SCP-Manager Przondziono: "Sehen uns als Entwicklungsverein"

Martin Przondziono nimmt Trainer Steffen Baumgart in den Arm

SCP-Manager Przondziono: "Sehen uns als Entwicklungsverein"

  • Interview mit SC Paderborns Manager Martin Przondziono
  • "Wir suchen gerade den Schlüssel der Erklärung"
  • Abrücken von offensiver Spielweise ist kein Thema

Herr Przondziono, wieso steht der SC Paderborn nach elf Spielen erst mit mageren vier Punkten da?

Martin Przondziono (Manager SC Paderborn): Das ist eine gute Frage. Wir haben in vielen Spielen auf Augenhöhe agiert, in manchen auch darüber. Wir haben es aber nicht geschafft, unsere Leistung in Tore oder verhinderte Tore umzumünzen. Wir suchen gerade den Schlüssel der Erklärung, aber auch der Änderung. Wir müssen zusehen, dass wir in Zählbares kommen, um uns selber zu belohnen.

Wie schwer fällt es denn, die Ruhe zu bewahren?

Przondziono: Es ist immer noch eng. Es sind fünf Punkte auf den Relegationsplatz, das sind zwei Spiele. Wir wissen, dass fünf, sechs, sieben Mannschaften für den Abstieg infrage kommen. Für unsere junge Mannschaft ist es ein Entwicklungsprozess, unser Spielsystem auch in der Bundesliga durchzudrücken. Wir sehen uns als Entwicklungsverein und Entwicklung geht nicht immer nur steil nach oben, sondern es gibt auch mal eine Delle. Deswegen wäre es komplett der falsche Ansatz, jetzt unruhig zu werden und Dinge infrage zu stellen, die wir mittel- und langfristig planen."

Andere Vereine würden wohl dennoch von der bemerkenswert offensiven Spielweise, die Trainer Steffen Baumgart spielen lässt, abrücken.

Przondziono: Aber was ist denn die Option? Wir spielen ja keinen Harakiri-Fußball und sagen, schießt uns mal hinten die Hütte voll. Wir versuchen, den fußballerischen Ansatz weiter zu leben. Dafür soll der Verein stehen. Das ist der einzige Weg, den wir so gehen können. Mit dieser Mannschaft anderen Fußball zu spielen, ist eigentlich gar nicht möglich. Unser Ansatz in Paderborn soll sein, dauerhaft so Fußball zu spielen, wie wir ihn gerade spielen. Das müssen wir verfeinern - auch ligaunabhängig.

Welche Rolle spielt Steffen Baumgart bei diesem Weg?

Przondziono: Er ist unser Cheftrainer, der in zwei Jahren zweimal aufgestiegen ist. So etwas passiert sehr selten. Er hat es auch geschafft, dass wir mittlerweile sieben Nationalspieler hervorgebracht haben. Er spielt eine wichtige Rolle, aber nicht die alleinige. Dafür gibt es ganz viele Personen im Verein, die da mitwirken - von Kaderplanung bis sportlicher Führung. Wir stärken ihm ganz bewusst den Rücken.

#2 Einfach Fußball im Container von Steffen Baumgart

Sportschau 15.08.2019 28:06 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 ARD

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Insgesamt stellt der SCP in dieser Länderspielperiode sieben Nationalspieler. Macht Sie das stolz?

Przondziono: Auf jeden Fall. Das gab es hier noch nie. Wir haben in der Entwicklung einen ziemlich großen Schritt gemacht. Das tragen wir nach außen mit Stolz. Das macht es uns auch in vielen Gesprächen mit anderen Spielen und Beratern einfacher.

Wie locken Sie Spieler nach Paderborn?

Przondziono: Wir haben aufgrund der vergangenen Jahre die Argumente auf unserer Seite. Dadurch, dass wir unser Spielsystem ligaunabhängig führen, wissen die Spieler, worauf sie sich einlassen. Dass sie sich entfalten können, dass wir ihnen die Zeit geben, sich zu entwickeln. Paderborn ist vielleicht nicht das endgültige Ziel für viele Spieler, aber das wissen wir.

Ihr ausgesprochenes Ziel ist es, Paderborn mittel- bis langfristig in den Top 30 Deutschlands zu etablieren. An welchem Punkt stehen Sie gerade?

Przondziono: Wir können das nicht an der aktuellen Tabellensituation ablesen. Ich glaube schon, dass wir am Anfang einer ziemlich langen Entwicklung sind. Wir stoßen sehr viele Sachen an und gehen komplett in die richtige Richtung. Deswegen glaube ich, dass man ein realistisches, aber nicht überdrehtes Ziel ausgeben muss. Unter den Top 30 zu sein, ist sehr ambitioniert. Aber wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir das realisieren können.

Beschäftigen Sie sich schon jetzt mit einem möglichen Abstieg am Ende der Saison? Nach der Premierensaison in der Bundesliga 2015 stürzte Paderborn beinahe in die Viertklassigkeit ab.

Martin Przondziono

Martin Przondziono, Manager des SC Paderborn

Przondziono: Die Planungen gehen ganz klar in beide Richtungen. Es wäre angesichts der großen Aufgabe, in der Bundesliga bestehen zu müssen, vermessen, nicht auch an die 2. Bundesliga zu denken. Das tut uns gut und gibt uns ein Stück Sicherheit, dass uns so etwas wie vor vier Jahren nicht noch einmal passiert.

Wie war es damals für Sie, als Sie als sein Nachfolger ins erste Glied rückten und plötzlich Sportchef eines Bundesligisten waren?

Przondziono: Der Weg war vorgezeichnet. Ich hätte das auch schon eher woanders haben können. Es gab auch andere Angebote, unter anderem aus Übersee in diesen Positionen. Dass es sich hier so ergeben hat, ist umso schöner.

Das Gespräch führte der Sport-Informationsdienst.

sid | Stand: 15.11.2019, 10:55