Die "Tanne" wird 75

Die "Tanne" wird 75

Klaus Fichtel ist ein Knappe durch und durch. Mit 43 Jahren stand er noch für die Schalker auf dem Platz – das ist Bundesligarekord. Bei seinem Abschied huldigten ihm die Fans einst mit einem riesigen Transparent: "Der Wald stirbt - die Tanne steht!" Am Dienstag feiert das Schalker Idol seinen 75. Geburtstag.

Tor des Monats Februar 1974, Klaus Fichtel

Klaus Fichtel ist ein echter Knappe: Als 14-Jähriger arbeitet er als Bergmann auf Zeche Victor im Pütt und kickte in der Freizeit bei Arminia Ickern in seinem Heimatort in der Nähe von Castrop-Rauxel. Mit 20 Jahren bekam er die Chance seines Lebens und tauschte 1965 die Arbeit unter Tage gegen den Beruf des Fußballprofis. Der damalige S04-Trainer Fritz Langner hatte ihn bei seinem Heimatverein entdeckt und für 1200 Mark Grundgehalt nach Schalke geholt.

Klaus Fichtel ist ein echter Knappe: Als 14-Jähriger arbeitet er als Bergmann auf Zeche Victor im Pütt und kickte in der Freizeit bei Arminia Ickern in seinem Heimatort in der Nähe von Castrop-Rauxel. Mit 20 Jahren bekam er die Chance seines Lebens und tauschte 1965 die Arbeit unter Tage gegen den Beruf des Fußballprofis. Der damalige S04-Trainer Fritz Langner hatte ihn bei seinem Heimatverein entdeckt und für 1200 Mark Grundgehalt nach Schalke geholt.

Langner war es auch, der ihm den Spitznamen "Tanne" verpasste. "Der Fußball war das Ticket für ein besseres Leben", sagte Klaus Fichtel, der erstmals im Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart im August 1965 für die Königsblauen auflief. Der damals 20-Jährige traf direkt bei seiner Premiere – allerdings ins eigene Tor. Dennoch wurde er gleich in der ersten Saison zum Stammspieler bei Schalke 04.

1969 zog Klaus Fichtel mit den Schalkern ins DFB-Pokalfinale ein. Die Knappen verloren das Endspiel im Frankfurter Waldstadion mit 1:2 gegen den FC Bayern München. Drei Jahre später durfte der Schalker-Abwehrspieler den Pokal dann in den Händen halten. Im Finale 1972 in Hannover bezwang Schalke den 1. FC Kaiserslautern mit 5:0.

Das Talent des Schalkers entging auch Helmut Schön nicht. Der damalige Bundestrainer berief Klaus Fichtel im Februar 1967 für das Testspiel gegen Marokko erstmals in die Nationalmannschaft. Beim ersten Sieg gegen England am 1. Juni 1968 stand Fichtel ebenfalls auf dem Platz.

Bei der WM in Mexiko 1970 brachte es Fichtel auf fünf Einsätze. Er spielte unter andrem im dramatischen Viertelfinalspiel gegen England. Deutschland konnte das Spiel nach einem 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Erfolg drehen. Beim sogenannten "Jahrhundertspiel" gegen Italien im Halbfinale saß der Schalker dann aber auf der Bank.

Dass er nur auf 23 Länderspiele kam, lag an Franz Beckenbauer. "Den hatte er vor der Nase", merkte der ehemalige Schalker Präsident Günter Siebert einst an, "der war in Deutschland als Libero die uneingeschränkte Nummer eins."

Die EM 1972 und die WM 1974 im eigenen Land sollten ohne den Schalker Libero stattfinden. Denn Fichtel wurde aufgrund der Verstrickungen in den Bundesligaskandal 1971 vom Bundestrainer nicht mehr für die DFB-Auswahl berücksichtigt.

Fichtel war in den Skandal ebenso verwickelt wie die meisten seiner Teamkollegen. "Es war grauenvoll", erinnerte er sich an das verschobene 0:1 am 17. April 1971 gegen Arminia Bielefeld und sprach von der "Dummheit meines Lebens".

Die Schalker sollen vor dem Heimspiel gegen Bielefeld im April 1971 insgesamt 40.000 DM erhalten haben, um die Arminia gewinnen zu lassen. Fichtel und seinen Kollegen hatten vor Gericht hartnäckig bestritten, das Spiel manipuliert zu haben.

Trotz der Ermittlungen spielte die junge Schalker Mannschaft um Torjäger Klaus Fischer, Kapitän Stan Libuda und die Kremers-Zwillinge eine überragende Saison und wurde 1972 hinter Bayern München Vizemeister und Pokalsieger. 1977 verpassten die Schalker die Meisterschaft erneut nur knapp.

Auch mit dem Wechsel nach Bremen (1980 bis 1984) konnte sich Klaus Fichtel den Traum von der Meisterschaft nicht erfüllen. 1983 fehlten Werder lediglich acht Tore zum Titel, der punktgleiche Hamburger SV schnappte sich damals die Schale.

Seine Bilanz ist auch ohne Meisterschale einmalig: Klaus Fichtel bestritt in seiner Karriere 552 Bundesligaspiele, davon 477 für Schalke und 75 für Bremen - nur Karl-Heinz Körbel, Manfred Kaltz und Oliver Kahn brachten es auf mehr. Er habe auch deshalb so lange wie möglich weitergespielt, weil er "nicht zurück in die Zeche" wollte, sagte Klaus Fichtel einmal.

Mit 43 Jahre, sechs Monate und zwei Tage war dann aber doch Schluss, als er am 21. Mai 1988 mit der Partie seiner Schalker gegen Werder Bremen von der großen Bühne abtrat. Bis heute ist er der älteste eingesetzte Spieler in der Bundesliga. Die Fans huldigten dem Schalker-Rekordspieler zum Abschied mit dem legendären Transparent: "Der Wald stirbt - die Tanne steht!".

Stand: 18.11.2019, 05:00 Uhr

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