VDV-Camp - Aufbauhilfe für arbeitslose Fußballprofis

Trainer Jürgen Kramny (l.) und VDV-Vizepräsident Carsten Ramelow

VDV-Camp - Aufbauhilfe für arbeitslose Fußballprofis

  • 14 vertragslose Profis in diesem Jahr im VDV-Camp
  • Camp als vielleicht letzte Chance im Profifußball
  • Vor allem mentale Aufbauhilfe gefragt

Carsten Ramelow beobachtet das Engagement seiner Schützlinge mit Freude. Der langjährige Leverkusener Profi und Vizeweltmeister von 2002 sieht ganz genau hin, wenn die 14 vertragslosen Teilnehmer des am Dienstag (09.07.2019) gestarteten VDV-Camps in Duisburg um ihre vielleicht letzte Chance im Profifußball kämpfen. Doch trotz der angespannten Situation wird gescherzt, gelacht und sich gegenseitig Beifall geklatscht. "Letzendlich merken die Jungs, sie sind auf sich allein gestellt. Aber hier müssen sie zusammenhalten", sagt der 45-Jährige.

Erfolgsquote von 80 Prozent

Obwohl jeder Teilnehmer seine eigenen Interessen verfolgt, ist für den Vizepräsidenten der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) der Teamgedanke entscheidend. "Wenn eine Mannschaft funktioniert, dann merkt man, da sind gute Leute drin", sagte Ramelow. Die Spielergewerkschaft verzeichnet bei der Vermittlung vertragloser Fußballer an einen neuen Verein eine Erfolgsquote von 80 Prozent. Das bedeutet jedoch, dass auch in diesem Jahr bei zwei bis drei Spielern der Traum vom Profifußball erst einmal zu Ende geht. "Der eine oder andere wird es nicht schaffen, da muss man auch Klartext reden", sagte Ramelow.

Im VDV-Camp müssen er und Trainer Jürgen Kramny vor allem mentale Aufbauhilfe bei den Spielern leisten. "Wir sind Psychologen. Nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes wird viel geredet. Ich glaube, das tut einfach gut", sagte Ramelow. "Es ist wichtig, dass man ihnen Vertrauen gibt und dass sie sich öffnen, wie sie ihre Chancen so sehen", sagte Kramny, der unter anderem den VfB Stuttgart in der Bundesliga und vier Monate den Zweitligisten Arminia Bielefeld trainiert hat.

Auch mal einen Schritt zurück machen

Einer der Spieler im Camp ist Daniel Bohl. Der 25 Jahre alte ehemalige U19-Nationalspieler stand zuletzt bei Energie Cottbus unter Vertrag. Nach dem Abstieg in die Regionalliga war für den Mittelfeldspieler kein Platz mehr im Kader von Trainer Claus-Dieter Wollitz. Ramelow empfiehlt den Spielern, auch mal einen Schritt zurück zu machen "in eine untere Liga, aber es ist doch ein Schritt in die richtige Richtung." Oder sich um einen Plan B zu kümmern. Bohl verlässt sich nicht allein auf die sportliche Karriere und hat bereits ein Studium begonnen. "Mir war das schon relativ früh bewusst. Man spielt zehn Jahre Fußball oder 15, wenn es gut läuft, und dann muss man auch wieder ganz normal arbeiten, außer man ist halt ein Toni Kroos."

Stand: 11.07.2019, 15:49