Rassismus gegen Torunarigha - Schalke kündigt "Null Toleranz" an

Jordan Torunarigha wird getröstet

Rassismus gegen Torunarigha - Schalke kündigt "Null Toleranz" an

  • Dunkelhäutiger Hertha-Profi wird in Schalke rassistisch beleidigt
  • Polizei Gelsenkirchen und der DFB-Kontrollausschuss ermitteln
  • Verein entschuldigt sich und kündigt Konsequenzen an

Die Verlängerung im Pokalspiel zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC lief seit wenigen Minuten, als es wohl zur spielentscheidenden Szene kam. Nach einem Zweikampf mit Omar Mascarell ging Hertha-Profi Jordan Torunarigha an der Schalker Trainerbank zu Boden. Der Berliner Abwehrspieler schmiss beim Aufstehen eine Wasserkiste wutentbrannt zu Boden. Für diese Unsportlichkeit zeigte Schiedsrichter Harm Osmers dem 22-Jährigen die Gelb-Rote Karte. 

Affengeräusche gegen Hertha-Verteidiger Torunarigha

Es war der negative Höhepunkt einer Geschichte, die offensichtlich viel früher begonnen hatte. Denn Torunarighas Aufregung hatte ihre Gründe. Der gebürtige Chemnitzer, dessen Vater aus Nigeria stammt, war schon während der 90 Minuten offenbar aus dem Schalker Publikum rassistisch beleidigt worden. "Es gab rassistische Beleidigungen", berichtete Herthas-Verteidiger Niklas Stark und Schalkes Stürmer Benito Raman erzählte von einem nach Abpfiff weinenden Torunarigha: "Er hat auf dem Platz geweint und wollte aufhören. Ich habe ihm gesagt, dass er die Idioten nicht gewinnen lassen und weitermachen soll."

"Menschlich abstoßend"

Stark fügte hinzu: "Das ist menschlich abstoßend. Wenn ich mich da auch nur ein bisschen hineinversetze, kommt mir schon alles hoch und ihn trifft es noch viel mehr. Da müssen wir als Mannschaft, als Verein, eigentlich die ganze Bundesliga hinter ihm stehen."

Die vorgeworfenen "Affengeräusche" soll es bereits vor der Verlängerung gegeben haben, womöglich zu einem Zeitpunkt, als aus der Schalker Nordkurve mehrfach Gegenstände auf den Rasen geworfen wurden. Torunarigha half dabei, die Gegenstände vom Platz zu bringen, kurz darauf wurde er von mehreren Hertha-Spielern noch auf dem Platz getröstet. 

Die Platzverweise von Torunarigha und Wagner Sportschau 05.02.2020 03:22 Min. Verfügbar bis 05.02.2021 Das Erste

Sportvorstand Schneider: "Da gibt es Null Toleranz"

Auf Schalke zeigte man sich nach der Partie alarmiert und geschockt von den Vorkommnissen. Trainer David Wagner entschuldigte sich im Namen des Vereins, deutlicher wurde Sportvorstand Jochen Schneider. "Da gibt es null Toleranz. Mir fehlt jedes Verständnis für Vollidioten dieser Art. Wir werden alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und mit Konsequenzen belegen."

Für Schalke kommt dieser Vorfall zur absoluten Unzeit. Nicht nur, dass Klub-Boss Clemens Tönnies einen eigenen ganz persönlichen Rassismus-Vorfall zu verantworten hat. Nein, ausgerechnet in dieser Woche rief der Verein – vor dem Hertha-Spiel – zum Kampf gegen Rassismus auf. Unter dem Hashtag #stehtauf wollte der Bundesligist die Woche über eine klare Haltung gegen Rassismus, Diskriminierung und jede Form von Ausgrenzung demonstrieren.

Armin Lehmann über die Rassismus-Vorwürfe im DFB-Pokal-Spiel

Sportschau 05.02.2020 02:12 Min. Verfügbar bis 05.02.2021 ARD

DFB-Kontrollausschuss ermittelt

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat derweil Ermittlungen aufgenommen. Torunarigha wurde zu einer Stellungnahme aufgefordert. Liegt diese vor, wird voraussichtlich auch Schalke zu einem Statement aufgefordert.

Auch die Polizei Gelsenkirchen hat sich mittlerweile der Sache angenommen. "Wir haben von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag (06.02.2020). Es gehe um den Anfangsverdacht der Beleidigung. Eine Anzeige des Berliner Spielers liegt nach Aussagen der Polizei nicht vor.

Ausgerechnet: Anti-Rassismus-Woche im Verein ausgerufen

"In diesen Zeiten müssen wir nicht nur auf dem Rasen mutig sein, sondern aktiv für die Werte der demokratischen Gesellschaft einstehen, zu der wir uns ohne Wenn und Aber bekennen: zur Mitmenschlichkeit, gesellschaftlichen Vielfalt und gegenseitigen Achtung", hatte Vorstand Peter Peters gesagt. "Dafür stehen wir Schalker auf." Ein paar der Anhänger scheinen das komplett missverstanden zu haben.

Am Morgen nach den Vorfällen stellte der Verein klar: Man nehme die Vorwürfe des Hertha-Spielers "sehr ernst", formulierte die Pressestelle, "gemeinsam mit der Polizei Gelsenkirchen, dem Sicherheitsdienst und internen Quellen, wie bspw. der kürzlich eröffneten #stehtauf-Anlaufstelle", werde der Fall ausführlich geprüft. "Ein solches Verhalten verstößt nicht nur gegen Stadionordnung, Leitbild und Satzung des FC Schalke 04, sondern widerspricht auch all unseren Werten. Wir werden mit Sanktionen reagieren und die Vorfälle auch entsprechend zur Anzeige bringen."

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Stand: 06.02.2020, 11:51