Taktik im Fußball: Keine Leistungsunterschiede zwischen Frau und Mann

Taktisch sind Frauen im Fußball genauso leistungsfähig wie Männer. Das ergab eine Studie der Sporthochschule Köln.

Taktik im Fußball: Keine Leistungsunterschiede zwischen Frau und Mann

  • Sporthochschule Köln stellt Studie vor
  • Frauen und Männer sind taktisch gleich leistungsstark
  • Vergleich zwischen Fußball-Nationalmannschaften

Ein Vergleich der Leistungen von Frauen und Männern bewegt die Sportwelt in regelmäßigen Abständen immer mal wieder. Die Williams-Schwestern haben diesen Geschlechterkampf im Tennis schon gegen den nicht zur absoluten Weltklasse zählenden Karsten Braasch verloren, und Frauen-Nationalmannschaften haben im Fußball gegen hochklassige Junioren in der Regel keine Chance.

Aber man sollte bei Vergleichen eben auch darauf achten, was man vergleicht. Da es zwischen Frauen und Männern physiologische und anatomische Unterschiede gibt, die etwa via Körpergröße, Muskelmasse und Testosteron die Leistung beeinflussen, gerät so ein Vergleich schnell in Schieflage. Um genau das zu vermeiden, hat die Sporthochschule Köln im Fußball einen isolierten Blick auf Unterschiede in der taktischen Leistungsfähigkeit zwischen Frauen und Männern geworfen und am Donnerstag (28.05.2020) ihre Ergebnisse vorgestellt.

Keine Unterschiede bei taktischer Leistungsfähigkeit

In einer Studie, in der die männlichen und weiblichen Nationalmannschaften mehrerer Länder verglichen worden sind, wurden keine Unterschiede festgestellt. "Nimmt man verblindete Event- und Positions-Daten zu Hilfe, bei denen keine Rückschlüsse auf das Geschlecht möglich sind und in denen somit keine Frauen-Vorurteile versteckt sein können, finden wir in keiner unserer zwölf taktischen Leistungsvariablen signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern", lautet das Fazit von Professor Daniel Memmert, dem Leiter der Studie.

Ausgewertet wurden beispielsweise die Anzahl der Pässe, der erfolgreichen Pässe, die Passerfolgsquote, Anzahl der Flanken, der Dribblings, der Rettungsaktionen und der Torabschlüsse. Im Hochleistungsfußball habe die Analyse von zwölf taktischen Schlüssel-Indikatoren bei beiden Geschlechtern vergleichbare Werte in allen taktischen Variablen offenbart.

Memmert hofft auf mehr Daten für Forschung

Mit der Größe seiner Stichprobe ist Memmert indes noch nicht zufrieden, auch wenn sie wissenschaftlichen Standards genüge: "Da trotz zahlreicher Anfragen bei Verbänden und Vereinen keine große Stichprobe an auswertbaren Datensätzen erzielt werden konnte, wünsche ich mir, dass zukünftig mehr Positions- und Event-Datensätze von Frauen-Fußballspielen generiert und der Forschung zur Verfügung gestellt werden."

Der Studienleiter hofft, durch die neu gewonnenen Erkenntnisse objektive Rückschlüsse auf die Ausbildung von Spielerinnen zu ermöglichen und zur Weiterentwicklung und Professionalisierung des Frauenfußballs im Bereich Taktik beizutragen. Auch ließe sich die öffentliche Wahrnehmung und die Attraktivität des Frauenfußballs auf Basis objektiver Bewertungskriterien fördern.

Stand: 28.05.2020, 18:11