Gladbachs fast königlicher Abend gegen Real Madrid

Gladbachs Nico Elvedi (l.) und Matthias Ginter trösten sich nach Spielende

Gladbachs fast königlicher Abend gegen Real Madrid

Von Julian Tilders

In der Champions League hat Borussia Mönchengladbach gegen Real Madrid mit einer engagierten Leistung begeistert. Dennoch ist am Tag danach die Enttäuschung groß - was auch am neuen Selbstbewusstsein liegt.

Ein Punkt gegen Real Madrid - für viele Fußballklubs ein Grund zur Freude. Nicht aber für Borussia Mönchengladbach, nicht nach dieser Leistung gegen die Königlichen, die selten so schlagbar wirkten wie im Moment.

Statt einer magischen Nacht mit einem großen Sieg mussten sich die Spieler von Trainer Marco Rose wieder mit einem 2:2 zufriedengeben. Wie schon beim Remis gegen Inter Mailand (2:2) fiel der Ausgleichstreffer, diesmal durch Casemiro (90.+3), kurz vor Schluss. "Wir sind natürlich schwer enttäuscht", sagte Rose nach der Partie im leeren Borussia-Park.

Gladbach-Coach Rose: "Sind schwer enttäuscht, ganz klar!" Sportschau 28.10.2020 01:04 Min. Verfügbar bis 28.10.2021 Das Erste

Spanische Presse: "Real war schon in der Notaufnahme"

Die spanische Presse fand indes gewohnt schillernde Umschreibungen für die Probleme, die Gladbach Real bereitet hatte. Am "Rand eines Desasters" (AS) sei Madrid gewesen. Die "Sport" schrieb: "Real war schon in der Notaufnahme, hatte am Ende viel Glück." Laut "El Mundo Deportivo" habe der Ausgleichstreffer "eine weiße Tragödie in Europa" verhindert.

Drei Flanken vernichten vier Punkte

Nur zwei statt sechs Zähler sind nun auf dem Gladbacher Konto verbucht, die Fohlen ärgern sich über die verpasste Möglichkeit, bereits früh den Grundstein für das Erreichen des Achtelfinals zu legen. Der 44-jährige Gladbach-Coach analysierte: "Wir hatten Real am Haken. Aber wenn da so viele Flanken kommen, kannst du das nicht immer verteidigen. Das ist natürlich bitter."

Bayern mit Topspeed - die Audio-Highlights aus Moskau und Gladbach

Sportschau 27.10.2020 01:38 Min. Verfügbar bis 27.10.2021 ARD


Karim Benzema, den die Fohlen-Defensive zumindest in Hälfte zwei größtenteils abgemeldet hatte, brachte Real erst in der 87. Minute mit dem Anschlusstreffer wieder ins Geschäft. Beiden späten Gegentreffern gingen Flanken von der linken Gladbacher Seite voran. Und Inter hatte im ersten Champions-League-Gruppenspiel nach einer Ecke spät ausgeglichen. Drei Flanken also, die Gladbach vier Punkte kosteten.

Mehr als nur auf Augenhöhe mit Europas Top-Klubs

"Aus unseren ersten beiden Auftritten können wir aber viele positive Dinge ziehen", konnte sich Rose dann doch ein bisschen freuen. Die Tabelle in Gruppe B führt Shakhtar Donezk mit vier Zählern an, dahinter stehen Gladbach und Inter Mailand mit jeweils zwei Punkten. Real Madrid belegt mit einem Zähler den letzten Platz. Vernachlässigt man das aktuelle sportliche Leistungsvermögen und schaut nur auf die Namen der Klubs, könnte man urteilen: verkehrte Welt.

Sportliche Entwicklung und neues Selbstbewusstsein

Bezieht man jedoch das aktuelle sportliche Leistungsvermögen und die Entwicklung der letzten Jahre ein, mutet diese Konstellation vielleicht doch nicht so verkehrt an. Gladbach machte unter Manager Max Eberl vieles richtig, traf kluge Transfer- und teils auch unpopuläre Personalentscheidungen, wie beispielsweise die Verpflichtung Roses und die Trennung von Dieter Hecking im Sommer 2019, der die Spielzeit mit Gladbach auf einem guten fünften Platz beendet hatte.

Die anschließende sportliche Entwicklung gipfelt nun in dem Selbstbewusstsein, über ein Remis gegen Real Madrid in der Champions League ein wenig enttäuscht sein zu dürfen.

Thuram trifft doppelt gegen Ex-Mitspieler des Vaters

Die Augen gerieben haben wird sich auch Real Madrids Trainer Zinedine Zidane. Bei der WM 2006 hatte der Franzose noch mit Landsmann Lilian Thuram zusammengespielt, dessen Sohn Marcus (23) nun Zidanes Team "zwei Ohrfeigen" (El Mundo Deportivo) in Form seiner beiden Tore (33./58.) verpasste.

Zidane urteilte nach dem Spiel fast demütig: "Wir haben heute Charakter gezeigt. Wenn wir so weiterspielen, werden wir die Gruppenphase überstehen. Daran habe ich keine Zweifel." Ein Punkt gegen Gladbach - für immer mehr Klubs in Europa vielleicht auch gar nicht so schlecht.

Stand: 28.10.2020, 10:55