Otto Rehhagel zum 80. Geburtstag

Otto Rehhagel zum 80. Geburtstag

Seine Heimatstadt Essen war und ist Lebensmittelpunkt für ihn und seine Frau Beate. Über sie sagt er: "Trotz aller Pokale und Meisterschaften, die ich geholt habe – Beate ist mein größter Erfolg." Vor 80 Jahren, am 9. August 1938, wurde Otto Rehhagel in Essen-Altenessen geboren.

Otto Rehhagel im März 2018 bei der Trainergala des Deutschen Fußball Bundes in Neu-Isenburg.

Vor 80 Jahren, am 9. August 1938, wurde Otto Rehhagel in Essen geboren. Seine erste Station als Spieler hieß TuS Helene Altenessen. Da ahnte noch niemand, welch großartige Trainerkarriere der Sohn eines Bergmannes einmal machen würde.

Vor 80 Jahren, am 9. August 1938, wurde Otto Rehhagel in Essen geboren. Seine erste Station als Spieler hieß TuS Helene Altenessen. Da ahnte noch niemand, welch großartige Trainerkarriere der Sohn eines Bergmannes einmal machen würde.

Bevor seine Fußballkarriere Fahrt aufnehmen konnte, machte der junge Rehhagel eine Lehre als Maler und Anstreicher in einem Kleinbetrieb. Anschließend war er in der Zeche Helene fest angestellt. Dieses Bild zeigt den Abwehrspieler kurz nach seinem Wechsel zum damaligen Oberligisten Rot-Weiss Essen.

In der Bundesliga kam Rehhagel bis 1972 auf 201 Bundesligaspiele für Hertha BSC und den 1. FC Kaiserslautern. Dabei erzielte er für einen Abwehrspieler beachtliche 22 Tore - eines davon hier im August 1970 gegen Borussia Dortmunds Torwart Jürgen Rynio.

Sein erstes Engagement als Cheftrainer führte ihn zu Werder Bremen, wo er 1976 nach vier Monaten zwar den Klassenerhalt feiern konnte, dann aber im Juni zu Borussia Dortmund wechselte. Der BVB stand kurz vor den Relegationsspielen um den Aufstieg in die Bundesliga. Der 1. FC Nürnberg wurde in Hin- und Rückspiel besiegt - Rehhagel durfte nach dem Bremer Klassenerhalt erneut feiern.

Otto Rehhagel (r.) und Berti Vogts in freundschaftlicher Umarmung. Das besondere an diesem Bild: Vogts Gladbacher führten in diesem Moment zur Halbzeit mit 6:0 gegen Rehhagels Dortmunder. Die Partie endete 12:0 - bis heute das höchste Ergebnis, das jemals in der Bundesliga erspielt wurde. Gladbach kam dem punktgleichen Tabellenführer aus Köln an diesem letzten Spieltag noch einmal gefährlich nah auf die Fersen. Am Ende wurde Köln Meister, Rehhagel aber musste in Dortmund seine Koffer packen.

Die nächste Station war ab Oktober 1978 für ein Jahr Arminia Bielefeld. Hier begrüßt er zu seinem Amtsantritt Torwart Uli Stein (l.) und Kapitän Werner Moors (r.). Rehhagel konnte während seiner Zeit in Ostwestfalen einige Ausrufezeichen setzen, wie etwa mit dem 4:0-Auswärtssieg bei den Münchner Bayern. "Das waren Fußballgrüße aus Bielefeld", hatte der Trainer hinterher gesagt. Am Ende fehlten jedoch zwei Punkte zum Klassenerhalt.

Im Herbst 1979 folgte er dem Lockruf von Fortuna Düsseldorf. Mit den Rheinländern gelang ihm nicht nur der Klassenerhalt. 1980 holte er mit der Fortuna seinen ersten Titel, als die Düsseldorfer im DFB-Pokalfinale gegen den Lokalrivalen 1. FC Köln mit 2:1 gewannen. Ein halbes Jahr später jedoch rutschte die Fortuna wieder in die Abstiegsränge - die Zeit von Rehhagel war dort vorbei. Die große Zeit des Trainers Otto Rehhagel sollte mit seiner nächsten Station Werder Bremen jedoch erst noch kommen.

Von 1981 bis 1995 war er an der Weser tätig, gewann mit den Hanseaten zwei Mal die deutsche Meisterschaft, zwei Mal den DFB-Pokal und 1992 den Europapokal der Pokalsieger. "Ich hatte das große Glück, 14 Jahre mit einem der außergewöhnlichsten und erfolgreichsten Trainer Deutschlands zusammenarbeiten zu dürfen", schrieb Bremens jahrelanger Manager Willi Lemke einmal in einem öffentlichen Brief. Zu Rehhagels prominentesten Zöglingen aus seiner Bremer Zeit zählt Rudi Völler, heute Sport-Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen.

1995 wechselte Rehhagel zum großen Rivalen Bayern München, blieb dort aber nicht einmal eine komplette Saison. Rehhagel machte einfach weiter, ging zum 1. FC Kaiserslautern, stieg mit den Pfälzern auf und schaffte dann in der Saison 1997/98 das Kunststück, mit den Roten Teufeln als erster Aufsteiger auf Anhieb deutscher Meister zu werden. Die Pfalz lag "König Otto" zu Füßen. "Es war eine Sensation, die es nie mehr geben wird. Wir haben Sportgeschichte geschrieben", sagte Rehhagel einmal im Rückblick.

Sein Meisterstück gelang Rehhagel aber 2004 mit dem Nationalteam von Griechenland. Aus dem Nichts führte er die Hellenen in Portugal zum Europameistertitel. Seitdem genießt Rehhagel in Griechenland einen Heldenstatus, er wurde zum Ehrenbürger von Athen ernannt. Deutsche Medien tauften ihn in Anlehnung an den griechischen Helden Herakles "Rehakles". Dass die Spielweise der Griechen nicht sonderlich attraktiv war, interessierte Rehhagel überhaupt nicht. "Modern spielt, wer gewinnt", sagte der Coach immer. 2010, nach 106 Länderspielen mit zwei EM-Teilnahmen und einer WM-Teilnahme, hörte Rehhagel auf.

Im Februar 2012 gab Hertha BSC überraschend die Verpflichtung von Rehhagel bekannt, der die Berliner vor dem Abstieg aus der Bundesliga retten sollte - seine letzte Trainerstation. Der inzwischen 73-Jährige erreichte mit Hertha die Relegation, scheiterte jedoch an Fortuna Düsseldorf. Im Rückspiel laufen Fortuna-Fans vor Abpfiff auf das Spielfeld, Berlins Einspruch wird abgewiesen. Vor dem DFB-Bundesgericht setzt er den Platzsturm in Zusammenhang mit dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg sowie der Heysel-Katastrophe in Brüssel und erntet dafür viel Kritik.

Seitdem ist es etwas ruhiger um Rehhagel geworden, doch Langeweile ist für ihn weiter ein Fremdwort. Immer wieder ist er bei Ehrungen oder Feierlichkeiten seiner Ex-Klubs zu Gast, nur mit den Medien redet er wie schon während seiner aktiven Zeit äußerst ungern. "Aber sie können beruhigt sein, Otto geht es gut", sagt seine Frau Beate. Und er weiß, was er an ihr hat: "Trotz aller Pokale und Meisterschaften, die ich geholt habe – Beate ist mein größter Erfolg. Das wird immer so bleiben."

Stand: 07.08.2018, 15:48 Uhr