Steffen Baumgart - Vier Jahre "Vollgas" an der Seitenlinie

Steffen Baumgart - Vier Jahre "Vollgas" an der Seitenlinie

Von Till Krause

Vier Jahre lang prägte Steffen Baumgart den SC Paderborn. Er führte der Verein von der 3. Liga bis in die Bundesliga. Nun verlässt Baumgart den SCP Richtung Köln. Ein Rückblick.

Trainer Steffen Baumgart jubelt über den Aufstieg in die Bundesliga.

Steffen Baumgart jubelte. Mitte Mai 2019 war es geschafft. Der SC Paderborn stieg in die Bundesliga auf. Zwei Jahre zuvor hatte noch der Abstieg in die Regionalliga gedroht - dann kam SCP-Retter Baumgart.

Steffen Baumgart jubelte. Mitte Mai 2019 war es geschafft. Der SC Paderborn stieg in die Bundesliga auf. Zwei Jahre zuvor hatte noch der Abstieg in die Regionalliga gedroht - dann kam SCP-Retter Baumgart.

Ohne Kappe und Bart, aber schon im T-Shirt trat Steffen Baumgart Mitte April 2017 beim SC Paderborn an. Zuvor war er Trainer bei einem Regionalligisten in Berlin. Nun sollte er die abstiegsbedrohten Paderborner zum Klassenerhalt in Liga 3 führen. "Wir müssen in den verbleibenden fünf Spielen neue Energie freisetzen und alles dem großen Ziel unterordnen", sagte Baumgart damals.

Zwar holte Baumgart mit Paderborn noch elf Punkte, das reichte aber nicht für den Klassenerhalt. So besiegelte das 0:0 gegen den VfL Osnabrück eigentlich den Abstieg in die Regionalliga. Aber Paderborn blieb doch in der dritten Liga, weil Zweitliga-Absteiger 1860 München keine Drittliga-Zulassung bekam. "Diese Nachricht hat damals kaum jemand mitbekommen", sagte Baumgart vor Kurzem in einem Interview mit dem WDR. Das sei ein sehr prägender Moment für ihn gewesen, so der Trainer.

Und dann begann das Paderborner Fußball-Märchen: Nur ein Jahr nach dem Fast-Abstieg in die Regionalliga feierte Steffen Baumgart mit seinen Paderbornern den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die Mannschaft hatte Baumgarts Offensiv-Fußball verinnerlicht, sie stellte mit 90 geschossenen Toren einen neuen Drittliga-Rekord auf.

Und Baumgarts Mannschaft hatte noch nicht genug - auch in der nächsten Saison gab es etwas zu feiern. Dem SC Paderborn gelang der Durchmarsch bis in die Bundesliga. Trotz einer 1:3-Niederlage am letzten Spieltag in Dresden hatte Steffen Baumgart beste Laune und machte im Paderborner Fanblock den Vorsänger.

Bei der Aufstiegsparty am nächsten Tag gab es für den Chefcoach eine ordentliche Bierdusche. Nur zwei Jahre hatte Baumgart benötigt, um aus einer abstiegsbedrohten Drittliga-Mannschaft einen Bundesligisten zu formen.

"Vollgas" erwartet Steffen Baumgart von seinen Spielern - und lebt das auch an der Seitenlinie vor. "Wenn ich von den Jungs erwarte, dass sie 90 Minuten Gas geben, sollte ich es auch tun und mich nicht zurücklehnen", begründete Baumgart sein Verhalten in einem WDR-Interview. So gerät er häufiger auch mit dem Schiedsrichter aneinander. Folgerichtig war es Baumgart, der als erster Trainer in der Bundesliga eine Gelbe Karte sah - am 2. Spieltag der Saison 19/20 gegen den SC Freiburg.

Schnee, Regen oder Sturm - egal: Steffen Baumgart trägt an der Seitenlinie ein T-Shirt. "Beim Spiel fehlt mir sonst die Bewegungsfreiheit, und ich brauche einfach diese Freiheit", erklärte Baumgart vor Kurzem im WDR-Interview. "Aber ich kann Ihnen sagen, ich friere genauso wie andere."

Nach drei Jahren endete das Paderborner Fußball-Märchen schließlich: Der SCP stieg nach einem Jahr in der Bundesliga wieder ab. Die Mannschaft von Steffen Baumgart belohnte sich zu selten für den großen Aufwand, den sie betrieb. Nicht nur gegen klare Favoriten, sondern auch in den Spielen gegen schwächere Teams. Am Ende reichte es nur für vier Siege. "Wir sind zu lange und zu klar der Musik hinterhergelaufen. Wenn du nur 20 Punkte holst, dann ist das einfach zu wenig", analysierte Trainer Steffen Baumgart die Saison. Aber er stellte auch klar: "Wir sind Tabellenletzter, oder wie ich immer so schön sage 18. in Deutschland."

Trotz des Abstiegs blieb Baumgart dem SCP treu und stabilisierte die Mannschaft in der 2. Bundesliga. Im DFB-Pokal gelang im Achtelfinale fast der große Coup gegen den BVB. Es stand 2:2, die Verlängerung lief, da erzielte der BVB doch noch den Siegtreffer. Ein umstrittenes Tor, weil eine vermeintliche Abseitsposition vorlag. "Das ist eine absolute Frechheit", sagte Baumgart damals im ARD-Interview. "Es geht für uns um zwei Millionen. Ich bin keine Aktiengesellschaft." Er hätte sich gewünscht, dass der Schiedsrichter sich die Bilder anschaut und dann entscheidet. Am Ende zählte das Tor, Paderborn schied aus.

Fans und Verein bedankten sich beim letzten Heimspiel der Saison 20/21 mit einem Banner bei Steffen Baumgart. Auch der Trainer bedankte sich, er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Danke für alles". Es war in Corona-Zeiten ein Abschied auf Distanz - vor leeren Rängen, ohne Fans. "Die Zuschauer haben gefehlt, das wäre heute die Krönung gewesen", sagte Baumgart nach dem Spiel.

Nach vier Jahren verlässt Steffen Baumgart den Verein. "Ich bin stolz darauf, vier Jahre lang mit meinem Team und meinen Jungs gute Leistung gebracht zu haben", so Baumgart über seine Zeit. "Ich fühle mich in Paderborn sehr wohl, aber ich will im Fußball einfach was Neues machen, einen neuen Weg gehen", begründete er seine Entscheidung. Die neue Herausforderung ist der 1. FC Köln. "Ich hatte noch nie so schnell mein Gehalt in der Zeitung stehen wie jetzt", sagte Baumgart vor Kurzem in einem WDR-Interview.

Stand: 23.05.2021, 20:40 Uhr