Zuschauerdiskussion - Dämpfer für NRW-Klubs

Zuschauerdiskussion - Dämpfer für NRW-Klubs

RB Leipzig plant sein Bundesliga-Auftaktspiel mit Zuschauern und hat dafür grünes Licht bekommen. Die Klubs aus Nordrhein-Westfalen erhielten aber erst einmal einen Dämpfer.

RB Leipzig als "Dosenöffner" für die Fans: Ausgerechnet der von vielen Anhängern als Retortenklub verspottete Fußball-Bundesligist will den Weg für eine Zuschauer-Rückkehr ebnen. Die Sachsen planen für ihren Liga-Auftakt am 20. September gegen den FSV Mainz 05 mit 8.500 Besuchern und haben für ihr Konzept bereits die Freigabe des Gesundheitsamtes erhalten.

Beim Drittligisten MSV Duisburg, der für das DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund ein Konzept für 8.000 Zuschauer ausgearbeitet hatte, musste man am Donnerstag (03.09.20) erst einmal einen gehörigen Dämpfer hinnehmen. Dem MSV wurden für die Heimspiele lediglich 300 Zuschauer erlaubt. Das entspricht der NRW-Vorgabe von höchstens 300 erlaubten Zuschauern bei Großereignissen.

Keine Tickets für BVB-Spiel im freien Verkauf

"Die Stadt hat uns schriftlich informiert, dass Spiele mit dieser Zuschauerzahl stattfinden dürfen", erläuterte MSV-Geschäftsführer Peter Mohnhaupt. "Wir akzeptieren die Entscheidung der Stadt vor dem Hintergrund der Pandemie natürlich, wollen aber auch mit unseren Fans zeigen, dass das Konzept funktioniert. Wir werden weiter den intensiven Austausch mit den Behörden suchen."

Bedeutet für das Pokalspiel gegen den BVB: keine Tickets im freien Verkauf. "Auch hier sind der Stadt die Hände gebunden und wir haben eine Freigabe nur für ein 300er-Kontingent. Allerdings sind diese Tickets bereits vertraglich an die DFB-Zentralvermarktung und Sponsoring-Vereinbarungen gebunden", erläutert Mohnhaupt. "So haben wir für das Dortmund-Spiel leider keinerlei Verkaufs-Möglichkeit wie beim Spiel der Frauen gegen Meppen."

Watzke lobt "besonnenen Schritt" der Leipziger

Das Vorpreschen der Leipziger erhöht allerdings den Entscheidungsdruck vor der virtuellen Versammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Donnerstag und nährt auch bei den NRW-Klubs die Hoffnung, auf eine baldige Rückkehr zu mehr "Normalität" auf ihren Tribünen.

"Das ist ein mutiger, aber gleichzeitig ein sehr besonnener Schritt", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der "WAZ". Der BVB-Chef erhofft sich von dem Vorgehen der Leipziger eine positive Signalwirkung für andere Gesundheitsämter.

Für die Heimspiele des BVB im mehr als 80.000 Fans fassenden Dortmunder Stadion wünscht sich Watzke auch eine Teilzulassung von Zuschauern. Aber: "Das liegt nicht in unserer Hand. Dazu müsste zunächst ein entsprechendes Signal der Landesregierung kommen. Selbst wenn das örtliche Gesundheitsamt zuständig ist, kann man solche Entscheidungen ja nicht gegen die Landesregierung fällen."

Hygienekonzept: RB Leipzig darf vor Zuschauern spielen Sportschau 01.09.2020 Verfügbar bis 01.09.2021 Das Erste

Vermeidung von gesundheitlichen Risiken

Wie die anderen Klubs hat auch Borussia Mönchengladbach ein Hygienekonzept für verschiedene Fälle erarbeitet. Der Klub stehe im Austausch mit der Behörde und hoffe, schon beim ersten Heimspiel gegen Union Berlin am 2. Spieltag Zuschauer im Stadion zu haben.

Leipzig sei "ein Schritt in die richtige Richtung", erklärte Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers auf Anfrage der Sportschau. "Natürlich hoffen wir, dass wir bei einer entsprechend niedrigen Infektionsrate und unter Vermeidung von gesundheitlichen Risiken auch im Borussia-Park bald wieder eine vergleichbare Zahl von Zuschauern begrüßen dürfen."

Der 1. FC Köln setzt auf einen engen Austausch mit der Politik. Man überprüfe alle Optionen im vertraulichen Dialog mit der Politik und den zuständigen Behörden. Der FC trifft am 3. Spieltag Anfang Oktober in der Domstadt auf Borussia Mönchengladbach. Spätestens da würde es die Kölner sehr schmerzen, völlig auf Fans verzichten zu müssen.

Schalke hofft auf landesweit einheitliche Regelung

Ein Schmerz, den jeder Schalker - ob nun Verantwortlicher oder Fan des Revierklubs - nachvollziehen kann. "Natürlich ist es auch unser Wunsch, möglichst bald wieder vor Zuschauern, vor unseren Fans spielen zu können. Alles unter der Maßgabe, dass es das aktuelle Infektionsgeschehen zulässt", sagt Alexander Jobst, Vorstand Marketing, Vertrieb und Organisation.

"Ziel bleibt aus Sicht von Schalke 04 eine landesweit einheitliche Regelung für NRW", so Jobst weiter. Sein Verein habe ein Hygiene-Konzept ausgearbeitet, dass von den zuständigen Behörden als gut befunden wurde. "Wir stehen weiterhin im Austausch mit den zuständigen Behörden, die über eine Teilzulassung von Zuschauern entscheiden."

Stand: 03.09.2020, 20:00