Gazprom-Schriftzug auf dem Schalke Trikot

Fußball | 2. Bundesliga

Schalke und Gazprom: S04 nimmt Hauptsponsor von Trikots

Stand: 24.02.2022, 19:27 Uhr

Bei Schalke 04 bröckelt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Verbindung zur Firma Gazprom. S04 nimmt den Hauptsponsor von den Trikots. Zudem hat der Gazprom-Vertreter im Aufsichtsrat sein Mandat niedergelegt.

Von Julian Tilders

Der FC Schalke 04 zieht erste Konsequenzen aus dem Angriff Russlands auf die Ukraine und wirbt nicht mehr auf seinen Trikots für das staatliche russische Energieunternehmen Gazprom. Wie der Verein am Donnerstag (24.02.2022) mitteilte, werde "mit Blick auf die Ereignisse, Entwicklung und Zuspitzung der vergangenen Tage" der Schriftzug des russischen Hauptsponsors in den kommenden Partien vom Jersey genommen.

Dies hätten Gespräche mit der deutschen Tochterfirma "Gazprom Germania" ergeben. Stattdessen werde schlicht "Schalke 04" auf den Trikots prangen.

Schalke ohne russischen Sponsor 'Gazprom' auf Trikot

Sportschau 24.02.2022 01:54 Min. Verfügbar bis 24.02.2023 ARD


Grammozis' Pullover bei Pressekonferenz ohne Gazprom-Logo

Schon bei der Pressekonferenz der Schalker am Donnerstag vor dem Spiel beim Karlsruher SC (Samstag, 13.30 Uhr) fehlte auf dem Pullover von S04-Trainer Dimitrios Grammozis das Gazprom-Logo. Auf der Sponsorenwand im Hintergrund war es aber noch zu sehen.

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Überlebenswichtige Gazprom-Millionen für Schalke

Wladimir Putin (r.) und Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke 04, bei der Bekanntgabe der Partnerschaft 2007.

Wladimir Putin (r.) und Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke 04, bei der Bekanntgabe der Partnerschaft 2007.

Schalke steht, wie viele andere Sportvereine, -verbände und -wettbewerbe, in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Geld eines russischen Unternehmens. Der Vertrag mit "Gazprom Germania" läuft noch bis 2025. Die Partnerschaft auf den Weg gebracht hatte 2007 der damalige Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der sich als persönlicher Freund von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin bezeichnet.

In der 2. Bundesliga sollen vom russischen Gaslieferanten neun Millionen Euro jährlich fließen, bei einem Aufstieg würde die Summe wohl auf 15 Millionen Euro pro Saison ansteigen. S04 halte noch an der Partnerschaft fest, hatte der Klub erst am Mittwoch in einer Stellungnahme erklärt.

Schalke-Trainer Grammozis: "Keiner der das ausgrenzt"

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"Auch wir sind von den Bildern schockiert gewesen, die sich da abspielen", sagte Pressesprecher Marc Siekmann dann am Donnerstag: "Aber ich muss um Verständnis bitten, dass das Ganze am Donnerstagmorgen nochmal eine neue Wendung genommen hat und wir Zeit brauchen um das zu beraten und zu schauen, was das für Schalke 04 bedeutet."

Vereinsbosse arbeiten an Lösung mit Gazprom

Schalke-Vorstandsvorsitzender Bernd Schröder und Aufsichtsratvorsitzender Axel Hefer machten jedenfalls deutlich, dass sie intensiv daran arbeiten, mit Gazprom eine Lösung zu finden. Das kurz darauf angekündigte Verschwinden des Gazprom-Schriftzuges von den Trikots war wohl der erste Schritt einer Trennung.

Es gibt dabei in dieser Angelegenheit viele juristische Fragen zu klären, die sich wohl auch um mögliche Vertragsstrafen drehen. Müssen die Schalker bereits erhaltene finanzielle Zuwendungen womöglich zurückzahlen?

Aufsichtsrat Warnig zieht sich nach US-Sanktionen zurück

Früher am Donnerstag hatte Matthias Warnig sein S04-Aufsichtsratsmandat niedergelegt. Er ist Geschäftsführer von Nord Stream 2 und steht im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine unter Sanktionen der USA.

S04-Pressesprecher Siekmann zum Rücktritt von Warnig

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Das Finanzministerium der Vereinigten Staaten von Amerika setzte ihn am Mittwoch (Ortszeit) auf die Liste sanktionierter Personen. Die Personen auf dieser US-Sanktionsliste werden als "Specially Designated Nationals" bezeichnet. Ihre Konten und Vermögenswerte werden eingefroren und US-Bürgerinnen und -Bürgern ist es generell untersagt, mit ihnen Geschäfte zu machen.

Gazprom und Co. - Warnig in russischer Wirtschaft verwurzelt

Matthias Warnig

Matthias Warnig am Rande eines Meetings mit Russlands Präsident Putin.

Daraufhin legte Warnig am Donnerstagvormittag sein Mandat als S04-Aufsichtsrat "mit sofortiger Wirkung" nieder, wie der Klub aus dem Ruhrpott bekanntgab. Der 66-Jährige hatte dem Gremium seit Juli 2019 als kooptiertes Mitglied, entsandt vom russischen Hauptsponsor Gazprom, angehört. Warnig ist neben der Gazprom-Tochter Nord Stream 2 AG (seit 2006 Geschäftsführer), Betreibergesellschaft der zuletzt von der deutschen Bundesregierung gestoppten Ostsee-Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, auch in weiteren russischen Wirtschaftsunternehmen involviert.

Warnig mit Putin persönlich verbunden

Ex-S04-Aufsichtsratsmitglied Warnig gilt als enger Vertrauter Putins, der ihm 2012 den "Russischen Orden der Ehre" verlieh. In einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" hatte Warnig vor gut dreieinhalb Jahren preisgegeben: "Zwischen uns beiden gibt es einen ungefilterten Meinungsaustausch."

Der 66-Jährige hat wie Putin eine Geheimdienst-Vergangenheit und war in der DDR als Stasi-Agent für den Staatsapparat tätig. Vor der Wiedervereinigung Deutschlands war er bis zum Hauptmann der Spionageabteilung aufgestiegen.