Ao Tanaka: Japanischer Deutschlandschreck aus Düsseldorf

Stand: 02.12.2022, 12:23 Uhr

Der Düsseldorfer Fußballprofi Ao Tanaka hat mit seinem Treffer gegen Spanien das Achtefinale für Japan gesichert. Für die deutsche Nationalmannschaft bedeutete sein Tor das WM-Aus. Bei der Fortuna erhoffen sie sich von dem 24-Jährigen weitere positive Entwicklungen.

Von Jörg Strohschein

Sein Ziel war eindeutig. "Wir wollen das Viertelfinale erreichen", sagte Ao Tanaka vor der WM in Katar in dem Wissen, dass die japanische Nationalmannschaft bislang dreimal im Achtelfinale gescheitert war. Vermutlich hatte der Mittelfeldspieler von Fortuna Düsseldorf nicht gedacht, dass ausgerechnet er selbst es sein würde, der seinem Team mit dem entscheidenden Treffer in der Gruppenphase diesem großen Wunsch näher bringen sollte.

Tanakas Tor zum 2:1 gegen Spanien am Donnerstag (01sorgte dafür, dass Japan das Achtelfinale erreichte und die deutsche Nationalmannschaft die Heimfahrt aus dem Wüstenstaat antreten musste. "Jeder spricht von einem Wunder, aber das sehe ich nicht so. Wir sind immer aggressiver geworden", sagte Tanaka, der sich damit zum Deutschlandschreck geschossen hat.

Ständig unterwegs

In Düsseldorf werden die Verantwortlichen Tanakas Treffer mit gemischten Gefühlen gesehen haben. Nicht nur Fortunas Sportvorstand Klaus Allofs dürfte sich allerdings darüber gefreut haben, dass der einzige Spieler, den der Zweitligist bei der WM dabei hatte, eine prägende Rolle eingenommen hat. Die Verantwortlichen der Fortuna hatten Tanaka im Sommer 2021 zunächst vom japanischen Klub Kawasaki Frontale ausgeliehen. "Das ist natürlich schade für Deutschland, aber wir freuen uns für unseren Spieler und hoffen, dass er noch lange im Turnier bleibt. Das ist natürlich auch für seine Wertsteigerung gut", sagte Fortunas Sportdirektor Christian Weber.

Im Rheinland hatte Tanaka aber eine ganze Weile gebraucht, bis er sich akklimatisiert hatte. Vor allem, weil er kaum vor Ort war und sich häufig in Sachen Nationalmannschaft in der Luft, quer über die Kontinente, bewegte. Ob Olympia-Teilnahme, WM-Qualifikation oder Testspiele: Tanaka war dauerbeschäftigt und hatte kaum einmal Pausen. "Letztes Jahr war so anstrengend, ich war zum ersten Mal bei der Nationalmannschaft und bin dann immer hin und her gereist. Es war einfach zu viel, ich hatte auch viel Druck. Jetzt bin ich wieder frisch und deswegen werde ich auch immer besser", sagte Tanaka im vergangenen Sommer.

Nicht besonders torgefährlich

Die Düsseldorfer Verantwortlichen zogen ein Jahr später die vorhandene Kaufoption und verpflichteten Tanaka bis 2025 für rund 1,5 Millionen Euro. Trotz aller Umstellungs- und Belastungsprobleme sahen sie Potenzial in dem heute 24-Jährigen. "Wir sind davon überzeugt, dass Ao noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist und wir in den nächsten Jahren viel Freude an ihm haben werden", sagte Allofs nach der Verpflichtung.

Mittlerweile ist Tanaka im Düsseldorfer Mittelfeld zu einem Stammspieler heran gereift. Seine Ballsicherheit und sein gutes Auge für die Spielsituationen zeichnen ihn aus. Und er ist fleißig, arbeitet ständig an sich weiter. "Bei Ao muss man aufpassen, dass er nicht noch nachts um drei im Kraftraum arbeitet", sagte Fortuna-Trainer Daniel Thioune kürzlich.

Tanaka selbst ist sich sehr sicher, wie er seine Vorzüge in das Spiel seiner Teams einbringen kann. "Die Achter-Position ist für mich am besten, weil ich immer den Ball will, um ihn überall auf dem Platz zu verteilen", so Tanaka. An seiner Torgefährlichkeit muss der Japaner allerdings noch arbeiten, auch wenn er in Doha getroffen hat: In 42 Spielen in der 2. Bundesliga hat er gerade einmal zwei Tore erzielt.

Promi-Paar in Japan

Nicht zuletzt dieser eine Treffer bei der WM gegen die Spanier dürfte Tanaka in seiner Heimat allerdings eine zusätzliche Portion Aufmerksamkeit verschafft haben. Die aber hat er eigentlich gar nicht nötig. Privat ist Tanaka mit Airi Suzuki, einer erfolgreichen und berühmten Solokünstlerin, die auch als als Radio-Moderatorin, Schauspielerin und Model arbeitet, liiert. Beide gelten in ihrer Heimat als Traum- und Promi-Paar, der japanische Boulevard beschäftigt sich nahezu täglich mit den beiden. Das wird sich in diesen Tagen von Katar wohl noch weiter verstärken.