Hansi Schmidt - Gummersbachs erster Weltstar wird 80

Stand: 24.09.2022, 08:00 Uhr

Hansi Schmidt war in den 1960er- und 70er-Jahren der beste Torschütze in einer der besten Handball-Mannschaften der Welt. Der VfL Gummersbach spielt auch im Rentenalter noch eine große Rolle für ihn.

Erst der Aufstieg in die Bundesliga, nun der Start mit vier Siegen aus den ersten fünf Spielen - die Handball-Euphorie ist zurück beim VfL Gummersbach. Und schon könnten sich die ersten ertappen, davon zu träumen, dass der Klub irgendwann wieder an die glorreiche Tradition unter anderem mit zwölf deutschen Meisterschaften und fünf Titel im Europapokal der Landesmeister anknüpfen kann.

Über sechs Tore pro Spiel

Dass der Verein diese Erfolge in seiner Vita stehen hat, liegt in großen Teilen auch an einem Mann, der am Samstag (24.09.22) seinen 80. Geburtstag feiert. Hansi Schmidt spielte von 1964 bis 1976 für den VfL und hat sich den Status als Vereinslegende mit über 1000 Bundesligatoren - es waren 1059 in 172 Spielen - redlich verdient.

Hansi Schmidt - die Gummersbacher Tormaschine Sportschau 23.09.2022 03:02 Min. Verfügbar bis 23.09.2023 Das Erste

Sechs Mal in Folge wurde er von 1967 bis 1972 Torschützenkönig in der Nordstaffel der Bundesliga, zu sieben Meisterschaften verhalf der Spielmacher seinen Klub. Er galt seinerzeit sogar als bester Spieler der Welt. Mindestens war er aber der erste Weltstar, den der VfL hatte.

Vom rumänischen zum deutschen Nationalspieler

Dass Schmidt überhaupt dort gelandet ist, verdankt er einem drastischen Schritt. Im Alter von 21 Jahren reiste der geborene Rumäne mit der dortigen Juniorennationalmannschaft nach Deutschland und kehrte nicht mit seinem Team zurück in die Heimat. Stattdessen schloss er sich den Gummersbacher Handballern an und wurde später deutscher Nationalspieler. 98 Partien machte Schmidt für das DHB-Team und erzielte dabei 484 Tore.

Handball-Legende Hansi Schmidt in Aktion Sportschau 23.09.2022 00:30 Min. Verfügbar bis 23.09.2023 Das Erste

Bis 2009 hielt er dort den Rekord für die meisten Treffer in einem Spiel. 13 Tore - von nur insgesamt 19 deutschen Treffern - hatte Schmidt 1970 in einem Spiel gegen Jugoslawien gemacht, erst 39 Jahre später übertraf Christian Schöne mit 17 Toren diese Bestmarke.

Hansi Schmidt am Mikrofon | Bildquelle: Paul Zinken / Picture Alliance / dpa

Von Starallüren war beim "Erfinder des verzögerten Sprungwurfs" dennoch keine Spur. "So wichtig bin ich ja gar nicht, man hat mir von allen Seiten der Mannschaft den Ball immer zugespielt. Nun erwarteten alle, dass ich daraus ein Tor mache", sagte Schmidt im Zuge der Vorstellung seiner Biografie im Jahr 2006.

Gummersbach war, ist und bleibt seine Heimat

Kurz zuvor war der nun 80-Jährige in Rente gegangen. Nach seiner aktiven Karriere und später als Trainer tauschte er den Handball gegen die Kreide, arbeitete als Hauptschullehrer, unterrichtete in den Fächern Mathe, Geschichte und Sport.

Mit 64 Jahren hörte er auch damit auf und startete in der Stadt, in der er seine größten Erfolge feierte, Pensionär einen neuen Lebensabschnitt. Doch auch in dem geht der Blick stets auch auf seinen VfL.

"Handball wird mich wahrscheinlich immer begleiten - bis zur letzten Ölung. Diese Sportart ist ein Teil meiner selbst, und der VfL Gummersbach ist es ohnehin", sagte Schmidt vor einigen Jahren. Mit seiner Ehefrau Katrin wohnt er noch immer in dem 52.000-Einwohner-Ort im Oberbergischen Kreis, verfolgt regelmäßig die Spiele des VfL. Und auch der erste Gummersbacher Weltstar dürfte sich darüber freuen, dass er endlich wieder Handball auf Topniveau zu sehen bekommt.