Handball-Trainer André Fuhr

BVB stellt Frauen-Handball-Trainer Fuhr frei

Stand: 21.09.2022, 12:06 Uhr

Der Frauen-Handball-Bundesligist Borussia Dortmund hat im Zuge der fristlosen Kündigungen von zwei Spielerinnen Trainer André Fuhr mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Das gab der BVB am Montag (19.09.2022) bekannt. Die Freistellung Fuhrs erfolgt im Zuge von scharfer Kritik aus dem Spielerinnenkreis. Mia Zschocke und Amelie Berger hatten zuletzt fristlos gekündigt und die Anlaufstelle für Gewalt und Missbrauch im Spitzensport eingeschaltet. Dies habe "eine Fokussierung des Kaders sowie der gesamten Abteilung auf den Handballsport" unmöglich gemacht, erklärte nun der BVB.

Am Mittwoch gab außerdem der Deutsche Handballbund (DHB) bekannt, dass Fuhr nicht mehr für den Verband tätig sein werde. Er habe den Verband "aufgrund der aktuellen Diskussionen um seine Person" darüber informiert, dass er für den Aufbau der neuen U19/20-Nationalmannschaft nicht zur Verfügung steht.

Fuhr bereits beim Spiel in Neckarsulm nicht mehr dabei

Der 51-Jährige fehlte in der Liga bereits beim Auswärtsspiel bei der Sport-Union Neckarsulm, Co-Trainer Andreas Kuno vertrat ihn beim 38:25-Sieg. BVB-Abteilungsleiter Andreas Heiermann hatte den "Ruhr Nachrichten" dazu gesagt, Fuhr sei aber "auf keinen Fall freigestellt".

Dies ist zwei Tage später nun doch der Fall. Borussia Dortmund betonte aber in der montäglichen Mitteilung: "Die Entscheidung, André Fuhr freizustellen, ist ausdrücklich nicht mit einer Vorverurteilung verbunden." Wer das Team in Zukunft trainiert, werde noch entschieden.

Fristlose Kündigungen sorgen für Aufruhr beim BVB

Eine Krisensitzung war nach den fristlosen Kündigungen der zwei Nationalspielerinnen für den 12. September anberaumt worden, an der die derzeit krankgeschriebenen Zschocke und Berger, Abteilungsleiter Heiermann, Vereinspräsident Reinhard Rauball sowie Vertreter der unabhängigen Anlaufstelle für Gewalt und Missbrauch von Athleten Deutschland teilnahmen. Danach hatte der BVB "weitere Gespräche" angekündigt.

Borussia Dortmunds Aufarbeitung läuft noch

Wie der BVB am Montag unterstrich, würden immer noch "die Vorgänge gegenwärtig gewissenhaft und gründlich" aufgearbeitet. Dabei stehe der Verein nach wie vor "im Dialog mit der Anlaufstelle gegen Gewalt im Sport, die von mehreren Spielerinnen kontaktiert worden war", hieß es weiter.

Die fristlosen Kündigungen Zschockes und Bergers hatte Dortmund zunächst nicht akzeptiert. Nun erklärte der BVB aber: "Den Spielerinnen Mia Zschocke und Amelie Berger hat Borussia Dortmund zwischenzeitlich mitgeteilt, Ihrem persönlichen Wechselwunsch – ohne Anerkennung einer Rechtspflicht – zu entsprechen."

Stellungnahme von André Fuhrs Anwalt

Am Montag gab außerdem Fuhrs Anwalt, Prof. Dr. Markus Buchberger, eine ausführliche Stellungnahme ab: "Das was gerade um ihn passiert, belastet ihn genauso schwer, wie es bei jedem anderen Menschen der Fall wäre."

Buchberger habe ein "Gespräch mit dem Mannschaftsrat der Handball-Damen" geführt und "drei langjährige BVB-Spielerinnen" hätten "Handlungen meines Mandanten im Sinne der uns zu diesem Zeitpunkt nur unter Stichworten bekannten Vorwürfe klar verneint."

In den Krisengesprächen unter Teilnahme Fuhrs habe sich laut Anwalt Buchberger herauskristallisiert, "dass es bei den meisten Vorwürfen um die Grenze zwischen fordernder Trainerarbeit und individuell empfundenen Grenzbereichen" gehe.

Über dieses Thema berichtete die Lokalzeit Dortmund am 20.09.2022.

Quelle: jti