Stefan Ruthenbeck - der Lauttreter

Trainer Stefan Ruthenbeck

Stefan Ruthenbeck - der Lauttreter

Von Dirk Burkhardt

  • Interimstrainer Ruthenbeck debütiert in Belgrad
  • Karriereweg führt von Mayen bis Köln
  • Durchschnittliche Bilanz auf der Trainerbank

Leise ist nicht sein Ding. Das merkten Spieler und Zaungäste gleich bei der ersten Trainingseinheit des 1. FC Köln unter Stefan Ruthenbeck. Lautstark gab der Interimstrainer am Montag (04.12.2017)  Kommandos, spornte an, korrigierte. Auch privat mag Ruthenbeck als Heavy-Metal-Fan eher die krachenden Töne.

Dementsprechend kann man sich gut vorstellen, dass der 45-Jährige auch nicht gerade für zurückhaltenden Fußball steht. "Passivität ist nicht mein Ding. Ich will eine Mannschaft haben, die agiert", lautet Ruthenbecks Motto. Bei seinen Zweitliga-Stationen VfR Aalen (2013-15) und SpVgg Greuther Fürth (2015-16) setzte er auf Ballbesitz und Pressing - nicht immer das typsiche Mittel der Wahl in der 2. Liga.

2. Liga? "Scheißliga"

Deshalb bezeichnete Ruthenbeck sie auch einmal als "Scheißliga", weil seiner Meinung nach Abwarten und lange Bälle zu oft belohnt würden. Seine Spielphilosophie schlug sich allerdings in Ergebnissen kaum nieder. Mit Aalen kratzte er Mitte der Saison 2013/14 kurzzeitig an den Aufstiegsplätzen. Aufgestiegen ist Ruthenbeck allerdings noch nie, musste dafür aber mit Aalen 2015 als Schlusslicht den Gang in die 3. Liga antreten.

Insgesamt liegt seine durchschnittliche Platzierung seit dem Start der Trainerkarriere 2004 in der Oberliga bei TuS Mayen bei Rang elf. Entsprechend war er vor seinem Engagement im Sommer 2017 als U19-Trainer in Köln eher bei Klubs mit Problemen wie Arminia Bielefeld oder 1. FC Kaiserslautern im Gespräch.

Aus Köln für Köln

Über Platz elf wäre man allerdings in Köln am Ende der laufenden Bundesliga-Saison sicher froh. Doch wahrscheinlich wird Ruthenbeck nicht länger als die letzten fünf Partien in Belgrad (Europa League), gegen Freiburg, in München, gegen Wolfsburg und auf Schalke (DFB-Pokal) Cheftrainer bleiben.

Aber der Mann aus Quadrath-Ichendorf vor den Toren Kölns, der sich als „Kölner durch und durch“ bezeichnet, hat mit seiner Lautstärke und Energie vielleicht auch das Zeug, für kurzfristige Impulse zu sorgen. Sowohl in Aalen (gegen Hannover 96) als auch in Fürth (gegen Mainz 05) warfen seine Teams in leidenschaftlichen Spielen favorisierte Bundesligisten aus dem DFB-Pokal.

Mut als Chance zur Wende

"Mut" war dabei ein zentrales Stichwort des Fußballlehrers, der 2010 den Lehrgang unter anderem mit Markus Babbel, Christian Ziege und Kölns jetzigem Sportdirektor Jörg Jakobs absolvierte. "Ich will eine Mannschaft, die mutig spielt", sagte Ruthenbeck bei seiner Vorstellung in Fürth.

"Man muss Mut mitbringen", lautete eine der ersten Aussagen beim Amtsantritt in Köln. Schafft es Ruthenbeck, dieses Credo auf die angeschlagene Kölner Mannschaft zu übertragen, könnte es schon beim Europa-League-Spiel am Donnerstag bei Roter Stern Belgrad sehr laut und lebhaft werden - nicht nur auf dem Platz.

Stand: 06.12.2017, 11:13