RWE-Chef Uhlig: "Regionalliga-Reform ohne Tabus diskutieren"

Rot-Weiß Essen

RWE-Chef Uhlig: "Regionalliga-Reform ohne Tabus diskutieren"

Die Fußball-Regionalligen sollen reformiert werden. Über das Wie wird heftig gestritten. Marcus Uhlig, Vorstandsvorsitzender von Rot-Weiss Essen, fordert eine Versachlichung der Diskussion.

Herr Uhlig, welche Erwartungen haben Sie an die Präsidiumssitzung des DFB am Freitag hinsichtlich der Reform der Regionalligen?

Marcus Uhlig: Ich erwarte nicht, dass dort ein Beschluss gefasst wird, der in Stein meißelt, wie das Ligasystem künftig aussehen wird. Ich erwarte aber schon, dass klar wird, wie der Prozess weitergeht.

Zuletzt haben die Drittligisten gegen Reformvorschläge protestiert, die eine zweigleisige 3. Liga ins Spiel gebracht haben. Verstehen Sie die Widerstände?

Uhlig: Ja, ich halte eine Zweiteilung der 3. Liga auch nicht für realistisch. Wir reden da über relevante TV-Gelder. Bei einer Verdopplung der Drittligisten würde das nicht funktionieren. Aber ich finde, wir sollten alle die zuletzt sehr emotional geführte Ebene wieder versachlichen und den inhaltlichen Deckel noch einmal hochheben. Ich habe zuletzt viele gute Ansätze gesehen. Union Berlin etwa hat ganz grundsätzliche Überlegungen angestellt und auch aus Babelsberg sind interessante Vorschläge gekommen.

Welchen Ansatz präferieren Sie?

Uhlig: Ich halte grundsätzlich das pyramidische System für richtig. Das haben wir gegenwärtig aber nicht wirklich. Es geht meiner Ansicht nach nicht zwingend um die Frage, ob es künftig wie bisher fünf oder vier Regionalligen geben sollte. Im Moment gibt es bundesweit etwa 90 Regionalligisten. Im Moment gibt es bundesweit etwa 90 Regionalligisten. Darunter sind große Vereine, die vorwiegend professionell geführt sind wie etwa Offenbach, Saarbrücken, Mannheim, Chemnitz, Rot-Weiss Essen und viele weitere. Daneben gibt es aber auch viele kleinere Vereine ohne professionelle Strukturen.
Die strukturellen Unterschiede zwischen den Vereinen sind bisweilen sehr groß. Warum denken wir also nicht an zwei vierte Ligen unterhalb der ersten drei Ligen und darunter zum Beispiel sechs fünfte Ligen?

Damit werden die kleineren Vereine sicher nicht einverstanden sein.

Uhlig: Ich will ja nicht besserwisserisch rüberkommen. Aber so wie bisher kann es doch auch nicht weitergehen. Wir müssen das Ganze ohne Tabus diskutieren. Denn jetzt reden wir darüber, dass die Regionalligen West und Südwest einen Aufsteiger stellen und Nord, Nordost und Bayern zwei weitere Aufsteiger ausspielen. Das wäre gut für den Westen, kann doch aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ich kann mir auch vorstellen, dass man die Anzahl der Mannschaften in den oberen Ligen auf erhöht. In der dritten Liga ist das ja schon der Fall.

Im September 2019 soll der DFB-Bundestag eine Reform verabschieden. Wie zuversichtlich sind Sie, dass bis dahin eine Lösung gefunden worden ist?

Uhlig: Ich bin immer zuversichtlich. Da läuft die Saison schon und bis deshalb brauchen wir bis dahin zwingend eine Lösung, denn wir bereiten dann ja schon längst wieder die nächste Saison vor. Bis dahin müssen die die sportlichen Regeln für Auf- und Abstieg in den Ligen feststehen.

Das Interview führte Michael Ostermann

Stand: 06.12.2018, 15:00