BVB-Handballerinnen auf Meisterschaftskurs

Die Handballerinnen von Borussia Dortmund stehen ungeschlagen an der Tabellenspitze der Bundesliga

Frauen-Handball-Bundesliga

BVB-Handballerinnen auf Meisterschaftskurs

Von Maike Elger

Die Handballerinnen von Borussia Dortmund sind als ungeschlagener Tabellenführer der Frauen-Bundesliga auf Meisterschaftskurs. Vor der Saison wagte davon kaum jemand in Dortmund zu träumen. Aber es gibt gute Gründe für den Erfolg des BVB in dieser Saison.

Die dramatische Schlussminute des Hinspiels ist noch sehr präsent in den Köpfen der BVB-Handballerinnen. "Dass wir in den letzten Sekunden gegen den Thüringer HC gewonnen haben, das war die schönste Szene der Saison bisher", resümiert Rückraumspielerin Kelly Dulfer. Nur vier Sekunden vor Schluss traf Dortmunds Linksaußen Bogna Sobiech zum 26:25-Sieg gegen den Titelfavoriten.

Ein Erfolg, von dem damals selbst Trainer André Fuhr überrascht war. "Ich habe damals nicht geglaubt, dass wir das schaffen können. Dieser Sieg war ein Schlüsselerlebnis, ein Dosenöffner, da haben wir viel Selbstvertrauen mitgenommen. Jetzt sind wir die Gejagten."

Gute Karten im Meisterschaftsrennen

Aus dem Außenseiter ist der Favorit geworden. Ohne Punktverlust stehen die Handballerinnen von Borussia Dortmund an der Tabellenspitze der Frauen-Bundesliga. Am Samstag (22.02.2020) gewannen sie auch das Rückspiel gegen das Spitzenteam aus Thüringen. Mit dem 27:25-Sieg haben sie einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft gemacht. Doch wie konnte aus dem letztjährigen Tabellensiebten so schnell der Ligaprimus werden?

Frauenhandballtrainer Fuhr: "Gucken auch auf die Tabelle" Sportschau 18.02.2020 01:58 Min. Verfügbar bis 18.02.2021 Das Erste

Neuformiertes Team findet sich schnell

Sieben neue Spielerinnen sind im Sommer zum Team gestoßen. Mit individuell starken Spielerinnen wie Abwehrchefin Kelly Dulfer oder Torhüterin Isabell Roch hat sich die Qualität im Kader erhöht. Vier Spielerinnen wurden im Dezember mit der holländischen Nationalmannschaft sogar Weltmeister. Trotzdem verteilt sich die Verantwortung auf viele Schultern, sagt Kapitänin Alina Grijseels: "Wir haben nicht den Star in der Mannschaft, der im Spiel zwölf Tore wirft. Das verteilt sich relativ gut. Und ich glaube, dadurch sind wir schwerer auszurechnen."

Dass sich das neuformierte Team so schnell gefunden hat, damit war nicht zu rechnen. "Wir wussten, dass wir eine gute Mannschaft haben. Aber ein Team mit vielen neuen Spielerinnen muss sich eigentlich erstmal finden. Das braucht Zeit. Deshalb kam es überraschend, dass wir so früh so viel Qualität erreicht haben", sagt Trainer Fuhr.

Dortmunds Grijseels: "Haben nicht den Star in der Mannschaft" Sportschau 18.02.2020 00:52 Min. Verfügbar bis 18.02.2021 Das Erste

Mitreißender Top-Trainer

Nicht nur auf, auch neben dem Spielfeld hat sich der BVB verstärkt. Mit Fuhr ist einer der deutschen Top-Trainer zu den Borussinnen gestoßen. "Er ist sehr akribisch und detailliert in der Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Er erwartet viel Disziplin. Im Spiel ist er sehr emotional an der Seitenlinie. Ich glaube, dass das eine Mannschaft auch gut mitreißen kann", beschreibt Grijseels ihren Coach.

Fuhrs Handschrift ist zu erkennen. Aus einer stabilen Abwehr und einem schnellen Umschaltspiel kommen die Dortmunderinnen immer wieder zu einfachen Toren. Tempohandball ist die Devise. "Als Trainer ist man nie zufrieden. Wir haben noch Potenzial im Positionsangriff und kriegen trotz guter Abwehr immer noch relativ viele Gegentore", analysiert Fuhr. "Es gibt immer noch eine Menge, an der wir arbeiten können." 

Den gestiegenen Erwartungsdruck spürt der Trainer aber auch: "Wenn ich nachts aufwache, denke ich ans nächste Spiel. Das ist anders, wenn man Fünfter oder Sechster ist." An seiner täglichen Arbeit ändert das jedoch nichts. "Unsere Rolle ist eine andere, aber wir arbeiten wie von Anfang an und bereiten uns gewissenhaft auf jeden Gegner vor."

BVB-Handballerinnen wollen ungeschlagen an der Spitze bleiben

Sportschau 21.02.2020 02:37 Min. Verfügbar bis 21.02.2021 Das Erste Von Mareike Zeck

Voller Fokus auf die Liga

Dass er sich so ausführlich auf die Konkurrenz in der Liga einstellen kann, liegt auch daran, dass die Dortmunderinnen keine Doppelbelastung durch Champions League oder EHF-Pokal haben. Platz sieben in der vergangenen Saison reichte nicht zur Qualifikation am internationalen Wettbewerb. Weniger Spiele und Reisen bedeuten mehr Vorbereitungszeit, mehr Regeneration und weniger Verletzungsausfälle.

"Ich sehe das von zwei Seiten. In europäischen Spielen sammelt man unglaublich viel Erfahrung und Wettkampfhärte. Das bringt eine Spielerin und eine ganze Mannschaft unglaublich voran. Das haben wir jetzt nicht", relativiert der BVB-Trainer, "es hat Vor- und Nachteile." Die regelmäßige Teilnahme am internationalen Geschäft ist das Ziel der kommenden Jahre. Mit Platz vier in der Liga wäre man qualifiziert - als Meister sowieso.

Alina Grijseels: "Wollen nicht abhängig von anderen sein" Sportschau 18.02.2020 00:54 Min. Verfügbar bis 18.02.2021 Das Erste

Stand: 22.02.2020, 21:12