet. Damit der TUSEM zumindest sportlich nach dem Wochenende wieder etwas durchatmen kann.

TUSEM Essen bei Bundesliga-Rückkehr gegen Stuttgart ohne Chance Sportschau 07.10.2020 03:50 Min. Verfügbar bis 07.10.2021 Das Erste

Stand: 25.11.2020, 08:24