Michael Reschke: Das Phantom der Liga

Michael Reschke, heute in Diensten des VfB Stuttgart, im Jahr 2016 als Chefscout der Bayern

Michael Reschke: Das Phantom der Liga

  • Ex-Manager Calmund ist Reschkes Entdecker.
  • Reschke arbeitete lange Zeit für Bayer 04.
  • Der 60-Jährige gilt als bester Talentspäher des Landes.

Michael Reschke bekam nur selten den Applaus. Es ging ihm auch nie darum, noch vor wenigen Monaten kursierten kaum Fotos von ihm im Internet. Als Reschke, Sportvorstand des VfB Stuttgart, vor fast 40 Jahren seine Karriere bei Bayer 04 Leverkusen begann, hatte er einen anderen großen Wunsch: Er wollte ein erfolgreicher Trainer in der Fußball-Bundesliga werden. Einer, wie sein Freund Christoph Daum es lange Zeit war. "Aber ich habe ihm die Trainerkarriere verwehrt", sagt Reiner Calmund.

Ausgerechnet Calmund, Reschkes Entdecker. Wenn Reschke mit dem VfB am Freitagabend (08.12.2017; 20.30 Uhr) auf seinen Ex-Club trifft, ist Calmund längst nicht mehr dabei. Ohne den langjährigen Bayer-Manager wäre Reschke aber heute wohl kaum beim VfB. Hätte Calmund ihn damals nicht entdeckt, wäre Reschke 1979 nicht als Jugendtrainer zum Werksclub gewechselt.

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Chef des Nachwuchsleistungszentrums Leverkusen

Die Geschichte lässt sich aber auch anders erzählen: Wäre Calmund nicht gewesen, wäre Reschke heute vielleicht ein begehrter Bundesliga-Trainer. Calmund aber beförderte ihn nach seiner Zeit als Jugendcoach zunächst zum Chef des Nachwuchsleistungszentrums und formte ihn anschließend zu einem der erfolgreichsten Talentspäher des Landes.

"Aber da war er damals zunächst gar nicht erfreut von", berichtet Calmund. Geschadet hat des dem Ansehen des heute 60 Jahre alten Reschke jedenfalls nicht. Obwohl seine Arbeit in all den Jahren zumindest öffentlich kaum registriert wurde.

In Leverkusen und auch danach beim FC Bayern München agierte der Rheinländer im Stillen. Dass da jemand ist, der ein gutes Auge hat, wurde spätestens mit seinem Wechsel zum Rekordmeister 2014 auch öffentlich registriert. In Leverkusen entdeckte er u.a. Arturo Vidal, für den FC Bayern verpflichtete er etwa Josuha Kimmich.

Selten in der Öffentlichkeit

Reschke war das egal, lediglich ein Interview hat er in seiner Zeit als Technischer Direktor des FC Bayern mal gegeben. "Er war immer ein wahnsinnig selbstbewusster, aber auch zurückhaltender Zuarbeiter", erinnert sich Bayers Ex-Coach Daum an seinen früheren Weggefährten.

Dennoch wählte Reschke im Sommer ganz bewusst den Schritt in die Öffentlichkeit. Als Sportvorstand der Schwaben wird er besonders beim Duell mit seinem früheren Club im Fokus stehen. Mithilfe seines riesigen Netzwerks soll Reschke auch dem Aufsteiger das ein oder andere Toptalent bescheren.

Calmund und Reschke haben mittlerweile wieder ein gutes Verhältnis: "Ich habe auch das Gefühl, dass er mir nicht mehr ankreidet, dass ich ihm die Trainerkarriere verwehrt habe", sagt der 69-Jährige.

Stand: 07.12.2017, 14:19