Shinta Appelkamp (v.l.), Daniel Thioune und Rouwen Hennings

Fortuna Düsseldorf: Mit der "Thioune-Tabelle" um den Aufstieg spielen

Stand: 09.07.2022, 15:59 Uhr

Nach einer wechselhaften Saison mit zwischenzeitlichen Abstiegssorgen, einem Trainerwechsel gefolgt von einem beeindruckenden Endspurt will die Fortuna den Schwung mitnehmen und im Optimalfall um den Aufstieg mitspielen.

Von Bastian Hahne

So lief die vergangene Saison

Seit zwei Jahren ist die Fortuna inzwischen wieder zweitklassig. Nachdem im ersten Jahr das Ziel "direkter Wiederaufstieg" am Ende doch recht klar verfehlt wurde, starteten die Rheinländer in der vergangenen Saison mit dem neuen Trainer Christian Preußer einen neuen Anlauf. Doch bereits nach der Hinrunde deutete sich an, dass es auch in dieser Spielzeit nichts mit dem Aufstieg wird. Von 17 Spielen hatte die Fortuna lediglich fünf gewonnen und belegte mit 20 Punkten einen enttäuschenden zwölften Platz.

Meet the Team - Fortuna Düsseldorf

Sportschau 07.07.2022 01:38 Min. Verfügbar bis 07.07.2023 ARD Von Christian Schulze


Es folgten vier Niederlagen in Serie, mit denen die Fortuna bis auf den Relegationsplatz abrutscht und die Preußer Anfang Februar den Job kosteten. Als Ersatz verpflichtete Düsseldorf Daniel Thioune und landete damit einen Volltreffer. Unter Thioune blieb Düsseldorf in den ersten zwölf Spielen ungeschlagen (sechs Siege, sechs Remis) und entledigte sich bald aller Abstiegssorgen. In der "Thioune-Tabelle" der letzten 13 Saisonspiele waren nur die späteren Aufsteiger Schalke 04 und Werder Bremen besser.

Am letzten Spieltag musste die Fortuna mit dem 0:2 beim FC St. Pauli die erste Niederlage der Thioune-Ära einstecken, beendete die Saison aber als Tabellenzehnter im sicheren Mittelfeld, weit weg von Auf- und Abstiegsrängen.

Wer kommt, wer geht

Nach dem am Ende versöhnlichen Saisonausgang verzichteten die Verantwortlichen auf einen Umbruch im Sommer und bemühten sich, das unter Thioune doch verheißungsvoll auftretende Team beisammen zu halten. Innenverteidiger Jordy de Wijs (27) und Mittelfeldspieler Ao Tanaka (23) konnten nach ihren Leihen von den Queens Park Rangers bzw. Kawasaki Frontale fest verpflichtet werden.

Jordy de Wijs (v.l.) und Ao Tanaka

Besonders die langfristige Verpflichtung von de Wijs (Vertrag bis 2026), der in seinen zehn Spielen als robuster Innenverteidiger mehr als überzeugen konnte, ist als Erfolg zu bewerten. Neu dabei ist der österreichische U-Nationalspieler und Linksverteidiger Benjamin Böckle (20), der ablösefrei vom FC Liefering nach Düsseldorf gewechselt ist. Außerdem kehrten die Leihspieler Dawid Kownacki (Lech Posen) und Nana Ampomah (Royal Antwerpen) zurück.

Verlassen haben den Verein Florian Hartherz (Maccabi Netanya), Kai Eisele (Karlsruher SC), Lex-Tyger Lobinger (1. FC Kaiserslautern), Nikell Touglo (Viktoria Berlin), Thomas Pledl, Edgar Prib (beide noch ohne Verein) und die ausgeliehenen Robert Bozenik (Feyenoord Rotterdam) und Leonardo Koutris (Olympiakos Piräus). Routinier Adam Bodzek wird künftig für die U23 der Fortuna auflaufen. Mit Daniel Bunk, Niko Vukancic, Tim Corsten, Tom Geerkens und Elione Fernandes kamen in der Vorbereitung fünf Eigengewächse im Training und in den Testspielen zum Einsatz und können sich Hoffnungen auf Einsätze bei den Profis machen.

Gehen wird wohl noch Khaled Narey. Der Düsseldorfer Topscorer der vergangenen Saison (acht Tore, 15 Vorlagen) ist sich nach einer starken Saison mit dem griechischen Erstligisten PAOK Saloniki über einen Transfer einig, die Verein verhandeln aktuell über die Ablösesumme. Seinen Wechselwunsch hat der 27-Jährige nun damit untermauert, dass er auf eigenen Wunsch beim letzten Testspiel gegen Twente Enschede (1:5) nicht mitspielte, da er sich gedanklich mit einem Transfer befasse.

Der Trainer

Fortuna Düsseldorfs Trainer Daniel Thioune

Daniel Thioune ist der große Hoffnungsträger bei der Fortuna. Mit einem Schnitt von 1,85 Punkten pro Spiel weist der 47-Jährige eine hervorragende Bilanz auf, auch wenn erst 13 Spiele unter seiner Führung absolviert wurden. In dieser Phase verbesserte sich die Mannschaft in nahezu jeder Hinsicht. 22 Tore von zwölf verschiedenen Torschützen bei nur zwölf Gegentreffern zeugten von einer ausgeglichenen Mannschaftsleistung und einer neu gefundenen Teamchemie, die Thioune nun mit in die neue Saison nehmen will.

Mit dem im Mühlviertler Hochland (Österreich) absolvierten Trainingslager zeigte sich Thioune zuletzt sehr zufrieden. "Wir haben viel gearbeitet und die Spieler mit unserer Spielidee kognitiv vor einige Aufgaben gestellt", resümierte der Fortuna-Coach. "Ich bin glücklich damit, wie die Mannschaft das alles aufgenommen hat."

Erwartungen an die Saison

Fortuna Düsseldorfs Kristoffer Peterson im Testspiel gegen SV Straelen

"Im Gegensatz zu den letzten Jahren haben wir den Kern der Mannschaft zusammengehalten und fangen nicht bei Null an", erklärte Sporvorstand Klaus Allofs. "Deshalb fühlen wir uns gut aufgestellt." Nach der erfolgreichen Schlussphase der vergangenen Saison wolle man "diese positive Grundstimmung" aufrecht erhalten. Neben den Narey-Querelen machten aber auch die Testspiele Sorgen. Zuletzt zeigte Fortuna schon gegen die Viertligisten TuS Koblenz (1:0) und SV Straelen (2:1) schwache Leistungen, die Generalprobe gegen Twente (1:5) war dann eine herbe Enttäuschung für Thioune.

Ein klares Saisonziel hat die Fortuna bislang nicht kommuniziert. Mittelfristig peilt der Verein aus der Landeshauptstadt den Aufstieg in die Bundesliga an. Und wenn das Team an die gute Schlussphase der abgelaufenen Saison anknüpfen könnte und die "Thioune-Tabelle" auch in der kommenden Spielzeit ein Faktor ist, dann spielt Düsseldorf um den Aufstieg mit.