Der FC Schalke 04 braucht einen Restart

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Kommentar

Der FC Schalke 04 braucht einen Restart

Von Jörg Strohschein

Nicht nur sportlich läuft der FC Schalke 04 auf eine Katastrophe zu. Auch strukturell erscheint der große Ruhrgebietsklub nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Die Königsblauen brauchen dringend einen Plan, wie sie wieder konkurrenzfähig auf und neben dem Platz werden können - der ist aber momentan nicht in Sicht. Ein Kommentar.

0:8 gegen den FC Bayern, 0:4 gegen RB Leipzig, zuletzt ein 0:3 gegen Borussia Dortmund. Zyniker und Menschen, die es nicht gut mit dem FC Schalke 04 meinen, könnten anmerken, dass ein leichter Aufwärtstrend beim Ruhrgebietsklub zu erkennen ist. In Wahrheit ist diese Bilanz eine zum Fürchten und eine logische Fortsetzung, die sich in ihrer zeitlichen Dynamik wohl nicht einmal die größten Pessimisten rund um den Klub hätten vorstellen können. Zur Erinnerung: Noch im März 2019 tummelten sich die Schalker im Achtelfinale der Champions League.

Doch diese Zeiten erscheinen unendlich weit entfernt. Der so stolze Klub, mit über 155.000 Mitgliedern einer der größten Vereine dieser Erde, erscheint in dieser Krisenzeit mit seiner in vielen Bereichen zur Schau gestellten Überforderung geradezu zwergenhaft. In sich zerstritten, ohne erkennbare Strategien für die Zukunft, bis zur Schmerzgrenze aufgerieben - zwischen denjenigen, die die Vereinsstruktur behalten wollen, und denjenigen, die in einer Ausgliederung die einzig richtige Zukunft für die Königsblauen sehen.

Meinungs- und Machtkämpfe

Hinzu kommt eine Führungsetage um die Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst, die sich offenbar nicht richtig traut, ihre Zukunftsvision darzulegen - oder erst gar keine präsentieren kann? All diese Problematiken werden durch die Corona-Pandemie und die dadurch ausbleibenden Einnahmen noch potenziert in eine bisher nicht gekannte Größenordnung, die das Überleben des mit über 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten hoch belasteten Klubs mit jedem Tag ihrer Fortdauer mehr und mehr gefährdet.

Was bei all diesen mal intern, mal öffentlich ausgetragenen Diskussionen, Meinungs- und Machtkämpfen in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben ist, ist das Kerngeschäft Fußball. Die Auswirkungen der quantitativ an Fachleuten als auch qualitativ fehlenden sportlichen Kompetenz auf Entscheidungsebene hat ihren Höhepunkt ausgerechnet in Corona-Zeiten erreicht. Mittlerweile 21 Spiele in Folge ohne Sieg sind eine in ihrer Wucht und Ausprägung geradezu beängstigende und nicht vorhersehbare Konsequenz - die aber in ihrer Richtung nicht dem Zufall geschuldet ist.

Relikt aus vergangenen Zeiten

Noch zu großen Teilen zusammengestellt von Ex-Manager Christian Heidel, ist die Mannschaft schlicht nicht mehr konkurrenzfähig und wirkt in ihrer Zusammenstellung wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Mangelndes Tempo, spielerische Mittellosigkeit, kreative Leere sind die Merkmale eines Teams, das nun in seiner Erfolglosigkeit unterzugehen scheint.

Dass Neu-Trainer Manuel Baum sich fest vorgenommen hat, die positiven Aspekte an seiner Aufgabe stets hervorzuheben, dies auch immer wieder an seine Spieler zu vermitteln und das Selbstbewusstsein der Profis wieder anheben zu wollen, ist ein lobenswerter Ansatz im derzeit deprimierenden Schalker Umfeld. Allerdings wäre für den gesamten Klub so etwas wie ein strukturierter Neubeginn vonnöten, ein Restart.

Die Schalker haben die Entwicklung um sie herum außer Acht gelassen und gedacht, dass sie immer in der Lage sind, eine Lösung zu finden. Diese über Jahre gelebte Kühnheit hat sie in eine in vielerlei Hinsicht äußerst bedrohliche Lage gebracht. Niemand weiß derzeit, welche Route der Schalke-Tanker eingeschlagen hat.

Baum genervt: "Ball war immer sofort wieder weg"

Sportschau 24.10.2020 01:43 Min. Verfügbar bis 24.10.2021 ARD


Stand: 26.10.2020, 11:52