Victor Pálsson - "Krieger" mit persönlicher Note

Victor Pálsson

Victor Pálsson - "Krieger" mit persönlicher Note

Von Michael Buchartz

Victor Pálsson hat einen schwierigen persönlichen Leidensweg hinter sich. Auf dem Platz ist er aber einer, der vorangeht. Diese Mentalität soll Schalke 04 jetzt helfen.

Am Freitag geht es los: Schalke 04 trifft zum Saisonstart der zweiten Bundesliga auf den Hamburger SV. Es ist gleich ein Topspiel zu Beginn und dort werden sie Victor Pálsson, den "Krieger", brauchen. So wurde er bei seiner vorherigen Station in Darmstadt genannt.

Pálsson leidet an Depressionen

Wer Pálsson und seine Mentalität wirklich verstehen will, muss Persönliches von ihm wissen. Seit er 16 Jahre alt ist, kämpft er mit Depressionen. Der 30-Jährige geht offen mit dem Thema um. "Ich arbeite seit vielen Jahren mit Mentaltrainern und Psychologen zusammen", erzählte er im Interview der "Bild"-Zeitung.

Der Isländer bekennt sich aber nicht nur zu seiner Krankheit, er legt auch Finger in die Wunden. So beklagte er, dass "Depressionen immer noch ein Tabu-Thema" seien und ihn einige "Vereine nicht verpflichten wollten". Vereine hat er wahrlich genug gesehen: Er hat bereits in zehn Ländern gespielt, zuletzt etwas mehr als zwei Jahre in Darmstadt. Aus dieser Zeit kennt er den jetzigen Schalker Trainer Dimitrios Grammozis.

Besondere Verbindung zu Grammozis

Zu diesem hat Pálsson eine besondere Verbindung. Als Grammozis im Sommer 2020 Darmstadt verließ, traf ihn das hart. Grammozis bringe "Herz mit und Emotionen", außerdem habe er "immer einen Plan", schwärmte der Isländer damals. Nun haben sie wieder zusammen gefunden bei Schalke 04.

Der Wechsel zu den "Knappen" ist jedoch nicht nur die Wiedervereinigung von zweien, die sehr gut miteinander können. Es ist auch ein persönlicher Sieg Pálssons über die Widrigkeiten in seinem Leben, über die Depressionen, über eine schwierige Kindheit - und über die, wie er selbst sagt, "schwärzeste Phase meines Lebens", als Ende des vergangenen Jahres seine Mutter, die seit seiner Kindheit drogen- und alkoholsüchtig war, starb.

"Der Fußball hat mein Leben gerettet"

Heute sagt er über seine Vita vor allem eines: "Es gab so viele Herausforderungen neben dem Platz. Der Fußball hat wahrscheinlich mein Leben gerettet. Deshalb bin ich mental so stark." Es sind diese Attribute und Überzeugungen, die ihm in Darmstadt auf und neben dem Feld den Spitznamen "Krieger" eingebracht haben.

Nun soll er genau das bei Schalke zeigen. Pálsson selbst weiß dabei um seine Schwächen und Stärken: "Ich bin kein Edeltechniker wie Sergio Busquets. Aber ich kann dem Team etwas geben, was kaum ein anderer hat. Mit meiner Einstellung und Mentalität. Ich erwarte von jedem immer hundert Prozent. Gemeinsam können wir viel erreichen." Zum Beispiel den Wiederaufstieg: Es wäre der nächste Eintrag im schillernden Lebenslauf des Victor Pálsson.

Stand: 22.07.2021, 15:19