Handballer Juri Knorr - ein Youngster für die Angriffsmitte

Stopft Knorr das Rückraum-Loch des DHB-Teams? Sportschau 04.11.2020 02:37 Min. Verfügbar bis 04.11.2021 Das Erste

Handball-Nationalmannschaft

Handballer Juri Knorr - ein Youngster für die Angriffsmitte

Von Jens Mickler

Die Position in der Angriffsmitte war in den vergangenen Jahren stets die Achillesferse der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Ein junger Mann aus Minden könnte die Schwachstelle beheben. Juri Knorr gehört die Zukunft.

Was er sich vorgenommen hat für die beiden anstehenden Handball-Länderspiele der deutschen Mannschaft am Donnerstag (05. November) gegen Bosnien-Herzegowina und Sonntag (08. November) gegen Estland? Juri Knorr ist bescheiden: "Ich hoffe, dass ich ein paar Minuten Spielzeit bekomme", sagt der 20-Jährige von GWD Minden.

Die Bescheidenheit kommt nicht von ungefähr. "Es ist immer noch ein surreales Gefühl für mich, bei der A-Mannschaft dabei zu sein. Vor nicht allzu langer Zeit waren die Spieler der Nationalmannschaft meine Idole. Jetzt stehe ich mit den Jungs gemeinsam auf der Platte."

Zweiter Anlauf beim A-Team

Dabei ist es schon der zweite Anlauf, den Juri Knorr bei der Eliteauswahl unternimmt. Im März hatte ihn Bundestrainer Alfred Gislason für sein Team nachnominiert. Dann kam Corona, und das Test-Länderspiel gegen die Niederlande musste abgesagt werden. "Es ist jetzt schon etwas anderes für mich", sagt Juri Knorr zu sportschau.de, "damals war ich wirklich noch ganz neu dabei. Nun habe ich das Gefühl, dass die Nominierung mehr gerechtfertigt ist." Immerhin sein erstes Bundesliga-Jahr in Minden hat er hinter sich.

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Knorr und die Nationalmannschaft, das gab es schon einmal. Juris Vater Thomas ist 83-facher Nationalspieler und feierte in den 90er Jahren als Rückraumlinker mit dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt große nationale und  internationale Erfolge.

"Mein Vater ist natürlich meine wichtigste Bezugsperson und hat mich von klein auf begleitet", so Juri Knorr. Bis zur A-Jugend waren Vater und Sohn beim VfL Bad Schwartau in einem Team. Erst dann schlug der Sohn eigene Wege ein. "Genauso wichtig wie mein Vater für mich ist meine Mutter, auch wenn sie nicht so der sportliche Typ ist. Manchmal war sie sogar der bessere Ratgeber", so Knorr, der eine drei Jahre jüngere Schwester hat.

Lukrative Angebote als junger Fußballer

So, wie es jetzt eine Handball-Laufbahn geworden ist, hätte Juri Knorr wohl auch im Fußball eingeschlagen. Leidenschaft und Talent waren groß. Bis zum Alter von 16 Jahren machte er beide Sportarten parallel, zweimal die Woche Handball, zweimal die Woche Fußball plus die Einsätze am Wochenende. Sogar ein Angebot für das Fußball-Internat des Hamburger SV lag Juri Knorr vor. "Mein Bauchgefühl hat dann entschieden", blickt Knorr zurück. Für den Handball.

Juri Knorr

Knorr setzt sich gegen zwei Spieler des Bergischen HC durch.

Es ging auch dort schnell voran. Statt HSV-Internat machte er sich mit 17 Jahren auf in die Handball-Akademie des ruhmreichen FC Barcelona. Für den jungen Deutschen eine enorm wertvolle Erfahrung, sogar zu einigen Kurzeinstätzen in der ersten Mannschaft des spanischen Topclubs reichte es. Zu mehr aber nicht, und deswegen entschied sich Knorr für die Rückkehr nach Deutschland. Mehrere Angebote aus der Bundesliga lagen vor, es wurde schließlich GWD Minden.

Warum zum Traditionsklub in die ostwestfälische Provinz? Die guten Gespräche mit Manager Frank von Behren und Trainer Frank Carstens und das frühe Bemühen um seine Person hätten den Ausschlag gegeben. "Ich wusste, dass Frank Carstens auf junge Spieler setzt und ihnen auch Verantwortung überträgt. Es hat sich absolut bestätigt", sagt Knorr heute.

Herzstück in Mindens Mitte

In Minden, wo er einen Vertrag bis zum kommenden Sommer besitzt, fühlt er sich wohl. In seiner ersten Bundesliga-Saison für GWD, die am Ende abgebrochen werden musste, hat Knorr bereits viele Akzente setzen können. Er ist das Herzstück in der Angriffsmitte, bestimmt dort Tempo und Rhythmus des Mindener Spiels.

Gerade auf Juris Knorrs Position ist nun die Sehnsucht der deutschen Nationalmannschaft nach einem Mann von internationalem Format groß. Viel wurde in den vergangenen Jahren ausprobiert, so richtig gezündet hat keine der zahlreichen Experimente. Bei der letzten EM setzte der damalige Bundestrainer Christian Prokop auf den Berliner Paul Drux und Knorrs Mannschaftskollege Marian Michalczik - mit eher mäßigem Erfolg. Der letzte große Mittelmann war Markus Baur, der 2007 mit Deutschland Weltmeister wurde.

Aktuell baut Alfred Gislason auf Philipp Weber vom SC DHfK Leipzig als Nummer eins auf dieser Position. Der ist jedoch wegen seiner Quarantäne in den beiden anstehenden Länderspielen erstmal nicht an Bord

Die Chance für Juri Knorr? "Möglicherweise, aber soweit denke ich noch nicht", sagt der junge Mann. Jetzt gilt es für ihn erst einmal, sich im Kreis der neuen Mannschaft zu behaupten und Bosnien-Herzegowina sowie Estland zu schlagen.

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Stand: 05.11.2020, 15:57