Fortuna Dortmund: Erfolgreiche Fußballerinnen trotz Verbot

Christa Kleinhans bei einem Besuch im Fußballmuseum.

Fortuna Dortmund: Erfolgreiche Fußballerinnen trotz Verbot

Von Till Krause

Es gab eine Zeit, da war Frauenfußball durch den DFB verboten. Die Dortmunderin Christa Kleinhans spielte dennoch - und das sehr erfolgreich. Mit einem der ersten Frauenfußballvereine in NRW: Fortuna Dortmund. Dass der DFB vor 50 Jahren - am 31.10.1970 - das Verbot abgeschafft hat, ist auch ihr zu verdanken.

Christa Kleinhans wusste schon früh, was sie wollte. "Keine Puppe", erzählt sie. Sondern einen Fußball. Aber die waren in der Nachkriegszeit im Ruhrgebiet nur schwer zu bekommen. So bastelte sie ihren eigenen aus Lumpen, Papier und anderen Dingen. "Hauptsache, die Kugel rollte", erklärt die heute 83-Jährige.

Die Anfänge auf der Straße

Zum Einsatz kam der Ball dann auf den Straßen in Dortmund-Hörde, zwischen den Trümmern des Zweiten Weltkrieges.  Die Jungs von der einen Ecke spielten gegen die Jungs von der anderen Ecke. "Ich war das einzige Mädchen, was da mitmischte. Und ich mischte heftig mit", erzählt Kleinhans und lacht. Viel Tempo und ein Zug zum Tor, das seien ihre Stärken gewesen.

Mittlerweile sind Christa Kleinhans Haare zwar grau, aber dass sie einst über die Flügel für viel Tempo sorgte, kann man sich heute immer noch gut vorstellen. "Sie haben eine flotte Alte vor sich", sagt Kleinhans. Und eine Wegbereiterin des Frauenfußballs in Deutschland. Denn Christa Kleinhans legte eine beispiellose Fußballkarriere hin. Trotz Verbot.

1955 hatte der DFB Frauenfußball verboten. Der Verband behauptete, dass Fußballspielen sich negativ auf Frauen auswirkt. "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden", hieß es damals. "Manchmal denke ich, die Männer wollten sich irgendwie hervorheben", erklärt Kleinhans. "Aber das kommt bei Frauen nicht an. All dieser ganze Mist interessierte uns überhaupt nicht. Wir wollten einfach Fußball spielen."

Die Gründung von Fortuna Dortmund

Ein Bild von Christa Kleinhans im Fußballmuseum.

Ein Bild von Christa Kleinhans im Fußballmuseum (links unten).

Und so organisierten sich Christa Kleinhans und andere Frauen in einem eigenen eingetragenen Verein: Fortuna Dortmund. Es war einer der ersten Frauenfußball-Vereine im Ruhrgebiet und einer der erfolgreichsten deutschlandweit. Bereits kurz nach der Gründung 1955 sollten die Spielerinnen bemerkenswerte Erfolge feiern.

Aber zunächst musste ein Trainingsplatz her – und der war wegen des Verbots durch den DFB schwer zu finden. Wenn dem DFB angeschlossene Vereine Frauen auf ihren Plätzen spielen ließen, mussten sie mit einer Strafe rechnen. Immer wieder mussten die Spielerinnen deshalb den Platz wechseln. "Es dauerte meist nicht lange, bis irgendeiner meckerte und uns verjagte. Dann sind wir aufs Fahrrad gestiegen und abgehauen", erklärt Kleinhans.

Stand: 01.11.2020, 15:08