Schalke 04: Eingriff des Videoassistenten laut DFB "nicht angemessen"

Schiedsrichter Tobias Stieler zeigt Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis nach seinem Protest die Gelbe Karte.

Schalke 04: Eingriff des Videoassistenten laut DFB "nicht angemessen"

Ein später Elfmeter hat Schalke 04 bei Werder Bremen um zwei wichtige Punkte im Aufstiegsrennen gebracht. Der DFB bezeichnet den Eingriff des Videoassistenten dabei am Sonntag als "nicht angemessen".

Die Aufstiegsplätze sind für den FC Schalke nicht weit entfernt. Den Tabellensiebten trennen aktuell lediglich drei Punkte von Rang eins. Trotzdem sind Siege nach dem Pokal-Aus gegen 1860 München und den zwei Liga-Schlappen gegen Heidenheim und Darmstadt wichtiger denn je - und um einen solchen fühlen sich die Schalker nach dem Remis gegen Bremen betrogen.

Stieler entscheidet nach Ansicht der Videobilder auf Strafstoß

Ein umstrittener Elfmeter in der Nachspielzeit hat die Königsblauen am Samstag noch zwei der bereits sicher geglaubten drei Punkte gekostet. Nach einem Zweikampf zwischen Schalkes Henning Matriciani und Bremens Roger Assalé hatte Fifa-Schiedsrichter Tobias Stieler nach Ansicht der Videobilder auf Elfmeter entschieden. Den verwandelte Niclas Füllkrug sicher.

Die Sportliche Leitung der Elite-Schiedsrichter im Deutschen Fußball-Bund (DFB) räumte am Sonntag eine Fehleinschätzung durch den Videoassistenten ein. "Eine Intervention war nicht angemessen", hieß es in einer offiziellen DFB-Stellungnahme. Nach Meinung der DFB-Referees hätte der Assistent nicht eingreifen dürfen, es habe sich nicht um eine klare Fehlentscheidung gehandelt.

Schalke verzichtet auf Protest

Die Schalker erklärten am Sonntagabend, auf einen Protest gegen die Spielwertung zu verzichten. "Nach eingehender juristischer Prüfung hat sich Königsblau dazu entschlossen, aufgrund geringer Erfolgsaussichten keine sportjuristischen Mittel gegen die Tataschenentscheidung einzusetzen", hieß es in einer Mitteilung.

Die Diskussionen hatten sich zunächst darum gedreht, ob es wirklich ein Foulspiel war und dem nicht ein Bremer Handspiel vorausgegangen war. Schalkes Trainers Dimitrios Grammozis hatte bei der Pressekonferenz am Samstagabend gesagt, dass Stieler ihm mitgeteilt habe, dass "der Spieler von Werder am Fuß getroffen wurde und dass das für ihn ein klarer Elfmeter ist". Eine Einschätzung, die Grammozis nicht teilte: "Vielleicht muss er nochmal den Schiedsrichterschein machen. Das ist ja nicht mehr normal. Wenn man ein ganz klares Handspiel plus Schwalbe nicht mehr erkennt."

Assalé stürzt, als der Ball schon weg ist

Der Schalke-Coach schob noch das Wort "Wahnsinn" hinterher, schloss dann aber damit ab, dass er aufpassen müsse, was er sage. Zu dem Sturz Assalés nach der leichten Berührung, die Stieler gesehen hatte, kam es erst, als der Ball für ihn schon nicht mehr zu erreichen war.

Das wiederum ist in der Liga keine Seltenheit und genauso selten Kriterium für die Bewertung einer Berührung des Gegners, die als Foul ausgelegt werden kann.

Bewegt sich Stieler im zulässigen Ermessensspielraum?

Ein Blick auf die neuen, in dieser Saison in allen nationalen Wettbewerben geltenden Vorgaben für die Schiedsrichter bei der Bewertung von Handspielen könnte verraten, ob sich Stieler im zulässigen Ermessensspielraum bewegt hat. DFB-Lehrwart Lutz Wagner hatte die Regeln im Sommer bereits den Landesverbänden erläutert:

Demnach gibt es nun zwei Kriterien, in denen ein Handspiel eines Verteidigers strafbar sei. Wenn ein Spieler mit einer absichtlichen Bewegung die Hand oder den Arm zum Ball führt, oder wenn er den Ball durch seine Körperhaltung aufhalten will. Es geht nur noch um die "Intention bei der Bewegung". "Diese Frage zu bewerten, legt man nun wieder mehr in das Ermessen des Schiedsrichters", sagte Wagner.

Freude über Zweitliga-Torrekord von Terodde getrübt

Klar ist, dass Stieler erst nach Intervention aus dem Kölner Videokeller und der Ansicht der Videobilder auf Strafstoß entschieden hatte. Stieler war also nicht alleine beteiligt, und der Eingriff des Videoassistenten hätte laut DFB nicht erfolgen dürfen.

Für einen Schalker war diese Entscheidung besonders bitter: Simon Terodde konnte sich nicht nur über entgangene Punkte, sondern auch die getrübte Freude eines Rekords ärgern. Er avancierte mit seinem 154. Zweitliga-Treffer zur 1:0-Führung zum alleinigen Tor-Rekordhalter der 2. Liga. Die Bestmarke hatte er sich mit 153 Toren noch mit dem früheren Hannoveraner Dieter Schatzschneider teilen müssen.

Bremen rettet ein Remis gegen Schalke: Die Audio-Highlights

Sportschau 20.11.2021 04:00 Min. Verfügbar bis 20.11.2022 ARD Von Daniel Haselbach /Olaf Rathje


Stand: 21.11.2021, 19:00