Teamcheck Fortuna Düsseldorf: Weit hinter den eigenen Ansprüchen

Christian Preußer, Trainer des Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf.

Fußball | 2. Bundesliga

Teamcheck Fortuna Düsseldorf: Weit hinter den eigenen Ansprüchen

Von Nico Karrasch

Nach 18 Spieltagen ist Fortuna Düsseldorf vom Saisonziel "oben mitspielen" meilenweit entfernt. Im neuen Jahr soll Trainer Christian Preußer das Team schnell in sichere Gefilde führen - sonst wird es eng für ihn.

Vor der Saison 2020/21 hatte Fortuna Düsseldorf in der Sommerpause einen großen Umbruch zu bewältigen. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga verließen zahlreiche Spieler den Verein und Trainer Uwe Rösler musste mit vielen Neuzugängen ein neues Team formen. Das Saisonziel "direkter Wiederaufstieg" wurde als Tabellenfünfter verfehlt, Rösler musste gehen. Unter dem neuen Trainer Christian Preußer wollte Fortuna in dieser Spielzeit "oben mitspielen" - doch die Realität sieht anders aus.

So lief die Hinrunde

Die Hinrunde lief enttäuschend für Düsseldorf. Besonders im eigenen Stadion hatte die Fortuna Probleme: Erst eines von neun Heimspielen konnte das Team gewinnen (3:1 gegen den Karlsruher SC).

Auf einen gelungenen Saisonauftakt mit einem 2:0-Erfolg beim SV Sandhausen folgten drei Niederlagen und ein Unentschieden. Anschließend hatte die Fortuna ihre bisher beste Saisonphase. Mit Siegen bei Erzgebirge Aue, beim FC Ingolstadt und gegen den KSC sammelten die Rot-Weißen in den folgenden sechs Partien elf Punkte und kletterten in der Tabelle auf Rang neun.

Doch der Aufschwung endete mit einer 0:3-Niederlage bei Liga-Konkurrent Hannover 96 in der 2. Runde des DFB-Pokals. Danach konnte Fortuna nur noch eines der sieben Liga-Spiele bis zur Winterpause gewinnen (3:1 beim SV Darmstadt). Nach der 0:1-Niederlage gegen Sandhausen zum Rückrundenstart rutschte Düsseldorf auf Rang 13 ab und hat nur noch drei Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 16.

In der Offensive mangelte es den Düsseldorfern an Kreativität und Durchschlagskraft. Auf das über die Flügel praktizierte Angriffsspiel (293 Flanken sind Liga-Bestwert) konnten sich die Gegner einstellen und es oft leicht verteidigen.

In der Defensive - in der Vorsaison immerhin die sechstbeste der Liga - leistete sich das Team immer wieder grobe Fehler, die zu leichten Gegentoren führten. Phasenweise zeigte das Team guten Fußball, aber die Konstanz fehlte.

Wer kommt, wer geht

In Corona-Zeiten ist auch bei Fortuna Düsseldorf das Geld knapp, doch der Mannschaft würden Verstärkungen gut tun.

"Die Vereine sind momentan sehr vorsichtig, weil sie noch gar nicht absehen können, wie sie von Corona-Fällen betroffen sind", sagte Fortunas Vorstandsmitglied Klaus Allofs mit Blick auf mögliche Wintertransfers. "Das ist bei uns genauso. Wir dürfen nicht in eine personelle Notlage geraten. Wir müssen abwarten, wie es sich bei uns entwickelt." Eine Woche vor dem ersten Spiel waren bei Fortuna sechs Spieler mit Corona infiziert.

Ein routinierter Innenverteidiger könnte helfen, die wackelige Fortuna-Abwehr zu stabilisieren. Der als Abwehrchef eingeplante Andre Hoffmann wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und kommt bisher erst auf sieben Pflichtspieleinsätze. Kapitän Adam Bodzek laboriert an mehreren Rippenbrüchen und ist eigentlich im defensiven Mittelfeld zu Hause.

Viel Verantwortung mit 21 Jahren: Christoph Klarer.

Viel Verantwortung mit 21 Jahren: Christoph Klarer.

Der 21 Jahre alte Christoph Klarer wuchs so zwangsweise in die Rolle des Abwehrchefs. Ein erfahrener Nebenmann könnte ihm und der gesamten Defensive aber zusätzliche Sicherheit geben. Klarer spielte zuletzt meist mit Tim Obderdorf zusammen, der solide Leistungen zeigte, aber auch gerade erst seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat. Der im Sommer verpflichtete Dragos Nedelcu bleibt weiter den Nachweis schuldig, dass er dem Niveau in der 2. Liga gewachsen ist.

Ein (kreativer) Spieler für das offensive Mittelfeld könnte dazu beitragen, dass Düsseldorf in der Offensive variabler wird und wieder schwerer auszurechnen ist. Ao Tanaka zeigte gute Ansätze, streute aber auch hin und wieder haarsträubende Fehlpässe im Spielaufbau ein.

Hoffnungsträger Shinta Appelkamp kam bisher noch nicht richtig in Tritt. Ein neuer Spieler im offensiven Mittelfeld könnte zudem Torjäger Rouwen Hennings entlasten, der oft mit der Ballverteilung auf die Außenpositionen beschäftigt war und dann im Angriffszentrum fehlte.

Etwas überraschend nahm der Klub zu Beginn des neuen Jahres einen Tausch auf der Co-Trainer-Position vor: Manfred Stefes ersetzt Thomas Kleine. Der 54 Jahre alte Stefes war zuletzt Co-Trainer unter Lucien Favre bei Borussia Dortmund und unterschrieb einen Vertrag bis 2023. Man sei zu dem Entschluss gekommen, dass dem "Trainerstab dieses erfahrene Element guttun würde", schrieb die Fortuna.

Auf der Vorsstandsebene stellte sich der Klub neu auf. Marketing-Experte Alexander Jobst wurde als Vorstandsvorsitzender Nachfolger von Thomas Röttgermann, der ein Angebot zur Vertragsverlängerung abgelehnt hatte. Klaus Allofs ist nun Vorstand für Sport und Kommunikation, Arnd Hovemann Vorstand für die Finanzen. Der bisherige Sportvorstand Uwe Klein wurde freigestellt. Der zum Juni auslaufende Vertrag von Marketingvorstand Christian Koke wurde nicht verlängert.

Stand: 09.01.2022, 07:00