Kölns Torhüterin Pauline Carlotta Nelles (l.) und Antonia Langshausen

Frauenfußball: Können die NRW-Klubs vom "EM-Hype" profitieren?

Stand: 02.08.2022, 18:05 Uhr

Ansätze, wie man die Euphorie der EM in der Frauen-Bundesliga nutzen kann, gibt es viele. Gefragt sind dabei alle Beteiligten: Von den Fans über die Klubs bis zu den Medien.

Von Michael Buchartz

Nach der berauschenden EM und dem Finale gilt für viele Fußbalerinnen vor allem eines: Zurück in den Liga-Alltag. Und dort ist längst nicht alles so schön, wie es in diesen Tagen in England scheint.

Watzke sieht Fans in der Pflicht

Vom Männerfußball sind die weiblichen Fußballerinnen in Sachen Aufmerksamkeit und Erlöse dort immer noch sehr weit weg. Equal Pay - also gleiche Bezahlung - scheint deswegen oft noch kein Thema. Die Gegner verweisen auf die geringeren Zuschauerzahlen und weniger Sponsoring und damit verbunden weniger Erlöse. "Da ist jetzt vor allem der Fußballfan gefragt, sich nicht nur alle zwei Jahre mal für Frauenfußball begeistern zu lassen, sondern eben öfter", erklärte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im exklusiven Sportschau-Interview am Dienstag.

Denn die Frauen-Bundesliga wartet mit anderen Zahlen als 87.000 Zuschauer:innen in Wembley auf. Da kommen im Schnitt gerade einmal rund 1.000 Menschen zu einem Spiel. So wie beim 1. FC Köln, immerhin im zweiten Jahr in Folge in der Bundesliga vertreten.

Watzke: "Diejenigen, denen das gefallen hat, sollen dann gefälligt auch kommen"

Sportschau 02.08.2022 01:19 Min. Verfügbar bis 02.08.2023 Das Erste

Köln plant zahlreiche Aktionen

Dort, genauso wie anderswo, hofft man darauf, nun den Schwung und die erhöhte Aufmerksamkeit des EM-Turniers, in die Bundesliga mitnehmen zu können. Der Verein plane in der kommenden Spielzeit zahlreiche Aktionen. "Unser Ziel ist es, noch mehr Fans ins Stadion zu locken. Die Zielgruppen sind vor allem Fans und Mitglieder des 1. FC Köln sowie die Frauen- und Mädchenfußballvereine rund um Köln", so Bender weiter. Immerhin gibt es inzwischen auch den ersten offiziellen Fanclub für die Frauenmannschaft des 1. FC Köln - sehr zur Freude des Vereins.

Auch bei der SGS Essen plant man, die Aufmerksamkeit in Form von Aktionsspieltagen zu nutzen. Dort setzt man vor allem darauf, nicht ein "Anhängsel" des Männerfußballs zu sein. "Wir sind einer der letzten Vereine, der ohne Männeranschluss Fußball und Frauen epräsentiert. Daher liegt die Chance für Sponsoren darin, sich authentisch mit dem Thema Frauenfußball bei uns uns imagetechnisch aufzuladen", ließ der Verein gegenüber dem WDR verlauten. Auf Sponsoren möchte man nun "proaktiv" zugehen.

MSV Duisburg "noch in der Entwicklung"

Der MSV Duisburg hat bei der Frauen-EM ganz genau hingeschaut. "Wir als Duisburger haben immer noch enge Kontakte zu Martina Voss-Tecklenburg", sagte Sprecher Martin Haltermann. "Ich glaube schon, dass der Frauenfußball nach dem Schattendasein in den vergangenen Jahren extrem gewonnen hat."

Im Hinblick auf die neue Saison möchte der MSV nicht nur die EM-Euphorie, sondern auch die Euphorie des eigenen Bundesliga-Aufstiegs nutzen. "Da sind wir noch in der Entwicklung", sagte Haltermann. Um die Frauen-Abteilung des MSV weiter voranzubringen kooperiert der Verein mit den Sportfreunden Walsum. Halterman fügt aber an: "Man darf die Frauen-Abteilung des MSV Duisburg nicht gleichsetzen mit dem, was im Männerfußball passiert. Es ist immer noch ein gewachsener Verein aus dem FCR Duisburg, den wir damals übernommen haben."

Bayer 04 hofft auch mehr Fans bei Heimspielen

In einem sind sich alle vier NRW-Bundesligisten einig: Ohne die Berichterstattung der Medien wird es nicht gehen. "Der Boom ist in erster Linie durch Medien geschaffen und in deren Verantwortung liegt es auch, dass das Interesse nach der EM nicht wieder abflacht", teilte der Verein Bayer Leverkusen dem WDR mit. Spezielle Vermarktungsmaßnahmen plane man aber nicht.

In die gleiche Kerbe schlägt auch die SGS Essen: "Wir hoffen, dass auch das Interesse jetzt nicht stark zurück geht. Es muss nicht jedes Spiel gezeigt werden, aber es gäbe die Möglichkeit aufgrund der Rechtelage darüber zu berichten. Eine regelmäßige Berichterstattung wird dem Frauenfußball ohne großen Aufwand gerecht. Wir brauchen dabei nicht die komplett gleichen Formate wie die Männer."

Wie steht es um den Frauenfußball in NRW?

WDR 5 Westblick - aktuell 29.07.2022 05:06 Min. Verfügbar bis 29.07.2023 WDR 5


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Watzke: "Idealerweise kommen Fans in die Stadien"

Dennoch bleibt abzuwarten, ob die große Öffentlichkeit während des Turniers auch der Bundesliga helfen kann. "Der Lakmustest ist, ob es gelingt, nachhaltig höhere Zuschauerzahlen hinzubekommen", so Watzke und führte aus: "Der Sympathiebonus war auch sonst da. Vielleicht nicht so extrem wie jetzt. Aber jetzt müssen diejenigen, die begeistert waren, auch gefälligst kommen. Idealerweise bis in die Stadien!"

Immerhin wird in den Vereinen schon fortlaufend über Verbesserungen nachgedacht. Übrigens auch beim 1. FC Köln. Der zieht nun in Erwägung, dass die Frauen statt wie bisher im Franz-Kremer-Stadion am Trainingsgelände, wo sonst die Reserve der Männer antritt, auch mal im großen Stadion in Müngersdorf auflaufen dürfen. Vielleicht dann vor mehr als 1.000 Zuschauern.

Vor der Fußball-EM der Frauen - Equal Pay und Rekordkulisse

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