Fußball | 2. Bundesliga

Schalke 04 und das Problem mit den Altlasten

Stand: 28.05.2022, 11:08 Uhr

Nach dem Aufstieg bereitet Schalke 04 die neue Saison in der Fußball-Bundesliga vor. Entscheidend dabei wird sein, wie gut die zurückkehrenden Leihspieler verkauft werden können.

Von Sebastian Hochrainer

So langsam legt sich die Jubelstimmung bei Schalke 04 wieder. Vor drei Wochen gelang in eigenen Arena der Aufstieg, der entsprechend gefeiert wurde. Eine Woche später wurde auch noch die Meisterschaft in der 2. Liga klargemacht. Doch die Vorbereitungen auf die neue Saison zeigen schon, dass es nach wie vor ein Klub mit großen Problemen ist.

Schröder muss wieder kreativ werden

Mike Büskens, der als Interimstrainer den Aufstieg schaffte, kündigte im "Kicker" an: "Natürlich brauchen wir Verstärkung, und es wird sich wieder einiges verändern." Nach dem 54-Jährigen müsse das "in allen Teilen" der Mannschaft geschehen.

Schalkes Sportdirektor Rouven Schröder hat jedoch schon vor einem Jahr gezeigt, dass er diese Aufgabe lösen kann. Über 40 Transfers (Ab- und Zugänge) wickelte er damals mit bescheidenden Mitteln ab. "Wie er mit den damaligen kniffligen Personalsituationen umgegangen ist und diesen Kader dann mit Charakter und fußballerischer Klasse neu bestückt hat. Ich glaube, Rouven war für Schalke der Königstransfer", sagte Büskens.

Bekommt Schalke sein teures Trio jetzt verkauft?

Doch einige dieser kniffligen Personalsituationen wurden nur um ein Jahr verschoben. Mehrere (einst hochpreisige) Leihspieler kommen nun zurück und haben nach wie vor sehr üppige Schalke-Verträge. In erster Linie geht es da um Ozan Kabak, Amine Harit und Rabbi Matondo - insgesamt sind es neun Spieler, die im Sommer zurückkehren.

Für das genannte Trio hat Schalke einst insgesamt 32 Millionen Euro bezahlt. Und es gab Zeiten, da wähnte der Klub mit ihnen das große Geschäft. Bei Kabak (15 Millionen Euro Ablöse) wurde es konkret, als er 2020 auf Leihbasis zum FC Liverpool wechselte. Die "Reds" zogen später aber nicht die Kaufoption über 21 Millionen Euro. Nun kehrt der türkische Nationalspieler vom Premier-League-Absteiger Norwich City zurück und soll verkauft werden.

Schalkes Klauseln und Kaufoptionen bringen nicht das gewünschte Geld

Immerhin haben Kabaks Leihen etwa fünf Millionen Euro eingebracht, dazu die Ersparnisse des Gehalts. Ein Verkauf wird aber nun eine knifflige Aufgabe - Schröder muss gelingen, was ihm zuvor nicht gelungen war. Ähnlich ist es auch bei Harit (2017 für acht Millionen Euro gekommen). Der Marokkaner hat jedoch kein schlechtes Jahr bei Olympique Marseille gehabt (vier Tore und vier Assists in 23 Spielen in der Ligue 1) und könnte einen Abnehmer finden.

Die Frage ist nur, wie viel sich ein anderer Klub die Dienste Harits Kosten lassen will. Als der Klub im Dezember 2019 den Vertrag des heute 24-Jährigen verlängerte, war er die große Hoffnung. Der Deal war ein Erfolg, inbegriffen war eine horrende Ausstiegsklausel. Nach dieser soll Harit Schalke in diesem Sommer für 50 Millionen Euro verlassen dürfen. Doch eine mögliche Ablösesumme wird davon sehr weit entfernt sein.

Ähnlich ist es auch bei Matondo, auf dessen Verpflichtung von Manchester City der Ruhrgebietsklub ebenfalls stolz war. Für neun Millionen Euro kam der heute 21-Jährige im Alter von 18 Jahren nach Schalke in einer Zeit, als britische Talente Hochkonjunktur hatten. Auch er soll eine Ausstiegsklausel über 50 Millionen Euro haben, nun zog sein Leihklub Cercle Brügge aber nicht mal die Kaufoption über 3,5 Millionen Euro. Jedoch auch, weil es um die eigenen Finanzen nicht gut steht.

Die Schuldenlast ist nach wie vor riesig

Das ist bei Schalke auch schon seit langer Zeit der Fall. Zwar gelang es dem Klub, im vergangenen Bilanzjahr die Gesamtverbindlichkeiten des Klubs von etwa 217 Millionen Euro auf 183,5 Millionen Euro zu senken, der Schuldenberg ist nach wie vor aber sehr groß.

Das bedeutet: Schröder muss Geld generieren, um den Kader für die Bundesliga zusammenzustellen. Trotz großer Euphorie dürfte es in der nächsten Saison erstmal darum gehen, mit diesem die Klasse zu halten. Die Altlasten machen dieses Vorhaben aber alles andere als einfach.