MSV Duisburg - Bilder eines Absturzes

MSV Duisburg - Bilder eines Absturzes

Zum vierten Mal muss der MSV Duisburg den bitteren Gang in die 3. Liga antreten - Bilder eines unerwarteten Absturzes.

Duisburgs Enis Hajri (l.), Co-Trainer Philipp Klug

In Duisburg gehen die Lichter aus - Der MSV steht einen Spieltag vor Saisonende als Absteiger aus der 2. Fußball-Bundesliga fest.

In Duisburg gehen die Lichter aus - Der MSV steht einen Spieltag vor Saisonende als Absteiger aus der 2. Fußball-Bundesliga fest.

Ein bitterer Absturz, der in Duisburg absolut nicht eingeplant war. Nach einer bärenstarken Saison im Vorjahr mit Platz sieben als Aufsteiger wollte der MSV sich im zweiten Jahr weiter in der 2. Bundesliga etablieren. Das gesicherte Mittelfeld war das Ziel vor der Saison, zumal das erfolgreiche Team weitestgehend zusammengehalten werden konnte und mit erfahrenen Offensivkräften wie John Verhoek und Richard Sukuta-Pasu (hier im Bild) verstärkt wurde.

Doch es herrschte schnell Alarmstimmung an der Wedau. Der MSV startete katastrophal, holte aus den ersten acht Saisonspielen nur zwei Punkte. Schon fast zwangsläufig geriet Trainer Ilia Gruev in die Kritik, dessen Systemwechsel zu Saisonbeginn die Mannschaft offenbar zusätzlich verunsicherte.

Die MSV-Verantwortlichen zogen Ende September die Reißleine - eher zu spät nach Ansicht zahlreicher Beobachter. Die durften sich bestätigt fühlen, als Nachfolger Torsten Lieberknecht das Team gleich im ersten Spiel auf der Bank zu einem Überraschungssieg beim Tabellenführer aus Köln führte.

Doch auch Lieberknecht schaffte es trotz des Traum-Einstands nicht, dem Team mehr Stabilität zu verleihen. Erhoffte Leistungsträger wie Fabian Schnellhardt oder Cauly Oliverira Souza stagnierten. Weil auch die Neueinkäufe einer nach dem anderen enttäuschten, geriet auch Sportdirektor Ivica Grlic in die Kritik. Der verteidigte seine Personalpolitik im Herbst gegenüber der WAZ unbeirrt, er würde alle Spieler erneut verpflichten.

Magere 13 Punkte holte der MSV bis zum Jahreswechsel, bei acht Heimniederlagen und nur 16 eigenen Treffern - dass sie mit dieser Bilanz nach 18 Spieltagen noch auf Rang 16 und damit dem Relegationsplatz standen, hatten sie einzig und allein der Tatsache zu verdanken, dass es mit Ingolstadt und Magdeburg zwei Teams gab, die noch schwächer unterwegs waren.

In der Winterpause rüsteten die Verantwortlichen noch einmal nach. Stürmer Havard Nielsen sollte Duisburgs schwache Torquote verbessern, Torhüter Felix Wiedwald kam als neuer Rückhalt zwischen den Pfosten. "Wir brauchen Spieler, die Verantwortung übernehmen", so die Maßgabe von Sportdirektor Grlic. Vereinspräsident Ingo Wald gab sich zuversichtlich: "Unser Kader ist stark genug. Ich glaube fest daran, dass wir den Klassenerhalt schaffen."

Der MSV erwischte erst einmal einen Fehlstart ins neue Jahr und rutschte ans Tabellenende, konnte dann aber zulegen und zeigte sich vor allem in den Heimspielen etwas gefestigter. Mit einem 1:0-Erfolg Anfang März gegen den Konkurrenten aus Magdeburg konnte der MSV die "Rote Laterne" wieder abgeben.

Die Duisburger erkämpften sich in den Auswärtsspielen in Regensburg (1:1) und St. Pauli (0:0) jeweils einen Punkt, unterlagen dann aber dem direkten Konkurrenten Ingolstadt (2:4). Doch vor allem das wilde Nachholspiel gegen den Aufstiegsfavoriten aus Köln, als der MSV nach 2:4-Rückstand ganz stark zurückkam und in der Schlussphase noch ein 4:4 erkämpfte, nährte die Hoffnung der Fans auf ein Happy-End.

Doch nach dem hilflosen 0:4 in Paderborn am 29. Spieltag rutschten die Duisburger wieder auf den letzten Tabellenplatz, auch psychologisch der Nackenschlag. Ob der finanziell angeschlagene MSV in der 3. Liga wirtschaftlich überleben kann, ist ungewiss - Präsident Wald hatte einen erneuten Abstieg auf der vergangenen Jahreshauptversammlung als "mittelfristigen Tod des Vereins" bezeichnet.

Der MSV gab sich nicht auf. Allerdings waren die hart erkämpften zwei Punkte gegen den SV Sandhausen (2:2) und Arminia Bielefeld (2:2) eigentlich zu wenig - vor allem, weil auch die Konkurrenten weiter punkteten. Am 32. Spieltag wendeten die Zebras den vorzeitigen Gang in die 3. Liga mit einem Überraschungssieg bei Holstein Kiel (2:0) noch einmal ab: Gyau (Foto) und Albutat wahrten mit ihren Toren die letzte Chance auf den Nicht-Abstieg.

Nach der 3:4-Heimschlappe gegen den FC Heidenheim am 33. Spieltag stand der MSV als Absteiger fest. Aber selbst ein Sieg hätte die Duisburger nicht mehr retten können, da sie den auf dem Relegationsplatz liegenden FC Ingolstadt nach dessen Heimsieg im Parallelspiel nicht mehr hätten einholen können.

Stand: 12.05.2019, 19:20 Uhr