Schalke gewinnt in Kiel - ein Sieg mit mehrfacher Signalwirkung

Auch Schalkes Verantwortliche um Rouwen Schröder (l.) und Gerald Asamoah (2.v.r.) schmissen sich in die Jubeltraube

Schalke gewinnt in Kiel - ein Sieg mit mehrfacher Signalwirkung

Von Sebastian Hochrainer

Erstmals seit November 2019 hat Schalke 04 wieder ein Auswärtsspiel in der Liga gewonnen. Das Spiel in Kiel brachte aber mehr als die Erkenntnis, dass der Absteiger noch in der Fremde gewinnen kann - auch negative Dinge.

Bei seiner Analyse nach dem Spiel war Simon Terodde ebenso zielsicher wie auf dem Platz. "Das Ergebnis war sicher ein, zwei Tore zu hoch. Wir sind aber richtig viel marschiert, haben gut verteidigt und zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Dieser glatte Auswärtssieg ist enorm hilfreich", sagte der Doppel-Torschütze von Schalke 04 nach dem 3:0-Sieg bei Holstein Kiel. Und in dieser Aussage steckt so viel Wahres drin.

Terodde kann es auch als Schalker

An erster Stelle steht die Erkenntnis für Schalke, in der zweiten Liga angekommen zu sein und auswärts wieder gewinnen zu können. Nach dem 1:3 gegen den Hamburger SV zum Auftakt stand die Mannschaft von Trainer Dimitrios Grammozis in Kiel schon unter Druck - und in solchen Situationen gab es vor allem in der vergangenen Saison immer wieder neue Rückschläge. Doch diesmal nicht. Beim zweiten Duell gegen einen Nord-Klub gab es den ersten Erfolg der Saison und den ersten Auswärtssieg seit November 2019.

Außerdem dürfte bereits nach zwei Spielen klar sein, dass Schalke wieder einen Torjäger hat, auf den sich die Mannschaft verlassen kann. Terodde macht als Gelsenkirchener da weiter, wo er in den vergangenen Jahren aufgehört hatte. In seinen vergangenen vier Zweitligasaisons hat der 33-Jährige für vier verschiedene Klubs (VfL Bochum, VfB Stuttgart, 1. FC Köln und HSV) mindestens 24 Tore erzielt. Nach zwei Schalke-Spielen hat er schon wieder drei Treffer auf dem Konto. In der vergangenen Saison war Matthew Hoppe mit sechs Toren in einer gesamten Saison der beste Schütze.

Schalker Tugenden sind wieder zu sehen

Besonders wichtig sind bei den Knappen jedoch die Themen Mentalität, Kampf- und Teamgeist. All das hat Schalke beim Saisonstart gezeigt. In Kiel hatte der Bundesliga-Absteiger wie schon gegen Hamburg deutlich weniger Ballbesitz, scheute jedoch keinen Zweikampf und gewann über 55 Prozent der Duelle. Ebenfalls ist immer wieder zu sehen, dass die Spieler und Verantwortlichen sich auf dem Platz und von der Bank gegenseitig motivieren. "Wir sind als Mannschaft aufgetreten, wie auch schon gegen den HSV. Es macht Bock", sagte Terodde.

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Wenn Schalke dann noch so effizient die eigenen Chancen ausnutzt wie am Sonntagnachmittag, ist das Team auch erfolgreich. Gegen den HSV verhinderte die mangelhafte Chancenverwertung ein besseres Ergebnis.

Was Terodde aber auch andeutete, ist die Erkenntnis, dass Schalkes Spiel noch viel Luft nach oben hat. Besonders mit dem Ball agiert das Team noch zu fehlerhaft und hat viele Phasen in den Spielen, in denen es unter Druck gerät. Gegen Hamburg rächte sich das, Kiel aber vergab eine Vielzahl an Chancen.

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Was wäre Schalke ohne die Terodde-Tore?

Und es ist eben auch die Frage, wie gut Schalke ist, wenn sein Torjäger einen schlechten Tag hat. Marius Bülter soll der Mann sein, der Terodde beim Toreschießen entlastet, gegen Kiel machte er sein erstes Tor für die Knappen. Insgesamt ist die Abhängigkeit jedoch nicht nur auf der Anzeigetafel groß. Elf Torschüsse hat Terodde nach den ersten beiden Spielen vorzuweisen, Zweiter in dieser Statistik ist ebenfalls Bülter (vier Schüsse), aber mit großem Abstand.

Schalke hat nach dem Abstieg und erfolglosen Auftakt einen Erfolg für die Tabelle und die Seele feiern dürfen. Es war jedoch auch ein Spiel, das aufgezeigt hat, dass der Klub noch viel vor sich hat, um die direkte Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen.

Stand: 01.08.2021, 17:44