Schalke 04 soll endlich modern werden

Clemens Tönnies (l.) und Jochen Schneider (r.)

Schalke 04 soll endlich modern werden

Von Jörg Strohschein

  • Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider will Reformen.
  • Sportliche Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen.
  • Klub soll endlich ein modernes Unternehmen werden.

Es wirkte so, als würde Jochen Schneider doch ein wenig erstaunt sein über den Verein, in dem er künftig große Verantwortung trägt. Als neuer Sportvorstand trägt der 48-Jährige schließlich die Verantwortung über das Kerngeschäft des FC Schalke 04 - das Fußballspielen. In welch desolater Verfassung sein Vorgänger Christian Heidel ihm die auf skurrile Weise zusammengestellte Mannschaft hinterlassen hat, konnte Schneider am vergangenen Samstag (02.03.19) gegen Fortuna Düsseldorf bei der 0:4-Niederlage vor Ort verfolgen.

Genauso verwirren dürften Schneider allerdings die bisherigen eindimensionalen Arbeitsabläufe, die die Schalker seit Jahren manchmal erfolgreich machten, aber immer wieder auch in größere Schwierigkeiten brachten. Am Berger Feld gilt seit vielen Jahren das Credo: einer und sonst keiner. Entscheidungen auf sportlicher Ebene wurden stets auf Basis einer One-Man-Show getroffen.

Jochen Schneider ruft den Abstiegskampf auf Schalke aus Morgenmagazin 06.03.2019 01:30 Min. Verfügbar bis 06.03.2020 Das Erste

Überfällige Veränderungen

Beginnend mit Rudi Assauer, der dem Klub fast im Alleingang erstmals in eine neue Dimension hievte, über die Nachfolger Andreas Müller, Felix Magath, Horst Heldt und nicht zuletzt Heidel hatten alle sportliche Prokura von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, dem mit weitem Abstand mächtigsten Mann im Klub.

Doch dieser Entwicklung des aufgrund seiner Mitgliederzahl (156.100; Stand 11. September 2018) viertgrößten Fußball-Klubs der Welt will Schneider nun ausdrücklich und längst überfällig Rechnung tragen. "Ich glaube, das Aufgabenfeld bei einem Fußball-Bundesligaverein ist mittlerweile so groß und breit geworden, dass es gar nicht anders geht, als das auf viele Schultern zu verteilen und Leute hinzuzunehmen", sagte Schneider bei seiner Vorstellung am Dienstag (05.03.2019).

Mut verlangt

Ein Sportdirektor wird demnach nach Schalke kommen, auch ein technischer Direktor soll sein "Know how" einbringen. Was in den meisten Klubs seit langem praktizierte Normalität ist, avanciert für die Schalker zum echten Meilenstein. Schalke soll endlich in der Moderne ankommen und geführt werden wie ein europäischer Topklub. Damit könnte das nicht erst in der Heidel-Zeit immer wieder aufgekommene Thema der mangelnden sportlichen Kompetenz im Verein aufgelöst werden. "Wir haben uns ein Stück weit von der Vizemeisterschaft blenden lassen", sagte Tönnies im Rückblick auf das erfolgreiche sportliche Jahr 2018.

Womöglich hatte aber bei ihm selbst, aber auch dem gesamten Aufsichtsrat, diese Erkenntnis zu lange gebraucht, um durchzudringen und "die gute alte Zeit" damit hinter sich zulassen. Wandel erfordert auch immer Mut von den Protagonisten und setzt ein reduziertes Maß an Eitelkeit und Selbstverliebtheit voraus. Schneider scheint jedenfalls gewillt zu sein, den FC Schalke 04 aus seinem Tiefschlaf zu erwecken und in eine neue Zeit zu überführen.

Stand: 06.03.2019, 11:07