Aleksandar Ristic - der Himmelsstürmer

Aleksander Ristic

Aleksandar Ristic - der Himmelsstürmer

Von Jörg Strohschein

  • Aleksandar Ristic ist ein besonderer Trainertyp
  • Er war Entertainer, stur und dickköpfig, aber erfolgreich
  • Am Freitag feiert der Trainer seinen 75 Geburtstag

Einen Typen wie Aleksandar Ristic hat es seit langer Zeit nicht mehr unter den Bundesliga-Trainern gegeben: Er war Entertainer, stur und dickköpfig und besonders bei Fortuna Düsseldorf erfolgreich. Am Freitag (28.06.2019) feiert der Fußballlehrer seinen 75. Geburtstag.

Sein Urteil konnte niederschmetternd sein. "Du blinde Nuss", betitelte Ristic schon mal einen seiner Spieler bei Fortuna Düsseldorf. "Die Mannschaft ist nicht einmal Durchschnitt", urteilte er etwa in der Saison 1991/92 über sein Schalker Team. Und auch für die Fans des S04 hatte Ristic eine klare Ansage parat: "Mit Besoffenen rede ich nicht."

Verbal ein Himmelsstürmer

Ristic hat es sich und anderen nie leicht gemacht. So defensiv er seine Teams auch stets spielen ließ, verbal war er häufig ein Himmelsstürmer.

Womöglich lag das an seinen Lehrern beim Hamburger SV, Branko Zebec und Ernst Happel, die beide einen ähnlichen sturen und dickköpfigen Umgang pflegten. Aber Ristic konnte auch herzlich und nahbar seinen Spielern gegenüber sein.

Kein Trainer war länger in Düsseldorf tätig

In Düsseldorf fand er mit seiner eigenwilligen Art anklang. Er stieg im Jahr 1989 mit der Fortuna in die Bundesliga auf. Bei seinem zweiten Engagement mitten in der Saison stieg er zunächst zwar erst in die Oberliga Nordrhein ab, um ab der folgenden Spielzeit 1993/94 von der dritten Liga einen Durchmarsch in die Bundesliga zu starten, was ihm einen bei der Fortuna bis heute einen Kultsatatus verschaffte.

"Mit Fortuna nicht abzusteigen, ist bessere Leistung, als mit Bayern Meister zu werden", sagte Ristic gerne. Auch wenn er bei seinem dritten Engagement 2000/01 in der Winterpause gehen musste: 3026 Tage war Ristic Trainer bei der Fortuna - so lange wie kein anderer.

Große Verbundenheit zur Heimat

Aleksander Ristic sitzt auf der Trainerbank

Aleksander Ristic sitzt auf der Trainerbank

Aleksandar Ristic war anders als seine Kollegen. Er verteilte Bonbons an die Schiedsrichter, kam als Weihnachtsmann zu Pressekonferenzen, hatte immer einen lockeren Spruch auf Lager. Ristic erkannte die Bundesliga als eine Showbranche, als die Stadien noch schlecht gefüllt waren und niemand ahnte, welcher Hype einmal entstehen würde.

Herzlichkeit und Menschlichkeit zeigte Ristic vor allem seinen Landsleuten gegenüber. Mitte der 1990er Jahre engagierte sich der gebürtige Bosnier während des Jugoslawien-Kriege auf dem Balkan. Er organisierte Spenden und Hilfsgüter.

Seinen 75. Geburtstag wird Ristic in Dubrovnik feiern, wo er seinen Ruhestand genießt. "Ende gut, Aleks gut", hatte er einst in Düsseldorf wissen lassen.

Stand: 28.06.2019, 08:30