Herbert Burdenski im Jahr 1975

Fußball

Vor 100 Jahren geboren: Herbert Burdenski schrieb beim DFB Fußball-Geschichte

Stand: 17.05.2022, 17:21 Uhr

Herbert Burdenski hätte am 19. Mai sein 100. Lebensjahr vollendet. Der Schalker, Vater von Ex-Torwart Dieter Burdenski, hat Geschichte in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geschrieben.

Nur fünf Länderspiele hat Herbert Burdenski für Deutschland bestritten. Trotzdem ist der langjährige Schalker fester Bestandteil der Geschichte der Nationalmannschaft. Denn am 22. November 1950 war es Burdenski vorbehalten, im ersten Länderspiel der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach dem Zweiten Weltkrieg das erste Tor zu schießen.

Burdenski schießt nach acht Jahren Ausgrenzung erstes Tor

Per Handelfmeter (42.) sicherte der damals 28-Jährige den 1:0-Sieg gegen die Schweiz in Stuttgart. Es war das Comeback des DFB-Teams nach der sportlichen Isolation aufgrund des von der Nazi-Diktatur angezettelten Weltkrieges, dem mehr als 60 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Genau acht Jahre hatte es wegen des Krieges und der anschließenden Ausgrenzung Deutschlands kein Fußball-Länderspiel gegeben. 

Die Begeisterung im Neckarstadion war entsprechend riesengroß, der Verband meldete laut dfb.de offiziell 96.400 Zuschauer. Laut Schätzungen sollen sogar 120.000 Fans in der Arena gewesen sein, eigentlich bot das Neckarstadion damals nur 80.000 Platz.  Viele verschafften sich ohne Eintrittskarte "durch Zerschneiden der Stadion-Umzäunung" Zugang, wie der Sport-Informations-Dienst (SID) damals berichtete.

Fanandrang - Spiel steht kurz vor Absage

Der englische Schiedsrichter Arthur Ellis hatte Bedenken, ob er überhaupt anpfeifen könne, denn die Fans drängten bis zum Spielfeldrand. Es war an diesem tristen Novembertag ein einmaliges Erlebnis, aber niemand glaubte damals, dass die deutsche Elf von Trainer Sepp Herberger vier Jahre später - am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorf-Stadion - die als unschlagbar geltenden Ungarn (3:2) im WM-Endspiel niederringen und sich zum Weltmeister küren würde.  

"Der deutsche Sturm wuchs, getragen von der Atmosphäre und dem Fluidum der Stunde, zu einer Leistung, die man gerade von ihm am allerwenigsten erwartet hatte", schrieb der SID nach dem Stuttgart-Spiel gegen die Eidgenossen. Drei spätere Weltmeister - Toni Turek, Ottmar Walter und Max Morlock - standen in Herbergers Team. Fritz Walter, der Kapitän der Weltmeistermannschaft, hatte kurzfristig absagen müssen. Und das Siegtor schoss Burdenski.

Burdenski wird zweimal Deutscher Meister

"Budde", Vater von Ex-Bundesliga-Torwart Dieter Burdenski, gewann 1940 und 1942 zweimal mit Schalke die deutsche Meisterschaft. 1949 wechselte der gebürtige Gelsenkirchener allerdings zu Werder Bremen. Doch Burdenski blieb sein Leben lang Schalker, gehörte dem Ehren- und Aufsichtsrat an, war als Gründungsmitglied des Ehrenpräsidiums im Verein aktiv. 65 Jahre war er Vereinsmitglied.

Kein Geringerer als Ernst Kuzorra hatte den damals 13-jährigen Burdenski entdeckt und ihn zu Schalke 04 geholt. Zusammen mit Größen wie Kuzorra, Fritz Szepan und Ötte Tibulsky prägte auch Burdenski den berühmten Spielstil des "Schalker Kreisels".  Nach Ende seiner Karriere arbeitete Burdenski als Lehrer und machte sich auch als erfolgreicher Coach einen Namen. Am 15. September 2001 starb er im Alter von 79 Jahren in Gelsenkirchen. 

Burdenski erzielt das erste Tor für die DFB-Elf nach dem Krieg

Sportschau 18.05.2022 01:13 Min. Verfügbar bis 18.05.2023 Das Erste

Quelle: sid