Ouwejan macht Standards wieder zur Waffe für Schalke

Bringt den Freistoß in die Gefahrenzone: Schalke-Linksverteidiger Thomas Ouwejan (l.)

2. Fußball-Bundesliga

Ouwejan macht Standards wieder zur Waffe für Schalke

Von Julian Tilders

Der FC Schalke 04 ist dabei, eine verloren gegangene Tugend wieder aufleben zu lassen. Die Standards von Thomas Ouwejan erinnern an Christian Pander und Co. - auch dank des richtigen Zielspielers.

Hoch und weit bringt Sicherheit. Was zunächst nach Rumpelfußball und englischem "Kick and Rush" klingt, kann für den FC Schalke 04 in der der 2. Fußball-Bundesliga noch zur Waffe werden - auch am Freitag (13.08.2021, 18.30 Uhr im Audio-Livestream und Ticker auf sportschau.de) gegen Erzgebirge Aue.

Allerdings nicht aus dem Spiel heraus, das ist wohl weniger der Ansatz von S04-Trainer Dimitrios Grammozis. Stattdessen ist Schalke auf dem besten Weg, eine alte Tugend wieder aufleben zu lassen: die Stärke bei ruhenden Bällen.

Während in der vergangenen Spielzeit Ecken und Freistöße bei Schalke-Partien höchstens für den Gegner erfolgversprechend waren, strahlen die "Knappen" dabei nun selbst wieder Gefahr aus. Ein Trumpf, zumal die Vorstellungen in der Liga gegen den Hamburger SV (1:3) und auch Holstein Kiel (3:0) spielerisch nicht unbedingt überzeugend waren.

Mit Ouwejan kehren die "Brandfackeln" zurück

Der Niederländer Thomas Ouwejan, 24 Jahre, mit Kaufoption für ein Jahr ausgeliehen von AZ Alkmaar, lässt die Fans von alten Zeiten träumen. Denn in der Abstiegssaison sorgten die Standards des zumindest bemühten (Ex-)Linksverteidigers Bastian Oczipka, der häufig mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraut wurde, nur selten für Gefahr.

DFB-Pokal: FC 08 Villingen gegen Schalke 04 - die Zusammenfassung Sportschau 08.08.2021 07:01 Min. Verfügbar bis 08.08.2022 Das Erste

Ouwejans ruhende Bälle erinnern in Sachen Härte, Präzision und Effet an die von Christian Pander, das mussten zuletzt in der Liga Holstein Kiel (zwei Ouwejan-Assists) und im Pokal der Fünftligist Villingen erleben. Dort steuerte Ouwejan keine direkte Vorlage bei, schlug aber die Ecke, nach der Rodrigo Zalazar den zweiten Ball erfolgreich verwertete. "Wir haben im Training an den Standardsituationen gearbeitet", ließ Stürmer Marius Bülter nach dem Kiel-Spiel schon wissen. "Das hat das Spiel für uns deutlich einfacher gemacht."

Der stets von Verletzungen geplagte Linksverteidiger Pander spielte von 2004 bis 2011 für S04 und prägte eine Standard-Ära. Ralf Rangnick, damals Trainer des Mannes mit der "linken Klebe", wie sie im Pott sagen, verglich Panders Hereingaben mit "Brandfackeln", die in den Strafraum fliegen. Der Vergleich hinkt auch bei Ouwejan nicht.

Tradition der "linken Klebe" bei S04

Dieses Feuer mit dem linken Fuß bei ruhenden Bällen oder Flankenläufen wurde auch nicht erst durch Pander Tradition. Ingo Anderbrügge, Jörg Böhme, die jüngere Generation wird sich neben Pander noch an Christian Fuchs erinnern - oder Sead Kolasinac.

Simon Terodde - endlich wieder ein Zielspieler

Pander und Fuchs hatten in der Saison 2011/12 Raúl, Klaas-Jan Huntelaar und auch Innenverteidiger Benedikt Höwedes, Kolasinac 2016/17 Guido Burgstaller. Oczipka hingegen fehlte der effektive Zielspieler.

Für Ouwejan ist das nun Torjäger Simon Terodde, dem der Niederländer schon zwei Treffer per Standard auflegte. "Ich habe in der Vorbereitung schon gesehen, dass er einen guten linken Fuß hat. Thomas‘ linker Fuß kann eine Waffe für diese Saison werden", war Terodde schnell verzückt von den Qualitäten seines wohl wichtigsten Helfers für die Spielzeit.

Stand: 12.08.2021, 11:47