Köln-Trainer Breuers Zukunftsvision für den Frauenfußball (Interview Teil zwei)

Köln-Trainer Breuers Zukunftsvision für den Frauenfußball (Interview Teil zwei)

  • Erneuter Abstieg "würde uns zurückwerfen"
  • Breuer befürwortet finanzielle Annäherung an U21
  • Angliederung an Männer-Profiklubs für den Trainer alternativlos

Gegner zum Auftakt ist der MSV Duisburg. In den letzten Jahren stand der MSV auch immer knapp über der Abstiegszone. Das ist eigentlich direkt ein besonders wichtiges Spiel, oder?

Breuer: Absolut. Ohne Duisburg zu nahe treten zu wollen. In den letzten Jahren waren sie immer im unteren Drittel und das wird ein Team sein, mit dem wir uns messen müssen. Das wird uns gleich zeigen, wo wir stehen. Es wäre wichtig, mit einem Sieg zu starten.

Willi Breuer: "Klassenerhalt für Frauenfußball beim 1. FC Köln enorm wichtig"

Sportschau 15.08.2019 10:22 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 ARD

Seit Jahren pendelt der FC zwischen erster und zweiter Liga. Am Stammtisch würde man wohl das Wort "Fahrstuhlmannschaft" wählen. Wie stehen die Chancen, dass Sie diesen Ruf kommende Saison ablegen können?

Breuer: Wenn man sagt, alle guten Dinge sind drei, wären wir jetzt mal dran (lacht). Da wir uns etwas anders vorbereitet haben, glaube ich, dass wir sehr gute Chancen haben. Das ist ein positiver Druck, den ich gerne ans Team weitergebe. Für die Weiterentwicklung des Frauenfußballs beim 1. FC Köln ist dieser Klassenerhalt enorm wichtig. Wenn man wirklich wieder absteigen würde, wäre das sehr schlecht und würde uns zurückwerfen. Es ist auch mein letztes Trainerjahr, ich werde das Feld für Jüngere räumen. Da würde ich gerne mit dem Klassenerhalt abschließen. Die Chancen waren noch nie so gut wie jetzt.

Es gibt mehrere Teams, die irgendwo zwischen erster und zweiter Liga stehen. Leverkusen, Jena, Bremen - auch Gladbach ist letzte Saison mit nur einem einzigen Punkt wieder abgestiegen, vorher aber als Zweitliga-Meister klar aufgestiegen. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?

Breuer: Wir haben Bayern und Wolfsburg, die über allem stehen. Man darf nicht vergessen, dass wir als 1. FC Köln zwar jetzt in einer professionellen Liga spielen, aber die professionellen Rahmenbedingungen für die Mädels noch nicht so gegeben sind, dass alle Spielerinnen ihrem Beruf als Fußballerin nachgehen können. Die arbeiten noch oder studieren. Bei Mannschaften wie Bayern, Wolfsburg und Potsdam machen die Spielerinnen nichts anderes. Das drückt sich auch in Ergebnissen aus. Mal abgesehen vom finanziellen Hintergrund, der bei den Top zwei enorm ist.

Was wünschen Sie sich für Verhältnisse im Frauenfußball?

Breuer: Die Debatte um die Diskrepanz in den Bezahlungen ist eine, die auch in der Gesellschaft geführt wird. Im Fußball fällt das natürlich noch viel mehr auf. Ich sage einfach mal beispielhaft: Unsere Spieler der U21 (Männer, d. Red.) sind Spieler, die vom Fußball leben können. Dass man dahin kommt, dass die Mädels während ihrer Zeit in der Bundesliga davon auch ihren Lebensunterhalt bestreiten können, das wäre schonmal ein großer Schritt.

Selbst in der zweiten Liga standen Wolfsburgs und Bayerns zweite Mannschaft sinnbildlich ganz oben. Schadet diese Eintönigkeit dem deutschen Frauenfußball oder braucht es sogar solche Zugpferde, um mehr Aufmerksamkeit zu generieren?

Breuer: Ich würde Ihnen in beiden Aspekten zustimmen. Einerseits ist es gut, wenn man auch international so erfolgreich sein will - dann muss man die Rahmenbedingungen so schaffen. Auf der anderen Seite sind die Unterschiede so krass, dass Bayern und Wolfsburg in der Liga alles unter sich ausmachen.

Es gibt mit Dortmund und Schalke noch Männer-Bundesligisten, die keine Frauen-Abteilung haben. Sehen Sie das als Problem an?

Breuer: Man sieht gerade an einem der erfolgreichsten Frauenfußball-Vereine, dem 1. FFC Frankfurt, die im nächsten Jahr zu Eintracht Frankfurt rüberwechseln werden, dass die Zeit, in der sich reine Frauenfußball-Vereine positionieren können, vorbei ist. Es muss eine Angliederung an die Männer-Profiklubs sein, wo die Frauen im Etat entsprechend berücksichtigt werden. Die Zuschauerzahlen in Frankreich und Spanien zeigen, dass das angenommen wird. Ich denke, das wird der Weg sein.

Das Gespräch führte Julian Tilders

Lesen Sie im ersten Teil: Kölns Frauen-Trainer Breuer: "Chance so gut wie nie"

Stand: 16.08.2019, 07:00